Geldentscheidungen

Warum die Google-Aktie in keinem Tech-Fonds zu finden ist

von Malte Dreher

Wer bestimmt, wie riskant mein Fonds ist? Warum schlägt kein Technologiefonds die Google-Aktie? Wer zahlt die höchsten Dividenden? Der Kapitalmarkt- und Anlageexperte Malte Dreher beantwortet jeden Donnerstag drei Fragen.

Wer bestimmt, wie riskant mein Fonds ist?

Die Antwort ist keine wirkliche Überraschung – natürlich die EU. Sie hat den synthetischen Risiko-Ertrags-Indikator erfunden, auf Englisch „Synthetic Risk and Reward Indicator“ oder kurz SRRI. Diese seit 2011 für alle Fonds verbindliche Kennzahl soll Anleger auf einen Blick erkennen lassen, welche Risiken sie beim Kauf eingehen. Mit dem Ertrag eines Fonds, wie es der Name suggeriert, hat der SRRI allerdings gar nichts zu tun. Er errechnet sich nämlich aus den Schwankungen des jeweiligen Fonds, der sogenannten Volatilität. Oder anders ausgedrückt: Je stärker der Fondspreis in der Vergangenheit auf das Auf und Ab der Börsen reagiert hat, desto höher der SRRI. Insgesamt gibt es sieben Risikoklassen, die Einteilung reicht dabei von Klasse 1 (die Volatilität lag in den vorangegangenen fünf Jahren zwischen 0,0 und 0,5 Prozent) bis Klasse 7 (25 Prozent Volatilität oder mehr)

Als erste grobe Hilfestellung bei der Fondsauswahl mag der SRRI durchaus seinen Zweck erfüllen. Er hat jedoch seine Tücken. Denn zum einen kann sich das Risiko in der Zukunft selbstverständlich erhöhen. Ein Aktienfonds, der nach einem mehrjährigen Aufschwung am Aktienmarkt der Risikoklasse 4 zugeordnet wird, kann sich nach einem kräftigen Einbruch ganz schnell in der Klasse 5 oder 6 wiederfinden. Zum anderen suggeriert die Risikoklasse 1 gerade im aktuellen Nullzins-Umfeld eine Schein-Sicherheit: Ein entsprechend klassifizierter Fonds durchleidet zwar keine oder kaum Schwankungen, erzielt aber auch keinen Gewinn. Im Gegenteil, durch die laufenden Kosten und die Inflation verliert der Anleger im Laufe der Jahre Geld.

Problematisch wird es, wenn Berater oder auch Direktbanken sich aus Angst vor Haftungsrisiken allzu sklavisch am SRRI orientieren. Dann landen unter Umständen auch bei sehr langfristig ausgerichteten Anlegern ausschließlich Fonds der Risikoklassen 1 bis 3 im Depot, obwohl dieser Zielgruppe zwischenzeitliche Schwankungen im Prinzip nichts anhaben können. Ein guter Berater hingegen spricht die Unzulänglichkeiten des SRRI bei seinen Kunden aktiv an.

Warum schlägt kein Technologiefonds die Google-Aktie?

Internet-Gigant Google feierte am 4. September 2018 seinen 20. Geburtstag. Seit dem 19. August 2004 wird die Google-Aktie – mittlerweile unter dem Namen der Muttergesellschaft Alphabet – an der Börse gehandelt. Anleger, die gleich am ersten Tag zugriffen, erzielten in nur 14 Jahren ein Plus von knapp 2.500 Prozent. Aus 10.000 Euro wurden so 260.000 Euro. Glückwunsch, liebe Google-Aktionäre!

DAS INVESTMENT hat ganz aktuell ausgerechnet, was auf Technologiefirmen spezialisierte Aktienfonds im gleichen Zeitraum für Gewinne erzielten. Der Spitzenreiter Vitruvius Growth Opportunities kommt dabei auf ein Plus von 478 Prozent. Auch nicht schlecht – aber im Vergleich zu Google trotzdem ein Stück weit enttäuschend. Hätten die Fondsmanager nicht große Teile des ihnen anvertrauten Vermögens auf Google setzen und auch noch ein paar Stücke der ähnlich gut gelaufenen Amazon- und Apple-Aktie beimischen können?

