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Warum in Japan Car-Sharing-Wagen zum Schlafen gemietet werden

von Christoph Masurek

Seit einigen Jahren sind die zahlreichen Fahrzeuge der Car-Sharing-Anbieter aus dem Stadtbild vieler Metropolen nicht mehr wegzudenken. Sie versprechen dir eine bequeme und kostengünstige Alternative zum Öffentlichen Nahverkehr. Auch in Japan werden die Autos gerne gemietet, häufig jedoch keinen einzigen Kilometer bewegt. Stattdessen dienen sie vielen als mobile Schlafzimmer und Küchen. Aber warum?

Circa jeder achte Nutzer des Car-Sharing-Anbieters NTT Docomo Inc. hat im letzten Jahr einen Wagen gemietet, ohne ihn zu bewegen, berichtet die Online-Ausgabe der japanischen Zeitung Ashai Shimbun. Anfangs wunderten sich die Dienstleister über das merkwürdige Verhalten ihrer Kunden und waren ratlos: was machen sie in den Autos, wenn sie nicht damit fahren?

Das etwas andere stille Örtchen

Daraufhin begann der größte Marktteilnehmer Times24 Co. seine Kunden zu befragen und erhielt dabei erstaunliche Antworten. Einige nutzen die Fahrzeuge regelmäßig als Arbeitsplatz, Speiseraum oder für kurze Nickerchen. In den dichten Großstädten sei es nun einmal einfacher einen Mietwagen zu finden als einen ruhigen Platz zum Essen oder Telefonieren.

Außerdem ist Car-Sharing in Japan relativ günstig, wenn man nicht mit den Autos fährt. Im Gegensatz zu den meisten europäischen Anbietern gibt es zwar eine Grundpauschale für die Miete, die sich aber nicht über die Anzahl der gemieteten Minuten erhöht, sondern über die Reichweite der zurückgelegten Kilometer. Der Grund dafür sind die zahlreichen Staus, die das Angebot sonst unattraktiv machen würden. Für die Mietzeit einer halben Stunde werden also so nur 400 Yen fällig, das sind umgerechnet etwas weniger als 3,50 Euro.

Zurückhaltende Freude

Die Dienstleister reagieren auf das Verhalten ihrer Kunden mit gemischten Gefühlen. Einerseits freuen sie sich über das große Interesse an ihrem Angebot, andererseits merken sie an, dass durch das Blockieren der Fahrzeuge ihre eigentliche Dienstleistung nicht mehr durchgeführt werden kann. Das stört sie selbstverständlich weitaus weniger, als die entgangenen Kosten, die durch das Blockieren der Fahrzeuge verursacht werden. Darüber hinaus entstehen Umweltschäden, wenn Nutzer den Motor des Wagens laufen lassen, um zum Beispiel Gebrauch von der Klimaanlage zu machen.

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Christoph Masurek
Christoph Masurek
Christoph studiert Politikwissenschaften in Wien und sucht noch immer vergeblich nach der Geschäftsidee, die sein Leben sowohl erleichtert als auch bereichert.

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