Interview

Wieviel Weltreise bekommt man für 1000, 5000 oder 10.000 Euro?

von Kirsten Reineke

„Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf.“ – „Ja, war geil!“ Selbst wer mit Schulden von seiner Weltreise zurückkommt, hat es nie bereut. Aber wie weit kommt man mit 1.000, 5.000 oder 10.000 Euro? ZASTER hat einen erfahrenen Globetrotter gefragt.

Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben, sagt man. Und wer hat noch nie von einer Weltreise geträumt? Viele schrecken aber vor den hohen Kosten zurück. Dabei kann Reisen sogar günstiger sein als die Miete daheim. Die Kosten hängen vom persönlichen Reisestil, dem Komfortbedarf, der Auswahl der Länder, den Transportmitteln und den geplanten Aktivitäten ab – und von der allgemeinen Reisegeschwindigkeit: je schneller, desto teurer.

Einer, der sich auskennt, ist der Weltreisende Florian Blümm. Im Juni 2011 kündigte der Informatiker seinen Job und seine Wohnung, um für ein Jahr um die Erde zu tingeln. Mittlerweile ist er immer noch noch unterwegs und macht etwa einen Monat im Jahr Heimaturlaub in Deutschland. In seinem Blog flocutus.de teilt er seine Erfahrungen. Hier beantwortet Blümm die wichtigsten Fragen rund um das Thema Reisen und Geld. Seine wichtigste Erkenntnis: Zeit ist eine Währung!

ZASTER: Was ist das Mindestbudget für eine Weltreise?

Florian Blümm: Für eine einjährige Weltreise auf mehreren Kontinenten sollte es schon eine niedrige fünfstellige Summe sein. Die tatsächlichen Kosten gehen je nach Reisestil und Reisezielen stark auseinander. Manche Reisende geben 30.000 Euro oder mehr aus, andere kommen gut mit 10.000 Euro hin.

Wie weit komme ich mit 1000 Euro?

Es gibt spektakuläre Fälle von Weltreisen mit 1000 Euro oder sogar weniger. Wer nicht trampen, couchsurfen und zwischendurch arbeiten will, kommt mit 1000 Euro aber nicht um die Welt.

Mit 5000 Euro?

5000 Euro sind ein gutes Budget für eine mehrmonatige Reise auf einem Kontinent, beispielsweise für eine Südamerika- oder Asienreise. Für eine Weltreise ist das jedoch sehr knapp bemessen.

Mit 10.000 Euro?

10.000 Euro sind das Mindestbudget für eine einjährige Weltreise. Das bedeutet dann aber, sehr kostengünstig als Backpacker zu reisen, mit vielen Überlandstrecken und Übernachtungen in Guesthouses statt Hotels.

Wie viel Geld sollte man für ein Jahr, für sechs oder drei Monate auf Reisen einplanen?

Mit dem Weltreise-Anspruch, möglichst viele Länder auf mehreren Kontinenten zu sehen, unterscheiden sich die Kosten gar nicht so groß. Wer nur sechs Monate für eine Einjahresroute hat, gibt sehr viel mehr Geld für Flüge, Transfers und Touren aus. Drei Monate sind zu wenig Zeit für eine Weltreise.

Welcher Posten ist während einer Weltreise am kostspieligsten?

Essen ist bei mir der teuerste Posten. Das ist deshalb überraschend, weil in vielen Ländern eine Mahlzeit nur 1 bis 2 Euro kostet. Am Essen sollte man aber wirklich nicht sparen. Gute Landesküche ist einer der besten Gründe, um zu reisen!

Woran kann man am meisten sparen?

Das meiste Sparpotential haben Flüge und Übernachtungen. Überlandstrecken sind günstiger als Flüge und machen das Reisen authentischer. Bei schlau gebuchten Flügen muss man nicht unbedingt auf Komfort verzichten. Bei Übernachtungen ist es immer ein Kompromiss zwischen Komfort und Preis.

Bei welchem Reiseziel stimmt Ihrer Meinung nach die „Preisleistung“?

Das Preis-Leistungs-Verhältnis in Südostasien ist hervorragend, vor allem in Vietnam, Thailand und Malaysia. Es ist relativ egal, wie hoch das Budget ist. Für jedes Preissegment gibt es dort hervorragende Leistung.

Wie sollte man auf einer Weltreise sein Geld verwalten?

Am einfachsten ist es, Geld vom deutschen Konto per Kreditkarte von VISA oder Mastercard am Geldautomaten abzuheben. Es gibt eine handvoll Bankkonten mit Kreditkarten ohne Gebühren und günstigen Wechselkursen.