Hätten sie nicht. Der Gesetzgeber schreibt Fondsmanagern vor, dass eine einzelne Aktie in ihrem Portfolio maximal eine Größe von 10 Prozent erreichen darf. Alle Positionen über 5 Prozent dürfen zudem in der Summe nicht mehr als 40 Prozent des Gesamtportfolios ausmachen. Zwei Regeln, die das Gewinnpotenzial beschränken – aber auch das Risiko. Denn natürlich konnte 2004 niemand ahnen, dass Google in so kurzer Zeit zu einem Weltunternehmen heranreifen würde. Schließlich hatte die nur wenige Jahre zuvor geplatzte Internet-Blase an den Aktienmärkten junge, aufstrebende Technologie-Unternehmen gleich reihenweise in die Pleite getrieben. In diesem Fall wären aus 10.000 Euro null Euro geworden. Und verglichen damit sind 57.800 Euro, die Vitruvius-Kunden heute auf ihrem Konto haben, doch gar nicht mal so schlecht.

Wer zahlt die höchsten Dividenden?

„Dividenden sind die neuen Zinsen“ – diesen Satz hört man häufig, seit viele festverzinsliche Wertpapiere so gut wie keinen Ertrag mehr bringen. Er führt allerdings in die Irre, denn zwischen Zinsen und Dividenden gibt es einen fundamentalen Unterschied. Eine Anleihe, die beispielsweise mit einem Zinskupon von 4 Prozent an den Markt gebracht wurde, verzinst sich bis zum Ende der Laufzeit Jahr für Jahr mit 4 Prozent. Vorausgesetzt natürlich, der Schuldner geht nicht Pleite.

Eine Dividende wiederum bezeichnet den Geldbetrag, den eine Aktiengesellschaft aus ihren Gewinnen an die Anteilseigner ausschüttet. Dieser Betrag kann von Jahr zu Jahr variieren und in manchen Jahren auch einmal ganz ausfallen. Die mit einem Zins vergleichbare Dividendenrendite ergibt sich in Relation zum Aktienkurs: Notiert eine Aktie bei 50 Euro und schüttet die dahinter stehende Gesellschaft pro Anteil 2,50 Euro aus, beträgt die Dividendenrendite 5 Prozent.

Trotz aller Unsicherheit: Manche Unternehmen sind als äußerst zuverlässige Dividendenzahler bekannt. Zum Beispiel der deutsche Medizintechnik-Konzern Fresenius, der seine Dividende seit 25 Jahren kontinuierlich erhöht. Mit derzeit 1,1 Prozent (Stand Mai 2018) fällt diese allerdings im Vergleich zu den üppigen Kursgewinnen der vergangenen fünf Jahre (knapp 120 Prozent) recht bescheiden aus. Was aber in der Gesamtbetrachtung sicher keinen Fresenius-Aktionär gestört hat.

Die weltweit fleißigsten Dividendenzahlern im zweiten Quartal 2018 waren Nestlé, Daimler und Samsung, die zusammengenommen 14,6 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütteten. Mit 6,5 Prozent weist Daimler auch die höchste Dividendenrendite aus den Top-Ten dieser Rangliste auf.

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Malte Dreher
Malte Dreher

Malte Dreher (Jahrgang 1973) ist Herausgeber von zwei Finanzmagazinen: Das „private banking magazins“ und „DAS INVESTMENT“ werden in Hamburg verlegt und von 40.000 Finanzprofis gelesen. Er studierte Germanistik, Geschichte und politische Wissenschaft in Heidelberg und Köln. Heute lebt er mit seiner Frau und sechs Kindern in Hamburg. Für ZASTER beantwortet er jeden Donnerstag Fragen zu Kapitalmarkt- und Anlegerthemen in der Rubrik „Drei Fragen an ... Malte Dreher“.

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