3000 Dollar Trinkgeld an ihrem ersten Abend brachten Molly Bloom auf den Geschmack, als sie als „Cocktailkellnerin“, wie sie sich später bezeichnete, Männer beim Pokerspielen in einem Keller in Los Angeles bediente. Sie konnte das Geld dringend gebrauchen: Als ambitionierte Skifahrerin war sie schwer gestürzt, ihre dabei schlimm verkrümmte Wirbelsäule musste mit Stiften gerichtet werden. Die Karriere als Sportlerin jedenfalls war dahin. Und auch wenn ihr Arbeitgeber, ein zwielichtiger Händler, sie grundsätzlich beleidigend behandelte, fand sie doch Geschmack an dem Spiel mit den Karten oder besser: an dem Spiel mit den reichen Männern, die wegen der Karten mit dem Geld nur um sich warfen.

Film basiert auf wahren Begebenheiten

Die Geschichte von Molly Bloom ist real: Wie sie kurz davor war, bei den Olympischen Spielen teilzunehmen, und dann durch den Sturz ihre Karriere beenden musste, ist tatsächlich so passiert. Das lässt sich ihren Memoiren entnehmen, die sie 2014 veröffentlichte. Vor allem die Geschichte danach ist Stoff des Spielfilm „Mollys Games“, der jetzt bei iTunes und Amazon.de zu sehen ist.

Die selbst ernannte Pokerprinzessin, wie sie in Zeitungsberichten genannt wurde, veranstaltete darin immer teurere Pokerrunden. Schon bald nach den ersten Erfahrungen löst sie sich von ihrem Geldgeber und veranstaltet lieber eigene exklusive Runden. Mit einem Trick und viel weiblicher Finesse nimmt Bloom, gespielt von Jessica Chastain, die Kundschaft mit und macht die Runden immer exklusiver. Einstiegsgeld: 10.000 Dollar. Mit von der Partie waren in der Realität die Schauspieler Leonardo DiCaprio, Tobey Maguire und Ben Affleck – im Film werden sie freilich nicht erwähnt.

Neben den Filmstars sind auch Regisseure, Boxer, Wirtschaftsbosse und Rapper dabei. Poker ist ihr trojanisches Pferd in die höchsten Ebenen der Finanzwelt, in die High-tech-Branche, Politik und die Unterhaltungsbranche. Gescheiterte Existenzen sind dabei wie der Millionär, der jede Woche 100.000 Dollar beim Pokern verliert, 5000 Dollar Trinkgeld gibt und doch wieder eingeladen werden möchte mit den Worten: „Soll ich Dein Trinkgeld erhöhen?“ Bloom versucht, kein illegales Glücksspiel zu betreiben, lässt sich dafür von einem Anwalt beraten – und wird am Ende doch schwach: „Ich nahm mir einen Anteil und verstieß gegen das Gesetz“, sagt die Erzählerin im Film.

4,7 Millionen Euro beschlagnahmt

Ins Verderben gerät Molly Bloom schließlich, als sie Russen in die Runde holt, die sie später erpressen wollen. Bei einem Angriff wird sie schwer verletzt, kann zwei Wochen lang das Hotelzimmer nicht verlassen. Als die Cops sie später hochnehmen, werden 4,7 Millionen Dollar Einnahmen konfisziert. "Wie komme ich mit dem Verlieren klar? – indem ich gewinne", sagt sie. Vor Gericht plädiert sie auf schuldig und wird auch verurteilt – allerdings anders, als es der Verlauf des Films erwarten lässt...

„Mollys Game“ auf Amazon als Video