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Ganz schön verzahnt

Wie finde ich eine gute Zahnzusatzversicherung?

von Jonas Rüffer

Vor dem Schlafen, nach dem Essen, Zähne putzen nicht vergessen! Kauflächen, Innenflächen, Außenflächen. Morgens Aronal, abends Elmex. Sie kennen bestimmt noch mehr Redewendungen und Sprüche zum menschlichen Gebiss. Leider haben wir kein Gebiss wie der weiße Hai, bei dem die Beißerchen einfach nachwachsen. Nachdem wir die Milchzähne verloren haben, haben wir unser Gebiss für den Rest unseres Lebens. Ein Grund, seine grauen Zellen anzustrengen, um die Dinger zu beschützen – und nicht Zähne knirschend hohe Rechnungen zu bezahlen …

Vor der Gesetzlichen ist jeder gleich …

Wie fast jeder aus eigener schmerzhafter Erfahrung weiß: Unsere Zähne können unglaublich teuer werden. Aber kaum jemand versteht die oft unverständliche Geheimsprache der Versicherungen. Wer weiß denn wirklich, was die Versicherung zahlt und was nicht? Folgende Kosten könnten zum Beispiel auf Sie zukommen:

Kronen ab 300 Euro (Kasse zahlt 195 Euro)

Krone aus Keramik ab 600 Euro (Kasse zahlt 195 Euro)

Inlay ab 600 Euro (Kasse zahlt 50 Euro)

Implantat ab 3500 Euro (Kasse zahlt 450 Euro)

Wenn sogar eine richtige Sanierung ansteht, dann kann die Rechnung durchaus schnell mehr als 20.000 Euro betragen!

Wie unsere kurze Kostenaufstellung zeigt, müssen Sie für die Zähne tief in die Tasche greifen. Wenn es dann noch zu Komplikationen kommt, Sie eine Narkose benötigen, die Nachbehandlung länger dauert oder sie noch zum Kieferorthopäden müssen, dann mal: Good Luck beim Lottospielen! Sie haben leider nicht wirklich eine Wahl: Entweder laufen Sie als Steinbruch rum, oder es wird richtig teuer.

Wir erklären Ihnen jetzt mal genau, was Sie wissen müssen, damit Sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können (und noch ein paar Euro für den Jahresurlaub übrig haben).

Bevor wir über Versicherungen reden, reden wir erstmal über notwendigen Dinge, die man sowieso beachten sollte.

Das Bonusheft

Sie sind Kassenpatient und haben bei Ihrem Zahnarzt ein Bonusheft bekommen – und lassen Ihre Routineuntersuchungen regelmäßig abstempeln? Sehr gut, das kann Ihnen am Ende eine Menge Geld sparen.

Die Krankenkasse prüft nämlich, ob Sie regelmäßig beim Zahnarzt waren. Wenn Sie jedes Jahr einmal beim Zahnarzt waren, dann gibt es am Ende beim Zahnersatz Prozente. Der Zuschuss unterscheidet sich, je nachdem, wie lange Sie schon regelmäßig dort waren.

Wichtig hierbei: Wenn Sie ein Jahr verpassen, fangen Sie wieder von vorne an. Also jedes Jahr mindestens einmal zum Zahnarzt gehen und immer das Bonusheft abstempeln lassen! Ja, auch heute noch, obwohl Ihnen die Erfindung Bonusheft vorkommt wie aus der Steinzeit.

Die KZV

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) ist die Institution, die Sie unbedingt aufsuchen sollten, wenn es um eine Zahnbehandlung wie das Setzen von Kronen oder Implantaten geht.

Wenn Sie also schon einen Heil- und Kostenplan von Ihrem Zahnarzt bekommen haben, dann sollten Sie eine der 17 bundesweiten Beratungsstellen (hier geht's zu den Experten) aufsuchen, dort können Sie sich eine kostenlose Zweitmeinung einholen.

Ziel dabei ist es, herauszufinden, ob der Zahnarzt „nur an Ihr Geld will“, oder die Behandlung wirklich in vollem Maße nötig ist.

Die Ärzte der KZV schauen sich Ihren Heil- und Kostenplan an, untersuchen Sie und gehen die möglichen Behandlungen mit Ihnen durch.

Gut zu wissen: Die Ärzte dort dürfen nicht behandeln, was heißt, dass sie relativ unvoreingenommen sind. Dies hilft nicht nur dabei, viel Geld sparen sondern auch, Ihren Zahnarzt besser einzuschätzen.

