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Deutsche Gelddynastien

Pferdestärken und Politik: Die Familie hinter BMW

von Franziska Zimmerer

Dagegen sind die Ottos und die Albrechts von Aldi arme Schlucker: Die Industriefamilie Quandt ist mit einem Vermögen von 31 Milliarden der reichste Familienclan Deutschlands – dank BMW und weiterer lukrativer Beteiligungen.

Günther Quandt
Günther Quandt © Bundesarchiv

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Wie alles begann

Angefangen haben die Quandts nicht mit Vierzylindern, sondern als Stoffen und Leder: Im Ersten Weltkrieg belieferte die Tuchmanufaktur von Günther Quandt die Armee mit Uniformen. In der Weimarer Republik dann fasste der findige Geschäftsmann in der Rüstungsindustrie Fuß und lieferte anschließend im Zweiten Weltkrieg nicht nur Decken und Uniformen, sondern auch Waffen und Munition an die Wehrmacht.

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Die NS-Zeit

Ein schwarzes Kapitel für die Familie Quandt ist die NS-Zeit. Wie eine NDR-Dokumentation aus dem Jahr 2007 aufdeckte, setzten die Quandts in ihren Fabriken Zwangsarbeiter ein. Ein makabrer Zufall: Bei seiner siebten Teilnahme am Wüstenrennen Rallye Paris-Dakar fuhr Erbe Sven Quandt mit seinem Fahrzeug über eine Mine. Dabei starben drei Menschen, jedoch nicht Quandt. Die Mine war vom Quandt-Imperium hergestellt worden.

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Die feindliche (Fast-)Übernahme

Um ein Haar wäre BMW heute Daimler gewesen: In den 1950er Jahren geriet der bayrische Autobauer in eine Schieflage, und ein Sanierungsplan der damaligen Geschäftsführung sah eine Übernahme des süddeutschen Konkurrenten vor. Dies wurde in letzter Minute durch die Kleinaktionäre und Mitarbeiter verhindert. Das imponierte dem Quandt-Erben Herbert so sehr, dass er das Familienvermögen in den strauchelnden Konzern steckte und so auch das Vertrauen der Banken für Kredite gewinnen konnte.

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Die Quandts heute

Die Familie Quandt hält 46,7 Prozent der Anteile an den Bayrischen Motorenwerken (BMW). Obwohl das nicht die absolute Mehrheit ist, haben die Quandts trotzdem das Sagen, sodass alle strategischen Entscheidungen wie Fusionen oder die Besetzung des Vorstandes absegnen müssen.

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PS und Politik

Die Familie Quandt zählt zu den größten Privatspendern deutscher Parteien. Seit 2002 hat die Familie mehr als zwei Millionen gespendet – am meisten ging dabei an die CDU, die Schwesterpartei CSU und die FDP. Hinzu kamen Spenden der Quandt-Unternehmen BMW (knapp 4 Mio. Euro) und Altana (rund 1,6 Mio. Euro).

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-B03534 / Dorneth / CC-BY-SA 3.0

ein Artikel von
Franziska Zimmerer
Franziska Zimmerer
Hat Politik, Jura und Kommunikation in München und London studiert. Nach drei Jahren auf der Insel hat sie ihren persönlichen Brexit gewagt und ist für Zaster als Redakteurin in Berlin im Einsatz. Was sie an England vermisst: bargeldloses Bezahlen von Pfennigbeträgen, Baked Beans und Prinz Harry.

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