Kartellamt und Verbraucherzentralen warnen

Warum du bei Vergleichsportalen vorsichtig sein solltest

von Nils Matthiesen

Mit wenigen Klicks das beste Angebot finden – das versprechen Vergleichsportale wie Check24 und Verivox. Doch darauf sollte man sich nicht blind verlassen, warnt jetzt auch das Kartellamt.

Vergleichsportale sind eigentlich eine klasse Geschichte. Mit wenigen Klicks kann jeder herausfinden, wo man den günstigsten Kredit bekommt, bei wem die Autoversicherung wenig kostet und welcher Anbieter billigen Strom liefert. Aus diesem Grund nutzen Millionen Portale wie Check24 und Verivox im Vertrauen, dort die attraktivsten Angebote zu finden.

Darauf sollte man sich aber nicht verlassen, mahnt das Bundeskartellamt. Die Wettbewerbsbehörde ist bei der Untersuchung von 36 Internet-Vergleichsportalen aus verschiedenen Branchen auf einige Mängel gestoßen. „Der Verbraucher kann sich nicht immer darauf verlassen, tatsächlich das für ihn beste Angebot auf einem Vergleichsportal zu finden", kritisierte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Verbraucher würden oft nicht darüber aufgeklärt, wie die Reihenfolge der Suchergebnisse und die Empfehlungen der Vergleichsportale im Einzelnen zustande kommen. „Es fehlt an Transparenz", kritisierte Mundt.

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Auch Verbraucherzentralen wettern

Es nicht das erste Mal, dass die Vergleichsportale aufgrund fragwürdiger Praktiken in die Schlagzeilen geraten. Vor allem die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) führt einen regelrechten Kleinkrieg gegen Check24 & Co. Obwohl sich die Portale maximale Transparenz auf die Fahnen schreiben, setzt genau an die diesem Punkt die Kritik an. Bestimmte Verhaltensweisen wären für Verbraucher einfach nicht durchschaubar. Die größten Vorwürfe:

1. Provisionen für Vermittlung

Vergleichsportale verdien Geld durch Vermittlungsprovisionen und Werbung – einige zudem über den Handel mit Daten. Das bedeutet, wer als Stromanbieter oder Versicherer mit seinen Tarifen auf dem Portal gelistet sein möchte, muss für jeden Abschluss eine Menge Geld bezahlen. Erstaunlich: Versicherungsexperten gehen davon aus, dass die Provisionssätze sogar höher liegen als bei „echten“ Versicherungsmaklern.

2. Kein umfassender Vergleich

Bei dem Spiel mit den hohen Provisionen wollen viele Anbieter nicht mehr mitmachen. Prominente Beispiele auf Check24 sind zum Beispiel die Versicherungen Allianz sowie die HUK Coburg, immerhin Deutschlands größter Kfz-Versicherer. Dass die Tarife dieser Unternehmen also günstiger oder besser sein können, bleibt Nutzern des Portals verborgen. Das Kartellamt bemängelt, dass in einigen Branchen die Vergleichsportale eine geringe Marktabdeckung hätten und zum Teil teils weniger als 50 Prozent der im Markt existierenden Angebote abbilden würden.

3. Irreführende Filter

Das Kartellamt behauptet zudem, dass die von den Anbietern gezahlten Entgelte oder Provisionen Einfluss auf die vom Portal voreingestellte Darstellung der Suchergebnisse hätten. Ins gleiche Horn bläst auch die Bundeszentrale Verbraucherverband (VZBV). Die Suche nach den besten Angeboten werde zum Teil durch standardmäßig gesetzte Filter behindert, die zunächst nur die Vertragspartner in den Vergleich einbeziehen, die Provisionen zahlen. Erst wenn man die Filter ausschalte, erscheine das tatsächlich preiswerteste Angebot.

Noch mehr Ärger im Anflug?

Das Kartellamt rät, sich nicht nur auf die Ergebnisse eines Portals zu verlassen, sondern mehrere Preisvergleiche anzustellen. Zudem sollen Verbraucher voreingestellte Filtereinstellungen gegebenenfalls ändern und beachten, dass die besonders hervorgehobenen Angebote teilweise nicht Teil des Rankings seien, sondern zu Werbezwecken besonders prominent platziert werden. Die in der Studie aufgeführten Portale können nun zu den Ergebnissen der Untersuchung Stellung nehmen. Im kommenden Jahr will das Bundeskartellamt dann den finalen Bericht veröffentlichen.

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Nils Matthiesen
Nils Matthiesen

Nils ist Journalist sowie Texter und beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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