Die Zusatzversicherung

Nachdem Sie also das Bonusheft anständig geführt haben, jedes Jahr zum Zahnarzt gegangen sind und sogar bei der KZV waren, kann es trotzdem vorkommen, dass Sie zum Beispiel ein Implantat brauchen. Wenn es sogar zwei oder drei davon sind, dann haben Sie hoffentlich eine Zusatzversicherung abgeschlossen.

Wer noch keine Police hat, dem graut höchstwahrscheinlich allein vor der Entscheidung für die perfekte Zahnversicherung: Versicherungsmakler, Zahlen über Zahlen, Prozente über Prozente, Kleingedrucktes. Bei der einen Versicherung steigt der Beitrag mit dem Alter, bei der anderen ist noch die Zahnreinigung mit drin, bei der dritten keine Dritten etc.

Grundsätzlich gelten folgende Regeln:

✯ Versicherung besser früher als später abzuschließen. Denn fast keine Versicherung zahlt, wenn es schon eine Diagnose gibt. Sind Ihre Zähne also noch gesund, sollten Sie nicht warten, bis es zu spät ist. Die meisten Versicherungen haben übrigens eine Mindestlaufzeit von acht Monaten, bevor überhaupt Kosten übernommen werden.

✯ Ein weiterer Grund für frühen Eintritt ist, dass bei den meisten Versicherungen die Erstattung mit der Laufzeit der Police steigt. Je länger Sie versichert sind, desto mehr wird erstattet. Da die Beitragshöhe aber auch vom Alter abhängt, lohnt sich das frühe Eintreten gleich doppelt. Junge Versicherte zahlen wesentlich weniger und können somit relativ günstig Beitragsjahre sammeln.

✯ Sie müssen den Arzt von der Schweigepflicht entbinden. Schummeln bringt also eh nichts, die Versicherung bekommt bei der nächsten Rechnung heraus, ob Sie falsche Angaben zum Zustand Ihrer Zähne gemacht haben.

✯ Buchen Sie bei der Versicherung nicht bloß den Mindestschutz. Damit erhalten Sie schlechtere Materialien, die kürzer halten und im Endeffekt durch mehrmals nötige Behandlungen wiederum teurer sind. Bei der Zahnzusatzversicherung lohnt es sich wirklich, eine mit mehr Leistungen zu wählen.

✯ Eine Versicherung, die auch die professionelle Zahnreinigung erstattet, ist empfehlenswert. Eine Zahnreinigung gibt nicht nur ein wunderbar blankes Gefühl auf den Zähnen, sondern beugt auch Zahnfleischerkrankungen und andere Dingen vor, die Sie später Zeit und Geld kosten und Ihnen Schmerzen kosten.

So finden Sie eine gute Versicherung

Kommen wir zur Auswahl. Da niemand von Ihnen verlangen kann, sich durch die Google-Anzeigen zu klicken und mit Hilfe einer Pro- und Contra-Liste die perfekte Versicherung zu finden, gibt es Menschen, die das für Sie gemacht haben. Und zwar die von Stiftung Warentest. Die Experten haben erst kürzlich ihre neuen Testergebnisse veröffentlicht.

Testsieger sind aktuell: die Bayrische, die DFV und die Hanse Merkur. Die Testsieger übernehmen sogar 100 Prozent der Kosten für Implantate. Den ausführlicher, kostenpflichtigen Bericht von der Stiftung Warentest erhalten Sie hier. Mit der einfachen Tabelle können Sie sich ihre Favoriten aussuchen und danach Termine vereinbaren. Kleiner Tipp: Wenn Sie schon wissen, was in ihrem Tarif ungefähr enthalten ist, dann haben Sie eine bessere Verhandlungsposition.

ZASTER-Fazit: Eine Zahnzusatzversicherung lohnt sich. Selbst wenn Sie in den nächsten Jahren keine ärztliche Behandlung brauchen, gilt bei derart hohen Kosten für eine Zahnzusatzversicherung dasselbe, wie für die Haftpflichtversicherung: Besser haben, als brauchen!

ein Artikel von
Jonas Rüffer
Jonas Rüffer

Jonas Rüffer (Jahrgang 1991), ist seit Februar Teammitglied der Zasterredaktion. Vorher hat er seinen Master in Politik abgeschlossen. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit Servicethemen wie Kryptowährungen oder Geld- und Finanzpolitik.

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