Die Deutschen kaufen auf Pump!

Worauf ihr beim Dispokredit unbedingt achten solltet

von Emina Benalia

Geschenke, Deko, Essen – sparsam sind die Deutschen an Weihnachten nicht! Dass der Dispokredit dabei schnell zur Kostenfalle wird, ahnen nur die wenigsten. ZASTER klärt auf, worauf die Verbraucher beim Kauf auf Pump achten sollten.

Geschenke für die Familie, Essen gehen mit Freunden und sich selbst zum Fest auch mal was gönnen. Ach ja, die selige Weihnachtszeit – kaum ein anderes Fest lockt so sehr zum Geldausgeben. Und auch das Gewissen, das normalerweise vor zu hohen Ausgaben warnt, scheint in der Zeit zu schweigen.

Darauf deutet zumindest das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Meinungsinstitus YouGov im Auftrag des Kreditportals Smava hin. Demnach will die Mehrheit der Befragten (69 %) in diesem Jahr nicht sparen und plant über die Feiertage Ausgaben in Höhe von bis zu 1000 Euro. 13,8 Millionen Verbraucher gehen davon aus, diese Ausgaben per Dispokredit - also durch Überziehen ihres Girokontos – zu finanzieren. Weitere 12,5 Millionen schließen eine Disponutzung nicht grundsätzlich aus. Dass bei einer Finanzierung im Schnitt 8,35 Prozent Zinsen fällig werden, wissen nur die wenigsten (5 %).

Einkauf auf Pump – lohnt es sich wirklich? Oder droht eine Dauerverschuldung? Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale NRW beantwortet für ZASTER die wichtigsten Fragen.

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Was sind die Risiken des Dispokredits?

Das Hauptargument gegen die Nutzung des Dispositionskredits sind die damit verbundenen Kosten. Der Zinssatz ist oft höher als etwa bei Ratenkrediten und variabel. Oft zahlen die Verbraucher mehr als 8 Prozent Sollzinsen. Bei vielen Instituten ist der Zinssatz sogar zweistellig. Noch teurer wird es, wenn man den Rahmen des Dispokredits nicht nur ausnutzt, sondern sogar überschreitet – und den noch teureren Überziehungszins zahlen muss.

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Worauf sollte der Verbraucher bei Dispokrediten achten?

Verbraucher sollten beachten, dass es beim Dispo keine vereinbarte Rückführung mit dem Institut gibt, im Gegensatz zu Raten- oder Rahmenkrediten. Der Verbraucher muss also in Eigenregie entscheiden, ob und wann er mit der Rückführung beginnt und wie er diese organisiert. Diese Selbstdisziplin hat nicht jeder.

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Gibt es Argumente für den Dispokredit?

Es spricht nichts dagegen, den Dispokredit für eine kurzfristige Überbrückung zu nutzen. Wenn beispielsweise am 26. eines Monats die Waschmaschine kaputtgeht oder eine Autoreparatur ansteht, muss man nicht auf einen Ratenkredit ausweichen, wenn ein paar Tage später das neue Gehalt kommt oder Geld des Festgeldkontos umgebucht werden kann.

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Wie können sich die Verbraucher über die Zinsen informieren?

Im Internet gibt es verschiedene Online-Vergleichstabellen für Dispozinsen. Es empfiehlt sich, verschiedene Portale zu nutzen, um ein Gefühl für die Preise und einen Überblick über Konkurrenzangebote zu bekommen.

Allerdings verschaffen diese nur eine grobe Übersicht. Denn erst einmal gilt der Zinssatz für den Dispositionskredit bei der eigenen Hausbank bzw. Haussparkasse. Für die wenigsten ist die Höhe des Dispos wohl Grund genug für einen Wechsel des Kreditinstituts. Denn bestenfalls entscheidet man sich für ein bestimmtes Girokonto aus einem Bündel von Gründen: monatliche Grundkosten, Online-Banking-Verfahren oder Nähe zur nächsten Filiale. Was die wichtigsten Kriterien für ein Girokonto sind, lest ihr in unserem großen Ratgeber.

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Warum ist der Dispokredit trotzdem so beliebt?

Dispokredite sind schlicht einfach und bequem. Man muss nicht beim Kreditinstitut vorsprechen und – mit ungewissem Ausgang – einen Ratenkredit beantragen. Man muss auch nicht alternativ Familie, Verwandte oder Freunde fragen, ob sie kurz finanziell aushelfen können. Wenn der Dispo eingeräumt ist, muss man sich in der Regel auch nicht mit dem Thema Sicherheiten befassen.

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Welche risikoärmeren Alternativen zum Dispokredit gibt es?

Eine Alternative wäre ein Ratenkredit. Der Kreditnehmer bekommt die vereinbarte Summe ausbezahlt. Über einen vertraglich festgelegten Zeitraum zahlt er eine monatliche Rate bei einem festen Zins.

Eine andere Alternative ist der Rahmenkredit. Hier gibt es, ähnlich wie beim Dispo, eine Kreditlinie, die der Verbraucher in Anspruch nehmen darf. Zinsen zahlt man nur auf den in Anspruch genommenen Betrag – der Zins ist variabel. Im Unterschied zum Dispo gibt es aber meist einen bestimmten Mindestbetrag, der regelmäßig zurückbezahlt werden muss. So weiß man, dass man einen bestimmten Teil seiner monatlichen Finanzen für die Rückzahlung des Rahmenkredits benötigt. Der Zinssatz ist oft niedriger als beim Dispo, kann aber höher als beim Ratenkredit sein.

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Und das Fazit?

Auch wenn ein Dispokredit leicht und bequem ist, müssen sich die Kreditnehmer klar sein, dass sie sich gerade für eine teure Finanzierung entschieden haben. Schließlich ist der Dispo für Notfälle und vorübergehende Finanzengpässe gedacht, damit man unvorhergesehene Ausgaben kurzfristig zahlen kann. Wer den Dispo anderweitig nutzt hat ein zusätzliches Problem, wenn dann unerwartet ein Notfall eintritt.

ein Artikel von
Emina Benalia
Emina Benalia

"Wenn ich einmal reich wär", sang einst Anatevka in dem gleichnamigen Musical. Als Kind einer Musikwissenschaftlerin kannte Emina Benalia das Lied aus ihren Kindertagen. Viel mehr Wissen wurde ihr über Finanzen, Versicherungen und Geldanlagen zu Hause nicht vermittelt. Umso wichtiger ist es für sie, als ZASTER-Redakteurin diese Themen aufzuarbeiten und ihren Lesern verständlich zu vermittelt – sexy, fluffig, interessant, leidenschaftlich und informativ.

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