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Sänger Clueso im Interview

„Früher habe ich gar nicht gespart“

von Nikolina Krstinic

Clueso alias Thomas Hübner (38) hat im Leben viel Geld verdient und ist einer der erfolgreichsten Sänger Deutschlands. Im ZASTER-Interview erzählt er, was er mit seiner ersten Gage gemacht hat, wie wichtig Zaster ihm heute ist und wie er fürs Alter vorsorgt.

Es scheint, dass viele Künstler ein kleines Autoritätsproblem haben …

Das Autoritätsproblem habe ich sogar schriftlich! Deswegen bin ich ja Künstler aus Notwehr (lacht). Verantwortung zu übernehmen lernte ich erst mit 19, als es plötzlich Menschen gab, die für mich arbeiteten und sich auf mich verlassen. Und selbstverständlich auch für meine Familie: Einen Teil meines ersten Gehalts habe ich meiner Mutter gegeben, damit sie sich eine neue Küche kaufen kann. Das hat ihr große Freude gemacht. Und mir selbst habe ich auch die eine oder andere Kleinigkeit gekauft. Schließlich sollte man sich ab und an auch selbst belohnen.

Bestimmt kennen Sie das Klischee des Schriftstellers vor dem leeren Blatt. Zweifellos gibt es Zeiten, in denen einem die Ideen ausgehen. Wie gehen Sie damit um?

Bei mir war es genau umgekehrt: Ich hatte immer eher zu viele Ideen, als dass sie mir ausgegangen wären. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, Ideen immer fertig zu denken und direkt umzusetzen. Ganz egal, wie unausgereift sie teilweise waren. Erst sobald ein Grundgerüst, ein Fundament steht, kann man darauf bauen.

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Wer sich in die Selbstständigkeit begibt, macht sich verwundbar. Was hat Sie dazu bewegt, das trotzdem zu tun?

Ich habe meine Schullaufbahn nie richtig beendet und meine Lehre abgebrochen. Für mich war immer klar, dass ich Musik machen möchte. Vielleicht habe ich mir deshalb auch keine Mühe gegeben, der Norm zu entsprechen, sondern bin meinen eigenen Weg gegangen. Als ich noch ein Teenager war, versicherte mir mein ehemaliger Manager Andreas Welskop, dass wir uns eine Menge Freiheit holen, indem wir unseren eigenen Weg gehen. Er hat mir viel über Entscheidungshoheit beigebracht – ein unbezahlbares Gut für jeden Künstler. Irgendwann lernst du, dich nicht beliebig zu verkaufen, sonst schadest du auf längere Sicht deiner Kunst.

Wo gab und gibt es trotz aller Erfahrung auch heute noch Rückschläge?

Rückschläge gibt es grundsätzlich bei jeder Platte. Insbesondere beim Endspurt, wenn ich den Abgabetermin schon so genau vor Augen habe, kommt etwas dazwischen. Das fühlt sich an, als würde man auf den letzten Metern eines Marathons dabei zusehen, wie sich die Ziellinie plötzlich um fünfhundert Meter verschiebt, und dabei hat man schon all seine Reserven aufgebraucht. Das Ziel zu erreichen geht nur, wenn alle zusammenhalten und einen kühlen Kopf bewahren. Doch die härtesten Rückschläge sind die internen innerhalb des Teams. Wenn man als Chef versucht, seine Vision zu erklären, aber unter Zeitdruck steht und sich im Ton vergreift. Das ist mir früher schon mal passiert, aber ich habe dazugelernt.

Wie sichert man den Zusammenhalt eines Teams?

Mit das Wichtigste ist, dass ein Team sich seiner Stärke bewusst ist. Und nur, wenn man ehrlich und offen miteinander redet, ist man in der Lage, ein Korrektiv fernab hierarchischer Strukturen zu entwickeln. Am Ende des Tages gibt es für einen Chef nichts Schöneres, als bei einem kühlen Bier gefragt zu werden: „Sag mal, wie geht es dir eigentlich?“. Dann weiß ich, ich habe es richtig gemacht.

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Worauf verzichten Sie gerne?

Ich bin generell eher sparsam, aber es gibt eine Sache, die mir sehr wichtig ist. Ich unterstütze zwei Menschen in meinem Leben und subventioniere sie in ihrer Kunst. Sie sind auch Musiker. Es fühlt sich richtig an, dafür auf einen Teil meiner Einnahmen zu verzichten.

Ein Tipp, den Sie jungen Künstlern geben können?

Die besten Verträge sind keine Verträge, sondern Absprachen. Am Ende wollen alle, die investieren, etwas dafür zurückbekommen. Sobald du dich als junger Künstler doch in die Situation einer Abhängigkeit begibst, musst du wissen, worauf du dich einlässt. Es ist wichtig, auf eine kurze Vertragslaufzeit zu achten, also maximal zwei Jahre. Man sollte sich unbedingt die Zeit nehmen, Verträge Punkt für Punkt durchzugehen. Ein Vertrag kann bedeuten, dass du zwar im goldenen Käfig eingesperrt bist, deine Kette aber schön lang ist und du frei herumspringen kannst. Er kann aber auch bedeuten, dass du deinen Käfig mit fünf anderen teilst und so schnell nicht mehr rauskommst. Deshalb sollte man gründlich überlegen, bevor man etwas unterschreibt. Und mein zweiter Tipp ist, nicht aus falscher Überzeugung oder Stolz auf sich allein gestellt zu arbeiten. Man muss die Burg mit den Rittern teilen.

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ein Artikel von
Nikolina Krstinic
Nikolina Krstinic
Nikolina Krstinic studierte in Wien und Berlin Kulturwissenschaften, Journalismus und Unternehmenskommunikation. Sie ist als freie Autorin und Journalistin tätig - seit Februar 2018 auch für Zaster.

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