Superdiscounter kommt nach Deutschland

Was steckt hinter dem russischen Aldi-Klon Torgservis?

von Anton Kleihues

Preise von Discountern werden nach diesen News wohl noch weiter gedrückt. Aldi und Lidl bekommen mit Torgservis neue Konkurrenz. In Leipzig eröffnete nun die erste Filiale.

Für Verbraucher eine gute Nachricht, für Mitarbeiter in der Lebensmittelindustrie nicht unbedingt: Mit dem russischen Discounter Torgservis wird sich der Preisdruck weiter erhöhen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisierte den Einstieg von Torgservis in Deutschland vor dem Hintergrund, dass sich durch die zusätzliche Konkurrenz der Druck auf die Discounter und deren Mitarbeiter noch weiter erhöhe. Torgservis tritt mit dem Versprechen an, die ohnehin bereits vergleichsweise niedrigen Lebensmittelpreise der Discounter bei weitem zu unterbieten. Die Abwärtsspirale der Lebensmittelqualität und Beschäftigungsqualität der Mitarbeiter ist vorgezeichnet.

Aggressive Expansionsstrategie

Würde es nur bei der einen Filiale bleiben, wäre das kein großes Problem. Doch die Firma Torgservis, die 2009 gegründet worden war, ist für eine aggressive Expansionsstrategie bekannt. Obwohl man sich nach außen bescheiden und zurückhaltend gibt, ist die Zahl von 928 Filialen in Osteuropa und Asien beeindruckend. Wer innerhalb von 9 Jahren so schnell expandieren konnte, wird es auch in Deutschland nicht bei einer Filiale belassen. Experten rechnen mit einer schnellen Expansion überall in Ostdeutschland. Vor dieser Entwicklung sollten sich die in Deutschland etablierten Discounter fürchten. Denn Torgservis zeigt den Preiswettkampf bereits mit der am Dienstag in Leipzig eröffneten Filiale. Ironie des Schicksals: Diese befindet sich ausgerechnet in einer alten Aldi-Filiale.

„Jeden Tag nur Tiefstpreise“

Zum sibirischen Winter gesellt sich nun also auch die aus Sibirien stammende Supermarktkette nach Deutschland. Gegründet wurde Torgservis nämlich in der Großstadt Krasnojarsk. Das Konzept wie bei Discountern eben üblich: „Jeden Tag nur Tiefstpreise“. Besonders Basisprodukte wie Milch oder Wasser sollen dabei noch einmal billiger sein als bei den deutschen Discounter-Riesen. Dabei soll dann auch die spärliche Ausstattung bestehend aus Schwerlastregalen, Gitterboxen und Wühltischen nicht stören. Auf den hellen Fliesen stehen unter Neonlicht Paletten mit Warenkartons. Auf 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche wird die puristische Einrichtung des Marktes durch gebrauchte Einkaufswagen ergänzt. Wo möglich, wird gespart.

Konzept nicht erfolgversprechend

Zuletzt hat das Unternehmen große Expansionspläne verkündet: Rumänien, Weißrussland, Tschechien und eben auch Deutschland sollen erschlossen werden. An Deutschland haben sich auch schon andere Kaliber die Zähne ausgebissen. Grund für Ostdeutschland als Ort um in Deutschland Fuß zu fassen ist wohl, dass Ladenflächen dort viel preiswerter sind als im Süden oder Westen Deutschlands. Experten gehen allerdings davon aus, dass das Konzept so wirklich Erfolg haben wird. Um wirklich Preiskämpfe betreiben zu können, ist die Masse sehr wichtig. Selbst 100 Filialen könnten zu wenig sein. Den Markteintritt in Deutschland haben auch andere, vielversprechendere Anbieter nicht geschafft. Sowohl Wal Mart aus den USA als auch Intermarché aus Frankreich zogen sich nach heftigen Pleiten kleinlaut zurück.

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