Neue Zaster-Serie

Von Legenden lernen: Teil 1: Waren Buffett

von Nils Matthiesen

Sie sind die Stars der Börse: Investoren und Hedgefonds-Manager, die mit speziellen Strategien Milliarden machten. Zaster stellt sie vor und erklärt, wie du von ihrem Wissen profitierst.

Erfolgreiche Geldanlage ist keine Raketenwissenschaft. Erprobte Anlagestrategien sind sogar ganz im Gegenteil oft besonders simpel. Börsen-Legenden leben vor, wie sich diese gewinnbringend umsetzen lassen. Warum solltest du auch versuchen, das Rad neu zu erfinden, wenn es doch Experten erfolgreiche Wege aufzeigen? Wenn du nur deine eigenen Ideen umsetzt und die Erkenntnisse der arrivierten Investoren ignorierst, steigt die Gefahr bekannte Fehler zu machen und dadurch viel Geld zu verlieren. Die Strategien der Meister zu nachzuahmen, ist dabei keine Schande. Es geht schließlich nicht darum, deren Depots 1:1 zu klonen, sondern vielmehr darum, Handlungen und Entscheidungen zu verstehen. Beim Sport hast du schließlich auch Vorbilder, oder? Nun mag der eine lieber Messi, der andere dafür Ronaldo – jeder hat seinen Lieblingsstil. Aus diesem Grund stellt dir Zaster in dieser Serie
die wichtigsten Börsengurus vor – einer der Ansätze wird sicher auch dich überzeugen.

Einer der Reichsten der Welt

Los geht es mit Waren Buffett, auch als "Orakel von Omaha" bekannt. Seine Investment-Holding Berkshire Hathaway, die mehrere Aktien in einem Wertpapier vereint, zählt seinerseits zu den 100 erfolgreichsten und sichersten Aktien der Welt. Laut aktuellem Forbes-Ranking belegt der 88-jährige mit einem Vermögen von rund 84 Milliarden US-Dollar Platz 3 der reichsten Menschen der Welt. Mehr Zaster haben nur Amazon-Boss Jeff Bezos und Microsoft-Gründer Bill Gates gescheffelt.

Schon als Kind fleißig

Buffet war schon zu Kindeszeiten ein ausgebuffter Geschäftsmann. So soll der kleine Warren um die Häuser gezogen und Cola vertickt haben. Die Flaschen kaufte er im Sixpack für 25 Cent und verlangte pro Flasche 5 Cent – und erzielte somit einen stolzen Gewinn von 20 Prozent. Der Legende nach strebt er seither bei allen seinen Geschäften solche Renditen an. Auch mit Aktien kam der junge Buffet in der Brokerfirma seines Vaters früh in Berührung.

Die Perfektionierung des Value-Ansatzes

Die Grundlage für seine spätere Milliarden-Gewinne war jedoch die Perfektionierung der sogenannten Value-Strategie. Darunter versteht man den Kauf hochwertiger Aktien, zu einem günstigen Preis. Entwickelt hat diese der Wirtschaftswissenschaftler Benjamin Graham. Dieser erschuf das geistige Fundament, sein Meisterschüler Buffett setzte die Erkenntnisse in die Praxis um. Er macht sich selbst zum Milliardär und vieler seiner Aktionäre zu Millionären. Die Entwicklung seiner Investitionen ist unglaublich: Seine Beteiligungsgesellschaft schlug in 41 vor 53 Jahren den amerikanischen Leitindex S&P 500. Insgesamt vermehrte sich in diesem Zeitraum das eingesetzte Kapital um sagenhafte 19,1 Prozent pro Jahr (S&P 500 = 9,9 Prozent). Wie hat er das nur geschafft?

Zuwachs durch BlueChips

Sein Geheimnis wirkt erfrischend unspektakulär. Buffett investiert vorrangig in etablierte Unternehmen, mit einer starken, gefestigten Marktposition. Er zeichnet gerne das Bild von Burgen mit für die Konkurrenz unüberwindbaren Burggräben. „Das Wichtigste ist für mich, dass ich herausfinde, wie breit der Wassergraben um das Unternehmen ist. Am liebsten sind mir natürlich eine große Burg und ein breiter Graben mit Piranhas und Krokodilen“, so Buffett. Er meint damit Faktoren wie große Wettbewerbsvorteile (etwa durch Marken und Patente), Marktführerschaft, Verlässlichkeit und Größenvorteile. Typische Vertreter dieser Gruppe, die Buffet aktuell im Depot hat, sind Coca-Cola, American Express, Kraft Heinz, Apple und Procter & Gamble.

Disziplin als Erfolgsfaktor

Die Kunst, solche Perlen zu entdecken (bevor es die meisten anderen tun), ist neben einem guten Riecher eine ausführliche Analyse. Dabei kommen typischer Weise Kennzahlen wie das KGV (das Kurs-Gewinn-Verhältnis) auf den Prüfstand, das für den Value-Ansatz eine besonders wichtige Rolle spielt. Ein niedriger KGV-Wert ist ein Indiz für mögliche Unterbewertungen. Neben der Fähigkeit gute Titel zu erkennen, sind laut Buffet aber noch zwei weitere Eigenschaften wichtig: Geduld und langer Atem. Bis sich eine Anlage gut entwickelt, kann es Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern. Ein Value-Investor spekuliere nicht an der Börse, sondern er investiere. Kurzfristige Kursschwankungen gelte es zu ignorieren und stattdessen das Große und Ganze im Auge zu behalten. Das erfordere bisweilen starke Nerven – vor allem dann, wenn die Börse mal wieder in die Tiefe rauscht. „Wir brauchen nicht schlauer zu sein als der Rest; wir müssen disziplinierter sein als der Rest”, unterstreicht Buffett.

Erfolgreich und bescheiden

Diese Disziplin zeigt Buffett auch in anderen Lebensbereichen. Sein unfassbares Vermögen hat er persönlich nie angetastet. Als Geschäftsführer von Berkshire Hathaway zahlt er sich selbst ein Geschäftsführer-Gehalt von bescheidenen 100.000 US-Dollar pro Jahr, Boni gibt es nicht. Den größten Teil seines Vermögens hat Buffet gemeinnützigen Zwecken gestiftet beziehungsweise versprochen. Er ist nicht nur eine Börsen-Legende, sondern auch menschlich ein Vorbild.

Zaster-Buchtipp: „Alles, was Sie über Warren Buffett wissen müssen" (14,99 Euro), von Rolf Morrien und Heinz Vinkelau. Beschreibt auf 100 Seiten alles Wesentliche, was du sonst noch über den "größten Investor aller Zeiten" wissen musst.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen

Nils ist Journalist sowie Texter und beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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