Kanadische Eishockeygeschichte. Die große Leidenschaft meines Opas. Eine Leidenschaft, die, so meinte mein Großvater direkt bei meiner Geburt, auch die meine werden sollte. Diskussion zwecklos. Ein anständiger kanadischer Junge hat selbstverständlich auch Eishockey zu spielen, zu lieben. Opa war es, der mir die ersten Schlittschuhe anzog. Sobald ich mich auf diesen einigermaßen sicher bewegen konnte, drückte er mir Puck und Schläger in die Hand. Zu meinem sechsten Geburtstag erhielt ich von ihm die Mitgliedschaft im North Shore Winter Club geschenkt, der heimischen Eishockeymannschaft.

Von nun an bekam ich jeden Geburtstag entweder Schlittschuhe, Eishockeyschläger, Karten für sein Lieblingsteam (und damit dann auch meines) Vancouver Cannucks und andere Utensilien geschenkt, die irgendwie mit Eishockey zusammenhingen. Das zweite Geschenk drehte sich immer um die Geschichte Kanadas. Meist waren dies Bücher, Landkarten, Bilder – Dinge, die mein Opa irgendwo erstanden hatte. Ich war sein gelebter Bildungsauftrag. Noch heute erinnere ich mich an die unzähligen Anekdoten, die mein Großvater stets zum Besten gab. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass mein Opa sein Kanada seeeeeeeehr liebte.

Zeitraffer. Es war inzwischen der Tag meines 16. Geburtstags gekommen. Dieses Mal fiel mein Geburtstag auf einen Spieltag, ein Lokalderby war angesetzt. Der besonders verhasste, übermächtig scheinende Gegner verdarb mir gehörig die Laune. Ich nörgelte deshalb schon Tage vor dem Spiel herum, war der festen Überzeugung, dass die gegnerische Mannschaft mir meinen Geburtstag vermiesen würde. Als Torhüter meines Teams war ohnehin schon klar, wer bei einer Niederlage Schuld war. Nämlich ich. Feldspieler hingegen sind in der glücklichen Lage, sich irgendwie herausreden zu können. Sie hätten zu wenig Möglichkeiten gehabt, die Deckung war zu stark, das Eis zu glatt und so weiter und so fort. Als Torhüter aber hältst du den Puck. Oder eben nicht.

Opa insistierte, wie Opas das nun einmal machen. Dies sei die absolut falsche Einstellung für ein Derby und vor allem für meinen Geburtstag. Um mich aus meiner Miesepetrigkeit zu locken, versprach er mir ein besonderes Geschenk, das ich nach dem Spiel erhalten würde. Ich müsse aber versprechen, mein Bestes zu geben. Versprochen!

Siehe da, tatsächlich gewannen wir das Eishockeyspiel mit einem Punkt Vorsprung. Knapp, aber immerhin. Der wahre Höhepunkt meines Geburtstages jedoch war das Präsent meines Opas.

Ja, ganz richtig erahnt, irgendwas mit Kanada. Er schenkte mir eine niegelnagelneue 2-Dollar-Note der Serie von 1986. Vorne Königin Elisabeth II, hinten Rotkehlchen, ein Traum in Terrakotta. Die Scheine werden schon lange nicht mehr gedruckt, können aber noch als Zahlungsmittel verwendet werden.

Aber zurück in die Vergangenheit. Da stand ich nun, glückselig – in der Hand ein Stück kanadische Geschichte. Opa schenkte mir diese besondere Note, für ein gutes Spiel und als ewige Erinnerung daran, woher ich komme. Damit ist er der Schein meines Lebens. Und wann immer ich zweifle oder miesepetrig werde, zücke ich die Banknote hervor, und die Welt ist wieder in Ordnung.