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Verkaufsstrategie Liebe

Tinder – ein Akt des Erfolgs

von Christoph Masurek

Die Dating-App hat inzwischen mehr als fünf Millionen zahlende Nutzer. Der Erfolg der Plattform begründet offenbar auch auf dynamischen Preisen. Bei Premium-Mitgliedschaften variieren die Kosten erheblich, wie unsere ZASTER-Redakteure selbst erfahren haben.

Die Nutzeroberfläche der Dating-App Tinder erinnert in ihrer Optik an ein simples Handyspiel. Um den potenziellen Partner kennenzulernen (oder neudeutsch "zu matchen"), werden Profile bei Interesse nach rechts, wenn nicht, nach links gewischt. Erst wenn dich auch dein Gegenüber reizend findet und nach rechts wischt, also "matcht", eröffnet sich ein Chat, damit man miteinander in Kontakt treten kann.

Neben der einfachen Handhabung liegt der Erfolg von Tinder im Geschäftsmodell. Während konkurrierende Datingplattformen bereits bei der Registrierung hohe Preise für ihre Nutzung verlangen, ist die Basis-Version von Tinder kostenlos. Gebührenpflichtig sind nur Premiumpakete wie "Tinder Gold" oder "Tinder Plus", die eine erhöhte Sichtbarkeit des eigenen Profils gewährleisten oder bereits vor dem Wischen anzeigen, wer einen mag.

Dynamische Preisgestaltung

Doch die Kosten für den zusätzlichen Service variieren – und zwar deutlich! Bei unseren beiden ZASTER-Redakteuren wird "Tinder Gold" im sechsmonatigen Abonnement zu zwei völlig verschiedenen Preisen angeboten: Während die weibliche Kollegin (31) rund 98,99 Euro zahlen soll, wird dem männlichem Kollegen (23) das Paket für nur 57,99 Euro angeboten. Inwiefern das Alter, das Geschlecht oder die Nutzungsintensität ausschlaggebend für die Gestaltung des Preises sind, bleibt intransparent. Auf ZASTER-Anfrage erklärt ein Sprecher von Tinder:

"Wir betreiben ein globales Unternehmen und nutzen eine dynamische Preisstruktur, die mehrere Preisstufen umfasst und je nach Region, Abonnementlaufzeit, aktuellen In-App-Promotions und mehr variiert."

Der Verdacht liegt also nah, dass Tinder den Preis ans Alter anpasst, getreu der Haltung: Wer sich mit Anfang 30 verlieben möchte, neigt eher dazu, Geld fürs Dating zu bezahlen. Im Zweifel findet man die Liebe seines Lebens – oder hat durchschnittlich einfach mehr Geld zur Verfügung.

Auf dem linken Handy wird Tinder Gold für 98,99 Euro angeboten, auf dem rechten für 57,99 Euro.
Auf dem linken Handy wird Tinder Gold für 98,99 Euro angeboten, auf dem rechten für 57,99 Euro. © ZASTER

Spiel mit der Liebe

In einem Artikel der New York Times vergleicht der Autor Jonah Engel Bromwich Tinder mit den zahlreichen Gaming-Apps, deren unternehmerisches Konzept ebenfalls auf In-App-Einkäufen beruht. Während du beispielsweise in dem Strategie- und Aufbauspiel "Clash of Clans" die digitale Währung "Gems" für echtes Geld kaufen kannst, hast du bei Tinder die Möglichkeit, "Superlikes" zu erwerben.

Doch nicht nur Tinder hat sich das Erfolgsrezept der Gaming-Apps zu Eigen gemacht. Bis 2015 dominierten Spiele das Ranking der zehn umsatzstärksten Apps im Appstore, so das Data-Analyse-Unternehmen SensorTower. Erst 2016 stieß Spotify mit seinem Abo-Modell hinzu. Heute, im zweiten Quartal 2019, sind mittlerweile vier Anwendungen unter den Top 10 vertreten, die keine Spiele sind: Tinder, Netflix, YouTube und Tencent Video. Die sogenannte "Freemium"-Spiele haben letztlich den Weg für die Abo-Modelle großer Unternehmen geebnet.

Eindrucksvolle Dating-Bilanz

Die Einführung der Premium-Angebote im Jahr 2017 haben sich für Tinder gelohnt. Mittlerweile zahlen mehr als fünf Millionen Menschen weltweit für ein Abo bei Tinder. Allein im letzten Quartal sind 500.000 neue zahlende Kunden dazugekommen, verkündete das 2012 gegründete Unternehmen diese Woche.

Tinder ist Teil der amerikanischen Match-Group, die sich auf Datingplattformen spezialisiert hat. Auch OkCupid, PlentyOfFish und Match.com gehören zum börsennotierten Unternehmen, das mit seinen Diensten inzwischen weltweit mehr als 80 Millionen Nutzer erreicht. 2018 machte die Gruppe einen Gewinn von 478 Millionen US-Dollar.

ein Artikel von
Christoph Masurek
Christoph Masurek
Christoph studiert Politikwissenschaften in Wien und sucht noch immer vergeblich nach der Geschäftsidee, die sein Leben sowohl erleichtert als auch bereichert.

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