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2.000 Euro-Marke geknackt

Steigen die Smartphone-Preise jetzt ins Unermessliche?

von Nils Matthiesen

Vor wenigen Jahren waren 1.000 Euro für ein Smartphone utopisch – heute sind solche Preise nicht mehr außergewöhnlich. Geht es immer weiter nach oben?

Als Samsung vor Kurzem sein erstes faltbares Smartphone vorstellte, erntete es im fachkundigen Publikum viele "Ohs" und "Ahs". Als die Koreaner aber wenig später den anvisierten Preis des Galaxy Fold verkündeten, klappten einige Kiefer herunter und die Stimmung kippte. Rund 2.000 Euro soll das gute Stück kosten. Für das Falthandy Mate 20 X, das Mitte des Jahres auf den Markt kommt, ruft Huawei sogar 2.299 Euro auf. Die Ankündigungen treiben den Preis von High-End-Smartphones in ungeahnte Höhen – wieder einmal. Wie hoch sollen die Smartphone-Preise eigentlich noch steigen?

1.000-Euro-Grenze längst gefallen

Fakt ist: Die unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller (UVP) durchbrechen immer neue Mauern. Mit der Einführung des iPhone X wurde erstmals die 1.000-Euro-Grenze geknackt, inzwischen will Apple für das iPhone XS Max mit maximaler Speicherbestückung sogar 1.649 Euro haben. Mit dem Samsung Galaxy S10 Plus ist auch im Android-Markt die magische Grenze inzwischen gefallen. Das Topmodell Galaxy S10+ kostet mit 12 Gigabyte RAM und einem Terabyte Speicher offiziell sogar 1.499 Euro.

Was ist passiert? Es ist noch gar nicht so lange her, als wir für das neueste Smartphone der Spitzenklasse mittlere dreistellige Beträge auf den Tisch gelegt haben. Ein neues iPhone kostete zwischen 600 bis 700 Euro, die Android-Spitzenklasse folgte im gebührenden Abstand dahinter. Heutzutage verlangen nahezu alle Hersteller für ihre Premium-Smartphones mehr als 1.000 Euro. Dabei kamen die Preisanstiege nicht über Nacht, die neuen Spitzen-Smartphones – egal ob von Apple oder Samsung – wurden jedes Jahr ein wenig teurer. Mittlerweile testen selbst Huawei, Xiaomi und Honor, was preislich nach oben geht.

Smartphones generell teurer

Aber auch in der Breite müssen Käufer für Smartphones tiefer in die Tasche greifen. Lag der Durchschnittspreis pro Gerät 2018 noch bei 444 Euro (2018) erwartet die Bitkom in diesem Jahr schon 453 Euro. "Ob Einsteiger-Gerät oder Flaggschiff-Modell: Der Trend geht zu großflächigen und nahezu randlosen Displays. Die starke Nachfrage nach hochpreisigen Geräten mit Highend-Kameras treibt Umsätze und Durchschnittspreise“, so Hannes Ametsreiter, CEO von Vodafone.

Trendwende in Sicht

Gründe für die Entwicklung sind vielfältig. Viele dieser Preissprünge wurden anfangs durch Innovationen gerechtfertigt. Die Smartphones wurden immer schneller, die Kameras besser und die Bildschirme gleichzeitig größer und schärfer. Aber sind wir mal ehrlich: Was richtig Neues ist den Herstellern in den letzten Jahren nicht eingefallen, außer eben die Preise zu erhöhen. Die Käufer haben das Spiel lange mitgemacht. Nun scheint aber eine Trendwende in Sicht, der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung scheint mit dem Mate 20 X erst einmal erreicht.

iPhone-Verkäufe rückläufig

Apple hat etwa den Bogen überspannt. Die Geschäfte im zurückliegenden Weihnachtsgeschäft sind wesentlich schlechter gelaufen als erwartet. Allzu lange ruhte sich der IT-Riese aus Cupertino auf den iPhone-Erlösen aus. Die schwächelnden iPhone-Verkäufe versuchte Apple durch höhere Einnahmen pro Gerät auszugleichen. Zuletzt stieg der Preis um stattliche 23 Prozent oder in der Spitze bis zu den genannten 1.649 Euro. Vielen war das zu teuer. Im letzten Quartal 2018 verzeichnete Apple mit einem Rückgang von 11,8% den größten Rückgang unter den fünf führenden Smartphone-Händlern der Welt mit 64,5 Millionen verkauften Handys; es war der stärkste vierteljährliche Rückgang der Smartphone-Umsätze von Apple seit dem ersten Quartal 2016.

Wie ein weiterer Blick auf die Zahlen von Gartner zeigt, ist die schlechte Entwicklung bei Apple rund um das iPhone wohl auch einem allgemeinen Trends des Marktes geschuldet: "Die Nachfrage nach Smartphones der Einsteiger- und mittleren Preisklasse war in allen Märkten weiter stark, aber die Nachfrage nach High-End-Smartphones hat sich auch im vierten Quartal 2018 weiter verlangsamt", so die Analyse der Wirtschaftsexperten. Die Zeichen stehen also gut, dass wir erst einmal keine weiteren Preisübertreibungen sehen werden. Allenfalls absolutes High-End könnte noch teurer werden.

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Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist sowie Texter und beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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