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Börsenwissen

Was du über Börsencrashs wissen musst

von Nils Matthiesen

Fallende Aktienkurse sind kein Grund zur Panik. Bis jetzt haben sich die Kurse immer wieder erholt und sind anschließend gestiegen – zumindest fast immer.

Viele Sparer scheuen vor allem aus einem Grund die Börse und im Speziellen Aktien: Sie haben Angst vor einem Börsencrash. Denn dann, so die weit verbreitete Annahme, ist das sauer ersparte Geld futsch. Dabei überschätzen die meisten die Folgen eines Börsencrashs. Oder sind einfach falsch aufgestellt.

Das gebrannte Volk

Deutschland, Mitte der 90er: Die „Volksaktie“ der Telekom soll endlich auch dem kleinen Mann zu großen Renditen verhelfen und Sparbuch und Bausparen vergessen machen. TV-Star Manfred Krug avanciert zum Zugpferd einer groß angelegten Kampagne, die das Land elektrisiert. Jeder will die T-Aktie haben. Im ersten Börsengang 1996 und auch als Ende der 90er-Jahre erleben die Papiere daraufhin einen sehenswerten Höhenflug. Doch dann folgt der bittere Absturz. Im Zuge der Dot-Com-Krise Anfang der 2000er purzelt der Kurs von über 100 auf unter 10 Euro. Hunderttausende Kleinanleger verlieren ihr Erspartes. Der Sturz wirkt bis heute nach. Die unheilvolle Melange aus jähem Absturz und mangelnder Risikostreuung hat sich ins deutsche Gehirn gebrannt. Aktien sind gefährlich, Aktien sind nur etwas für Zocker.

Dabei zeigt der Fall vor allem zwei Dinge:

1. Man sollte nicht nur auf ein Pferd setzen.

2. Geduld zahlt sich an der Börse aus.

Denn: Wer die T-Aktie zum Ausgabekurs von 28,50 DM bekommen hat (entspricht 14,57 Euro), hätte Stand heute (Kurs: 14,93) zwar keinen Riesengewinn gemacht, aber im Schnitt rund 4 bis 5 Prozent Dividende pro Jahr eingestrichen. Unterm Strich kann sich das sehen lassen. Dabei ist die T-Aktie ein denkbar schlechtes Beispiel. Denn in der Regel erholen sich Aktien nach einem Börsencrash meist deutlich besser. So waren zum Beispiel die Kursverluste des berüchtigten 1987er-Crashs bereits ein halbes Jahr später bereits zum größten Teil wieder wettgemacht. Aus historischer Sicht handelt es sich also lediglich um eine kleine Delle.

Die Zeit ist dein Freund

Was du nie vergessen darfst: Du solltest kein Geld in Aktien investieren, wenn a) du auf das Geld angewiesen bist und b) es in absehbarer Zeit wieder brauchst. Andersherum: Wenn du Aktien (ETFs, Aktienfonds etc.) kaufst, solltet du mindestens zehn bis 15 Jahre Zeit mitbringen und das angelegte Kapital bis dahin nicht benötigen. Mit dieser Strategie bist du nahezu immer auf der sicheren Seite, zeigt die Börsengeschichte. Selbst absolute Börsenbeben wie die Finanzkrise von 2008 waren wenige Jahre später wieder vergessen.

Die größten Crashs der Börsengeschichte

1
Die Tulpenblase

Gilt als die Mutter aller Spekulationsblasen. Tulpen waren zu Beginn des 17. Jahrhunderts sehr selten und dementsprechend teuer. Tulpenzwiebeln wurden unter anderem an den Börsen in Antwerpen und Amsterdam gehandelt. Die Preise erreichten unfassbare Höhen, angeblich wurden 1637 für drei Tulpenzwiebeln bis zu 30.000 Gulden bezahlt – dabei lag das durchschnittliche Jahreseinkommen damals bei rund 150 Gulden. Noch im gleichen Jahr platzte die Blase und der Markt brach komplett zusammen.

2
Die Weltwirtschaftskrise

Als größter Crash aller Zeiten gilt immer noch der von 1929. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich die Wirtschaft in den USA in den sogenannten Goldenen Zwanzigerjahren bestens entwickelt, die Aktienkurse an der Wall Street kletterten entsprechend in astronomische Höhen. Auf den Zug sprangen auch viele unerfahrene Kleinanleger auf, oft auf Pump. Am 24. Oktober 1929 – dem schwarzen Donnerstag - dann der große Knall. Konjunktursorgen ließen erst die Kurse an der Wall Street abstürzen, dann auf der ganzen Welt. Die Folge war eine Weltwirtschaftskrise, die große Teile der Bevölkerung in Armut stürzte.

3
Die Dotcom-Blase

Tech-Unternehmen wie Amazon, Microsoft und Apple gehören heute zu den wertvollsten der Welt. Schon Mitte der 90er Jahre waren Anleger auf Titel der sogenannten New Economy scharf wie Nachbars Lumpi. Es musste nur irgendwo das Wort „Internet“ auftauchen, und schon schossen die Kurse in die Höhe. Im Jahr 2000 fiel dann auf einmal auf, dass Millionen und Milliarden zum großen Teil in vollkommen unrentable Klitschen gepumpt wurden. Folglich kam es zum Crash. Allein am deutschen „Neuen Markt“ zerbröselte der Börsenwert der knapp 300 Firmen von 235 Milliarden Euro auf unter 30 Milliarden. Auch der DAX brach zwischen März 2000 und März 2003 um fast 75 Prozent auf 2.500 Punkte ein. Heute steht er wieder bei rund 12.000 Punkten.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Bislang gibt es nur zwei spezielle Ausnahmen, bei denen sich die Kurse nicht so schnell erholten.

  • Der Japan Crash von 1990. Der Nikkei verlor binnen Jahresfrist über 40 Prozent und stürzte das Land in eine der schlimmsten Krisen, von denen sich das Reich der aufgehenden Sonne bis heute nicht erholen konnte. Der Leitindex Nikkei dümpelt seitdem in einem Korridor zwischen 10.000 und 25.000 Punkten umher. Der Höchststand von knapp 40.000 Punkten wurde nie wieder erreicht.
  • Der Schwarze Donnerstag von 1929. Die Krise, ausgelöst durch den Zusammenbuch der New Yorker Börse, traf ausnahmslos alle Staaten weltweit, besonders aber die USA und Deutschland. Eine fatale Mischung aus Massenarbeitslosigkeit und Geldentwertung war die Folge. Es dauerte länger als ein Jahrzehnt, bis die Wirtschaft wieder in Schwung kam und die Kurse wieder kletterten.

Von der Weltwirtschaftskrise haben die Notenbanken aber gelernt und fluten die Märkte bei Krisen mit billigem Geld. Dadurch wollen sie Investitionsanreize schaffen. Ein Große Depression wie in den 1930er-Jahren ist aus diesem Grund heute eher unwahrscheinlich.

Fazit

Bei Börsenturbulenzen ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Wenn du in Panik verkaufst, musst du meist die bittersten Verluste verkraften. Je länger du hingegen locker bleibst und weiter fleißig und regelmäßig investierst, desto größer die Chance, dass du solche Krisen einfach aussitzt.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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