Drei Fragen an den Experten

Warum Rating-Agenturen so viel Macht haben

von Malte Dreher

Sie bewerten die Kreditwürdigkeit von ganzen Staaten und haben als Orientierungshilfe für Anleger einen massiven Einfluss darauf, zu welchem Preis die Regierungen an den Märkten Geld bekommen. Und wenn sie einen Fonds gut einstufen, lockt das Geldgeber an. Vorsicht ist geboten, wenn der Fonds sehr volatil ist. Experte Malte Dreher klärt auf und sagt Dir auch, für wen spezialisierte Branchen- und Themenfonds in Frage kommen.

Womit verdient eine Ratingagentur ihr Geld?

„To rate“ bedeutet im Englischen „ein Urteil abgeben“ oder „etwas einschätzen“. Damit ist im Wesentlichen bereits beschrieben, was eine Ratingagentur macht: Sie bewertet, und zwar die Kreditwürdigkeit – von einzelnen Staaten und Unternehmen, aber in erster Linie von Anlageprodukten, die von diesen auf den Markt gebracht werden. Dabei steht die Buchstaben-Kombination „AAA“ für höchste Bonität: Eine Anleihe, die dieses Siegel trägt, gilt als nahezu vollkommen ausfallsicher. Selbst furchtsame Naturen können hier bedenkenlos zugreifen. Bei einer mit „BB“ gekennzeichneten Anleihe kann es dagegen bei der Rückzahlung nach Einschätzung der Agentur zu Problemen kommen und bei „C“ besteht höchste Insolvenzgefahr.

Das Rating einer Anleihe hat direkten Einfluss auf deren Verzinsung. Ein Schuldner mit einem exzellenten Rating kann sich am Kapitalmarkt zu einem sehr günstigen Zinssatz verschulden, während Staaten und Unternehmen, die nur mit „BB“ bewertet werden, deutlich mehr Anreize bieten müssen. Bezahlt werden die Ratings übrigens von den Anleihe-Anbietern selbst – was zu einem Interessenkonflikt führen würde, wenn die Agenturen dringend auf Aufträge angewiesen wären und somit versucht sein könnten, ihrem Kunden beim Urteil entgegenzukommen. Da es aber nur wenige große Agenturen (unter anderem Standard & Poors, Moody’s und Fitch IBCA) gibt und an vielen Märkten ein Rating-Zwang besteht, sehen Experten diese Gefahr nicht.

Außer für Anleihen gibt es auch für Versicherungen und Investmentfonds regelmäßig Ratings. Dort bestimmt die Rating-Note zwar nicht den Preis, bleibt aber dennoch nicht ohne Auswirkungen: So lockt ein von der führenden Fonds-Ratingagentur Morningstar mit Höchstnoten versehenes Produkt regelmäßig neue Anlagegelder an.

Wenn eine Anlage volatil ist, dann ist sie was genau?

Volatilität, das ist in der Tat ein schwieriger Begriff. Dabei kommen insbesondere Fondsanleger kaum an ihm vorbei: In nämlich fast jedem Artikel, in dem es um die Qualität von Investmentfonds geht, wird eine niedrige Volatilität als Vorteil gepriesen. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort volare (fliegen) ab und bedeutet sinngemäß "auf und ab". Die entsprechende Kennzahl beschreibt, wie stark der Preis eines Fondsanteils über einen bestimmten Zeitraum schwankt.

Dazu wird der durchschnittliche Anteilspreis in einer bestimmten Zeit berechnet, meistens über 36 Monate. Anschließend wird gemessen, wie weit sich der Anteilspreis in dieser Zeit vom Durchschnittswert entfernt hat. Man errechnet also die Schwankungsbreite um den Mittelwert herum. Je größer diese ist, um so volatiler und damit risikoreicher ist ein Fonds. Die Volatilität eines Geldmarktfonds liegt nahezu bei Null, sehr spezialisierte Aktienfonds kommen mitunter auf 30 Prozent oder mehr.

