Sind kleinere Unternehmen erfolgreicher an der Börse?

„Langfristig sind Nebenwerte kaum zu schlagen“, behauptet Fondsmanager Stefan Meyer in einem Interview mit DAS INVESTMENT. Die nackten Zahlen geben ihm Recht. In Deutschland, wo die 50 im M-Dax versammelten Unternehmen der zweiten Reihe dem Dax in den vergangenen 30 Jahren keine Chance ließen (10,9 Prozent jährliche Rendite gegenüber 8,3 Prozent im Leitindex). In Europa, wo der beste Nebenwerte-Fonds in den vergangenen fünf Jahren um 144 Prozent zulegte, der beste Standardwerte-Fonds dagegen nur um 102 Prozent. Und auch in den USA, wo entsprechende Small-Cap-Fonds (für Small Capitalisation) langfristig ebenfalls besonders häufig zu den Performance-Überfliegern gehören.

Warum das so ist, liegt auf der Hand. Oft sind die Wachstumschancen von kleinen, innovativen Unternehmen höher als die eines im Laufe der Jahre behäbig gewordenen Großkonzerns. Logisch: Ein Umsatz lässt sich schneller von 50 auf 100 Millionen Euro steigern als von einer Milliarde auf 2 Milliarden Euro. Zwar stehen den größeren Chancen auch höhere Risiken gegenüber, und kurz- oder mittelfristig können die Ergebnisse auch schon mal deutlich schlechter ausfallen. Langfristig lohnt sich der Kauf von Small Caps – aus Gründen der Risikostreuung am besten in Fonds-Form – jedoch fast immer. Dabei hat die Erfahrung gezeigt: Lieber mehrere regionale Small-Cap-Fonds kombinieren als sich einen globalen Small-Cap-Fonds ins Portfolio legen. Den Aufwand, an allen wichtigen Börsenplätzen dieser Welt die Werte aus den hinteren Reihen gleichzeitig im Auge zu behalten, bekommen nämlich nur wenige Fondsmanager hin.

Sollte ein Aktienfonds eher viele oder eher wenige Unternehmen kaufen?

Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt. Manche Manager kaufen für ihren Fonds bewusst 100 Titel oder mehr, um die mit jedem Engagement eingegangenen Risiken möglichst niedrig zu halten. Auf den ersten Blick leuchtet das ein: Wenn ein Unternehmen nur 1,1 oder 0,9 Prozent des Fondsvermögens ausmacht, trifft ein Ausfall das Portfolio weniger hart als bei einem Unternehmen, das mit 5 oder 7 Prozent gewichtet ist. Andere Manager wiederum verteilen das Geld der Anleger lediglich auf 20 oder 25 verschiedene Titel. Um eine attraktive Rendite zu erwirtschaften, genügt es so unter Umständen bereits, wenn sich eine Handvoll Aktien deutlich besser als der allgemeine Durchschnitt entwickelt.

Ob mit einer solchen Politik die Risiken spürbar steigen, ist allerdings nicht so klar, wie es zunächst den Anschein hat. Denn die Minimalisten, zu denen unter anderem der amerikanische Star-Investor Warren Buffett gehört, haben ein durchaus plausibles Argument auf ihrer Seite: Je größer die Anzahl der enthaltenen Aktien, desto größer auch der Analyseaufwand und die Gefahr, dass irgendwo etwas aus dem Ruder läuft. Nennen wir es den Kindergartenausflugs-Effekt: Eine Betreuerin, die sich mit fünf ihr anvertrauten Schützlingen auf Exkursion begibt, wird ihre Gruppe mit etwas Geschick jederzeit im Griff haben. Bei 10 oder 15 Kindern wird es schon schwieriger, und spätestens wenn die Gruppe auf 20 oder 25 Kinder wächst, steht sie allein auf verlorenem Posten.

Letztlich gibt es aber keine allgemeingültige Antwort. Da bin ich ganz bei meinem Kollegen Egon Wachtendorf, den genau diese Frage unlängst zu einer anderen, in seinen Augen viel wichtigeren Frage geführt hat.

Gibt es sinnvolle Börsenregeln?

Wohl jeder kennt die alte Bauernweisheit vom krähenden Hahn auf dem Mist. Die damit verbundene Botschaft „…ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist“, zeigt jedoch bereits: Allgemeingültigkeit sollte man von flotten, auf die Börse gemünzten Sprüchen niemals erwarten. Nirgendwo zeigt sich das besser als bei der vielleicht bekanntesten Regel „Sell in May and go away“. Die Erwartung, durch einen Verkauf von Aktien im Mai und deren Rückkauf im September einen besseren Ertrag zu erzielen als durch ganzjähriges Halten, kann sich erfüllen – oder eben auch nicht. Wer zum Beispiel wissen möchte, ob sich diese Strategie in den vergangenen 30 Jahren beim Dax gelohnt hätte, findet hier einige sehr interessante Einblicke.

Grundsätzlich gilt: Je spezieller eine Regel, desto größer die Gefahr, damit Schiffbruch zu erleiden. Demgegenüber gibt es aber einige wesentliche Gesetzmäßigkeiten, die sich in der Vergangenheit sehr häufig bewahrheitet haben und somit durchaus als Richtschnur taugen. Hier sind drei von Ihnen. Erstens: Kleine Unternehmen entwickeln sich tendenziell besser als große. Zweitens: Fundamental günstig bewertete Aktien sind gegenüber fundamental teuren Aktien im Vorteil. Und drittens: Aktien, die sich in einem Aufwärtstrend bewegen, schlagen langfristig den Markt.

Auch diese Gesetzmäßigkeiten gelten jedoch nur sehr langfristig – zeitweise gibt es immer wieder Phasen, in denen sie komplett außer Kraft gesetzt scheinen. Da hilft dann nur der feste Glaube an einen weiteren Grundsatz, nämlich den Mean-Reversion-Effekt. Demzufolge neigen Märkte generell zu Übertreibungen, finden aber immer wieder zum langjährigen Durchschnitt zurück. Darauf aufbauend hat die amerikanische Investment-Legende John Templeton einmal folgende, ebenfalls recht treffsichere Börsenregel formuliert: „Die Zeit des größten Pessimismus ist die beste Zeit des Kaufens, die Zeit des größten Optimismus ist die beste Zeit zu verkaufen.“