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Simple Formel

Ab wann hast du ausgesorgt?

von Nils Matthiesen

Stelle dir vor, du bist finanziell unabhängig und kannst tun und lassen, was du willst. Aber wann ist dieser Punkt erreicht?

Als Kind musstest du stets deine Eltern fragen, wenn du etwas haben wolltest. Sie konnten es dir dann einfach kaufen, zu einem bestimmten Anlass schenken oder das Taschengeld erhöhen. Mit dem ersten Job wurde diese finanzielle Unterstützung dann (hoffentlich) obsolet und du bist in die erste finanziell unabhängige Phase deines Lebens eingetreten. Das bedeutet, dass du deine finanziellen Verpflichtungen ohne elterliche Hilfe erfüllen kannst. Das sollte dir früher oder später auf jeden Fall gelingen.

Ziel: finanzielle Unabhängigkeit

Wie erlangst du in deinem späteren Leben aber „echte“ finanzielle Freiheit. Also in der Form, dass du dir zum Beispiel vom Chef nicht alles bieten lassen musst und einfach kündigen kannst. Oder du kannst wieder zur Uni gehen, wenn du dich weiterbilden willst oder einer Arbeit nachgehen, die dich persönlich erfüllt. Und wenn du irgendwann mal früher in Rente gehen willst, musst du nicht so lange arbeiten, bis du umfällst. Sprich: Wann hast du ausgesorgt? Die typischen Antworten auf diese Frage fallen sehr unterschiedlich aus. Die einen werden sagen, du brauchst X Millionen auf dem Konto. Die anderen bleiben eher wage und erklären, dass es von deinen Ansprüchen abhängt. Noch weiter in die richtige Richtung geht dagegen folgende Formel: Nimm deine jährlichen Ausgaben und multiplizieren diese mit einem Wert zwischen 20 und 50. Der bekannte US-Finanzblogger Mr. Money Mustache empfiehlt den Wert 25, woraus sich seine populäre 4-Prozent-Regel ableitet.

Eine Beispielrechnung: Du verdienst 30.000 Euro netto. Mal 25 macht das 750.000 Euro. Wenn Du deinen Lebensstandard also halten willst, sind 750.000 Euro deine magische Zahl, ab der du ausgesorgt hast.

Die 4 Prozent-Regel

Warum? Mr. Money Mustache geht davon aus, dass du den Großteil deines Vermögens in Aktien und andere rentable Anlageprodukte gesteckt hast. Damit solltest du durch Dividenden und Kurssteigerungen dein Vermögen jährlich um 7 Prozent steigern können, so die Rechnung. Abzüglich Inflation bleiben dann 4 Prozent übrig. Demnach würdest du im Beispiel 30.000 Euro pro Jahr zur Verfügung haben.

Das Modell ist zweifellos angreifbar. Denn schließlich steigen und fallen Aktien stetig, mal mehr, mal weniger. Und es gab immer wieder heftige Kursstürze, etwa durch die Finanzkrise oder Kriege. Und was passiert, wenn du in einer Zeit niedriger Aktienkurse auf einmal keine Lust auf Arbeit mehr hast? Dazu gibt es eine interessante Studie. Die Macher untersuchten, was einer hypothetischen Person passiert wäre, die zwischen 1925-1955 30 Jahre im Ruhestand verbrachte. Dann 1926-1956, 1927-1957 und so weiter. Sie packten diesem imaginären Rentner eine Mischung aus 50 Prozent Aktien und 50 Prozent US-Staatsanleihen ins Depot, also eine ausgewogene Mischung. Dann zwangen sie den Rentner, jedes Jahr einen immer größeren Teil seines Portfolios auszugeben, beginnend mit einem anfänglichen Prozentsatz, der sich dann automatisch an die Inflation anpasste. Unterm Strich kam heraus, dass eine Rendite von 4 Prozent tatsächlich nur im schlechtesten Fall heraussprang. In vielen Jahren hätten Rentner jedes Jahr 5 Prozent oder mehr ihrer Ersparnisse ausgeben können und dennoch ihr Vermögen vergrößern können.

Fazit

Niemand kann in die Zukunft schauen und Geschichte muss sich nicht zwangsläufig wiederholen. Nichts desto trotz bietet die 4 Prozent-Regel einen guten Anhaltspunkt dafür, was du ansparen musst, um finanziell ausgesorgt zu haben.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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