Eine Faustregel, die Fondsanleger immer wieder zu hören bekommen: Wer vor der Wahl zwischen zwei Angeboten steht, die in den vorangegangenen drei Jahren eine gleich hohe Rendite erzielt haben, sollte jenen Fonds bevorzugen, der diese Rendite mit der geringeren Volatilität erreicht hat. Im Großen und Ganzen ist gegen diese Regel nichts einzuwenden.

Ganz generell sollten Anleger sich jedoch davor hüten, der Kennzahl Volatilität eine zu hohe Aussagekraft beizumessen. Denn sie kann auch in die Irre führen. Geht es beispielsweise an der Börse lange Zeit vergleichsweise gemächlich bergauf, sind die ausgewiesenen Zahlen relativ niedrig und gaukeln so eine Sicherheit vor, die in Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Umgekehrt schreckt eine für die unmittelbare Vergangenheit ausgewiesene, sehr hohe Volatilität nach hektischen Abschwung-Phasen Anleger möglicherweise vom Kauf eines Fonds ab – obwohl der Zeitpunkt dafür gerade günstig wäre. Denn manchmal steht eine hohe Volatilität nicht nur für ein hohes Risiko, sondern auch für eine große Chance.

Wie sinnvoll sind Branchen- und Themenfonds?

Das kommt immer darauf an, wer sie sich ins Depot legt. Aber zunächst einmal die Erklärung, was sich überhaupt hinter diesem Begriff verbirgt: Der Manager eines Branchenfonds kauft ausschließlich Aktien, die einem bestimmten Wirtschaftszweig angehören. Technologie, Rohstoffe, Biotechnologie, Immobilien – der Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt. Gleiches gilt für den meist branchenübergreifenden Bereich der Themenfonds. Ganz neu am Markt erhältlich ist etwa ein Fonds, der vom Trend hin zu einer intelligenten Stadtentwicklung profitieren soll. Dort finden sich dann Aktien von Unternehmen, die durch ihre Produkte oder Dienstleistungen zu einer besseren städtischen Umwelt beitragen.

Die Suche nach derartigen Spezialitäten einem versierten Fondsmanager anzuvertrauen, macht sich in den meisten Fällen bezahlt. Denn dieser hat in aller Regel einen besseren Überblick über den jeweiligen Markt als ein normaler Anleger und auch als viele Manager-Kollegen, denen die ganze Welt offensteht. Nicht von ungefähr werden Goldminenfonds häufig von studierten Geologen betreut und Biotechfonds von Medizinern. Das damit verbundene Spezialwissen ist auf lange Sicht für so manchen Performance-Punkt gut.

Die Probleme beginnen meistens eine Ebene höher, nämlich beim Depot-Mix. Viele Anleger lassen sich von den zeitweise extrem guten Ergebnissen von Branchen- und Themenfonds blenden und kaufen dann mehr davon, als ihrem Depot guttut. Und überdies zum falschen Zeitpunkt, denn die besten Ergebnisse in der Rückschau gibt es meist am Ende eines Aufschwungs. Branchenfonds sollte man also nur wohldosiert als Beimischung kaufen. Und zudem darauf achten, dass diese wirklich eine Ergänzung darstellen. Denn wer zum Beispiel einen globalen Aktienfonds im Depot hat, dessen größte Positionen Apple, Amazon und Facebook sind, braucht nebenher keinen Technologiefonds, der genau die gleichen Aktien hält.

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Malte Dreher
Malte Dreher

Malte Dreher (Jahrgang 1973) ist Herausgeber von zwei Finanzmagazinen: Das „private banking magazins“ und „DAS INVESTMENT“ werden in Hamburg verlegt und von 40.000 Finanzprofis gelesen. Er studierte Germanistik, Geschichte und politische Wissenschaft in Heidelberg und Köln. Heute lebt er mit seiner Frau und sechs Kindern in Hamburg. Für ZASTER beantwortet er jeden Donnerstag Fragen zu Kapitalmarkt- und Anlegerthemen in der Rubrik „Drei Fragen an ... Malte Dreher“.

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