Geld oder Liebe

Warum ich keine Lust habe, einen Millionär zu heiraten

von Carola Tunk

Wenn er mehr als 999 Tausend auf dem Konto hat, kann er den Ring gleich wieder einpacken.

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Sein Geld ist auch mein Geld?

Wer einmal mit seinem Partner zusammengelebt hat, weiß, dass strikte Gütertrennung utopisch ist. Angefangen mit der Sushi-Bestellung, die ein bisschen ausgeartet ist, zahlt er kurz darauf den Kurztrip nach Sylt und die dort dringend benötigten Regenstiefel. Nach sieben Jahren Ehe schickt der Zahnarzt die Rechnung für dein Implantat direkt an ihn. Wenn ich mich nicht aushalten lassen will, brauche ich ein eigenes Vermögen.

2
Stolz und Vorurteil

Der Wissenschaftler Marc Goñi hat den Heiratsmarkt der britischen Adeligen im 19. Jahrhundert mit dem von heute verglichen. So fuhren die Adeligen zweimal im Jahr von ihren Landgütern in die Hauptstadt zur "London Season". Die Bälle hatten nur einen Zweck: Einen standesgemäßen Partner zu finden. Die exklusiven Gesellschaften wurden erst verboten als bekannt wurde, dass sich Nicht-Adelige eingeschlichen hatten. Ähnlich verhält es sich heute auf Events der "oberen Zehntausend", also den Menschen, die zusammen so viel besitzen wie der Rest einer Gesellschaft. Man feiert unter Gleichen, um unter Gleichen zu bleiben. Offensichtlich haben wir aus Jane Austen's Geschichten nicht gelernt, dass wir andere Ziele haben sollten, als gut (im Sinne von das eigene Vermögen aufzuwerten) zu heiraten. Könnte nicht schaden, sie nochmal zu lesen.

3
Ärger im Paradies

Für ihn wäre die Heirat eines Mittelschicht-Mädchens nicht gerade der Deal seines Lebens. Muss also Liebe sein. Und hier liegt das Problem: Sobald die erste große Krise ansteht, hinterfragt er nur seine Gefühle. Ich würde emotionale UND rationale Fragen stellen. Liebe ich ihn noch? Möchte ich auf den Lebensstandard, den wir dank seiner Millionen haben, wirklich verzichten?

4
Die kleinen Dinge

Mein erster Freund hat gewettet. Zu viel und zu hoch. Mit Ende 20 hatte er nichts und gab sein kleines Einkommen, das ihm abzüglich der Schulden blieb am liebsten auf Parties aus. Mal mit mir essen zu gehen, war für ihn eine Entscheidung von staatstragender Bedeutung: Den Samstagabend mit dem Kumpels verbringen oder mit mir zum Italiener gehen. Dass ich zahle, kam nicht in Frage. Auch wenn an der Beziehung 90 Prozent scheiße war: Zu den Momenten, an die ich mich gern erinnere, gehören die Samstagabende, an denen er für uns Pasta al Pomodoro für unter 5 Euro gekocht hat.

5
Bis in alle Ewigkeit?

So lange die Millionen auf seinem Konto liegen oder er sie für sich ausgibt, habe ich nichts davon, einen Millionär geheiratet zu haben. Aber auch ausgeben kann der Millionär sein Geld nur für käufliche Dinge. Und alles, was käuflich ist, ist vergänglich. Warum soll ich jemanden heiraten, der mir Vergänglichkeit bietet?

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