Internet-Shopping

Warum du Produktbewertungen bei Amazon nicht trauen darfst

von Nils Matthiesen

Produktbewertungen spielen bei der Kaufentscheidung inzwischen eine große Rolle. Es gibt aber gute Gründe, weswegen du Kundenrezensionen bei Amazon kritisch begegnen solltest.

Wer im Internet bestellt, kann die Waren vorab nicht begutachten und überprüfen. Man kauft also die Katze im Sack. Doch zum Glück gibt es Kundenbewertungen. Darin schildern Nutzer, die das Produkt bereits gekauft haben, ihre Erfahrungen und / oder bewerten es auf einer Skala von eins bis fünf Sternen – so ist es zum Beispiel bei Amazon. Für viele Kunden sind diese Rezensionen kaufentscheidend. Doch kann man sich darauf verlassen? Nur zum Teil. Es gibt diverse Gründe, warum du Produktbewertungen nicht blind vertrauen solltest:

Bewertungen sind subjektiv

Von Kunden verfasste Bewertungen sind lediglich persönliche Meinungen. Gerade bei technischen Geräten sind diese aber nicht immer hilfreich. Ein Nutzer moniert etwa die schlechte Empfangsleistung eines Smartphones? Dass kann auch am Mobilfunknetz liegen. Oder ein Billigdrucker bekommt viel Lob? Das Urteil bringt wenig, wenn der Nutzer nur Texte, aber keine Fotos gedruckt hat. Kurzum: Es ist in der Regel ratsamer, einem seriösen Produkttest zu vertrauen, in denen von unabhängigen Testern Geräte nach vorab festgelegten Kriterien überprüft werden. Auch die Stiftung Warentest knöpfte sich in ihrer März-Ausgabe das Thema vor. Das Magazin ließ dazu Wissenschaftler der Technischen Universität die Bewertungen von Hobbyrezensenten und Profitestern analysieren. Das Ergebnis: Amazon-Bewertungen sind bei vielen Produkten ungeeignet, um eine Kaufentscheidung zu treffen. Die Ergebnisse der Warentester unterscheiden sich oft komplett von den Online-Rezensionen. Bei technischen Geräten taugen Nutzerbewertungen allenfalls als Ergänzung fundierter Testurteile. Langzeit-Erfahrungen, die Nutzer mit der Bedienung solcher Geräte gemacht haben, können aber hilfreich sein.

Bewertungen sind unausgewogen

Internet-Shopper äußern sich oft emotional und vertreten häufig extreme Meinungen zu gekauften Produkten. Wer sich den Aufwand macht, eine Rezension zu schreiben, hat sich oft über den Kauf wahnsinnig gefreut oder geärgert. Auch Nutzer, die ein Produkt kostenfrei testen durften, bewerten dieses in der Regel besser. Sie wollen damit die Chancen verbessern, auch weiter von dem Privileg profitieren zu können. All das bewirkt, dass das gesunde Mittelmaß in Bewertungen unterrepräsentiert ist.

Bewertungen sind gefälscht

Jeder Amazon-Kunde darf jeden Artikel im Amazon-Sortiment bewerten, auch wenn er ihn nicht gekauft hat. Zwar gibt es Richtlinien zum Verfassen von Berichten, aber die greifen nur bei echten Härtefällen. Die reichlich vorhandenen Schein-Bewertungen scheinen Amazon nicht zu stören. Dass viele Bewertungen gefälscht sind, ist inzwischen kein Geheimnis mehr. Untersuchungen haben ergeben, dass sogar Millionen Amazon-Bewertungen gefaked sind. Denn gut bewertete Produkte verkaufen sich weitaus besser. Auch auf den Hinweis „Verifizierter Kauf“ darf man sich nicht verlassen. Das ist zwar ein guter Ansatz, der jedoch keinen 100-prozentigen Schutz bietet. Die Fake-Tester bestellen das Produkt, bewerten es und schicken es innerhalb von zwei Wochen kostenlos an Amazon zurück. Amazon gelobt zwar, dass die Rezensionen von menschlichen Prüfteams und automatisierten Systemen kontrolliert würden. Doch angesichts der tagtäglichen Flut an Bewertungen scheint das nicht zu funktionieren. Immer wieder decken Verbraucherschützer systematischen Betrug auf, und Amazon muss Tausende Fake-Bewertungen löschen.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

Noch mehr Zaster