Wie wichtig ist eine Versicherung?

Eine Langzeit-Auslandskrankenversicherung ist sehr wichtig. Außerhalb der EU kommen deutsche Versicherungen nicht für Krankenbehandlungen auf. Andere Reiseversicherungen sind fast immer überflüssig.

Was kann man tun, wenn das Geld plötzlich nicht mehr reicht?

Eine Weltreise ist nicht wie ein Urlaub. Viele Weltreisende planen nur die nächsten Wochen im Voraus. Wenn das Geld wirklich ausgehen sollte, dann bucht man eben keinen Weiterflug, sondern einen baldigen Rückflug in die Heimat. Man sollte aber Reserven für die Rückkehr haben.

Wie bemessen Sie den emotionalen Wert einer Weltreise?

Eine Weltreise sollte man nicht zum alleinigen Heilsziel stilisieren. Sie bietet aber viele Lektionen in Eigenverantwortung und Krisenmanagement. Der Abstand vom deutschen Berufsalltag wirkt Wunder für mehr Perspektive. Gerade als Alleinreisender lernt man sich selbst kennen, wie nie zuvor.

Was ist ein typischer Fehler bei der Planung der Reiseroute?

Ein typischer Fehler ist es, zu viel zu planen. Gerade die unvorhergesehenen Begegnungen und Abstecher machen das Reisen aus. Wer dafür keine Zeit lässt, verpasst das Beste. Traditionelle Sehenswürdigkeiten aus dem Reiseführer verlieren auf einer Weltreise sehr schnell ihren Reiz.

Welches Reiseziel finden Sie überschätzt?

Australien und Neuseeland sind für viele Deutsche ein Traumziel. Klar, die beiden Länder sind extrem einsteigerfreundlich und sicher. Aber auf einer Weltreise sollten allein schon die extrem hohen Kosten abschrecken.

Wie viel Zeit sollte man für eine Weltreise mindestens einplanen?

Ich würde auf jeden Fall versuchen, ein ganzes Jahr frei zu machen. Selbst das ist bei weitem nicht genug um wirklich etwas von der Welt zu sehen. Es gibt Weltreisen von zwei oder drei Jahren. Ich bin mit offenem Ende seit sieben Jahren unterwegs und habe noch lange nicht alles gesehen.

Kann man eine Weltreise auch mit Kindern machen?

Ja klar, und viele Familien machen das vor. Es ist aber eine andere Art zu reisen. Kinder haben wenig Geduld für Sightseeing. Auch ständige Ortswechsel sind mit Kindern eine echte Strapaze. Als Familie macht es Sinn, mal ein paar Wochen auf einer Insel zu pausieren.

Wie entscheidet man sich für die richtigen Länder?

Die meisten Menschen wissen ganz genau, welche Länder sie unbedingt sehen wollen. Außerdem gibt es einige „Standard-Reiseziele“, die fast jeder Weltreisende besuchen will, z.B. Thailand, Nepal, Mexiko und Peru/Bolivien. Ob man alle Traumziele unter einen Hut bekommt, ist eine andere Frage. Aber es müssen ja auch noch Reiseziele für zukünftige Reisen bleiben.

Haben Sie einen Geheimtipp?

Äthiopien ist ein stark unterschätztes Reiseziel. Die Felsenkirchen von Lalibela, die Burgen von Gonder und der blaue Nilfall im Hochland von Afrika sind sehr sehenswert. Äthiopisches Essen ist superlecker. Eine Kostprobe bekommt man in äthiopischen Restaurants in Deutschland.

Sie sind sei 7 Jahren auf Weltreise. Wie finanzieren Sie eine Reise von derartiger Länge?

Zugegeben, nur die ersten beiden Jahre davon waren eine klassische Weltreise. Seit 5 Jahren arbeite ich ortsunabhängig. Wir sogenannten digitalen Nomaden ziehen alle paar Wochen oder Monate weiter und bereisen auf diese Art ganz langsam die Welt.

Nachtrag: Florian Blümm beschreibt in seinem Blog, wie er sein Geld verdient. Mit Programmieren, verkauften Fotos und mit dem Blog finanziert er einen Teil seines Lebens – und dafür reichen nach seinen Worten oft nur 20 Wochenstunden. Mehr zu seinen Einnahmen und Ausgaben in seinem ausführlichen Bericht.

ein Artikel von
Kirsten Reineke
Kirsten Reineke

Kirsten Reineke, Jahrgang 1983, ist freie Journalistin in Hamburg.

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