Geldentscheidungen

Über den Sinn von Betriebsrenten und den optimalen Sparplan

von Malte Dreher

Lohnt sich eine Betriebsrente und welche Fonds eignen sich besonders zum Sparen? Der Kapitalmarkt- und Anlageexperte Malte Dreher beantwortet jeden Donnerstag drei Fragen.

Lohnt sich eine Betriebsrente?

Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer ein Anrecht darauf, einen Teil seines Gehalts für den Aufbau einer betrieblichen Altersversorgung (bAV) zu nutzen. Das nennt man Entgeltumwandlung. Das Geld fließt dann in einen der folgenden fünf Durchführungswege – je nachdem, was der Arbeitgeber anbietet: Direktversicherung, Direktzusage, Unterstützungskasse, Pensionskasse und Pensionsfonds.

Bei der Direktversicherung schließt der Arbeitgeber bei einer Lebensversicherung eine Police für seinen Mitarbeiter ab. Die Renten zahlt dann später der Versicherer. Bei der Direktzusage verpflichtet sich der Chef, seinem Arbeitnehmer eine Rente zu zahlen, das Geld dafür legt er während der Ansparphase zurück.Die Unterstützungskasse ist ein externes Versorgungsunternehmen, das die Rente im Auftrag der Firma zahlt. Pensionskassen sind Versorgungseinrichtungen, die Versicherungen ähneln und entweder unternehmenseigen oder für alle Unternehmen offen sind. Pensionsfonds wiederum sind Einrichtungen, die keinen Anlagebeschränkungen unterliegen und das Vermögen der Sparer zum Großteil zum Beispiel in Aktien oder Rohstoffen anlegen können.

Welche Vorteile hat das Sparen über den eigenen Betrieb? Mitarbeiter bezahlen die Beiträge aus ihrem Bruttoeinkommen. Die Beiträge werden bis zu bestimmten Grenzen also weder versteuert noch mit Sozialabgaben belastet. Und: Durch die Entgeltumwandlung sinkt das zu versteuernde Bruttogehalt – Sparer zahlen deswegen weniger Steuern und Abgaben. In vielen Fällen gibt der Arbeitgeber auch noch etwas zu den Beiträgen seines Mitarbeiters hinzu. Gerade wenn das der Fall ist, kann sich eine Betriebsrente für den Sparer lohnen.

Aber: Die Steuergeschenke in der Ansparphase holt sich der Staat später zum Teil zurück. Denn die Betriebsrente wird im Alter versteuert und bei gesetzlich Versicherten mit Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen belegt. Meist liegt der persönliche Steuersatz im Alter aber deutlich niedriger als im Erwerbsleben, was im Endeffekt also trotzdem zu einem Steuervorteil führt.

Richtig Ärger gibt es mitunter bei den Sozialabgaben. Denn der Sparer muss auf seine Bezüge Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen – und zwar den vollen Beitragssatz, also Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil. Das kann bis zu einem Fünftel der Betriebsrente kosten. Dieses Problem hat die Politik aber erkannt. SPD und Unionsparteien zeigen sich momentan recht einig darin, diesen Missstand abschaffen zu wollen.

Welche Fonds eignen sich besonders für einen Sparplan?

Grundsätzlich sind alle Investmentfonds für private Anleger auch für Sparpläne geeignet. Und sinnvoll: Bereits zum zweiten Mal in Folge liegt die Inflationsrate in Deutschland jenseits von zwei Prozent. Angesichts von Zinsen nahe Null führt dies zu einer gravierenden Geldentwertung und das Vermögen nimmt real ab. Die Fondswelt bietet deswegen weit bessere Anlagechancen als etwa klassische Sparbücher und ähnliche Bankkonten.

Fonds-Sparpläne funktionieren immer gleich: Der Sparer zahlt über einen längeren Zeitraum regelmäßig einen bestimmten Betrag ein. Mit international anlegenden Rentenfonds, die in Anleihen mittlerer Laufzeit investieren, hat ein Sparplan über zwei Jahrzehnte 2,6 Prozent Zinsen jährlich abgeliefert. Bei 30 Jahren Sparplandauer waren nach aktuellen Angaben des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) sogar 3,9 Prozent pro Jahr drin. Mischfonds-Sparpläne, die zugleich auf Aktien, Anleihen oder auch weitere Anlageklassen wie etwa Rohstoffe setzen, konnten Anlegern in diesen Zeiträumen 3,2 Prozent und 5,1 Prozent jährlich bescheren. Die Renditen lassen sich noch steigern, wenn ein größerer Teil der Anlagen in Aktien fließt: Für internationale Aktienfonds beispielsweise hat der deutsche Fondsverband sogar 4,7 Prozent und 6,2 Prozent ausgerechnet.

Es geht sogar noch besser: Sparpläne auf in Deutschland anlegende Aktienfonds haben das Kapital ihrer Einzahler in zwanzig Jahren um 5,8 Prozent jährlich erhöht, in dreißig Jahren über 6,8 Prozent. Das bedeutet, wer monatlich über drei Jahrzehnte 100 Euro einzahlt, erhält am Ende der Laufzeit 112.587 Euro. Dafür müssen Anleger insgesamt nur 36.000 Euro einzahlen. Ihr Kapital hat sich also mehr als verdreifacht. Anders als etwa bei Versicherungsangeboten können Sparplaner ihre Investments auch während der Laufzeit teilweise oder komplett zu Geld machen.

Welche Kennzahlen sollte ich als Fondssparer kennen?

Wie in vielen anderen Bereichen gilt für dieses Thema „Weniger ist mehr“. Es gibt für die Beurteilung von Fonds Dutzende von Kennzahlen – das geht von Alpha über Beta und hört bei Volatilität noch längst nicht auf. Von diesen dreien schon mal gehört zu haben, schadet aber sicher nicht. Der Begriff Volatilität leitet sich vom lateinischen Wort volare (fliegen) ab und bedeutet sinngemäß "auf und ab". Die entsprechende Kennzahl beschreibt, wie stark der Preis eines Fondsanteils über einen bestimmten Zeitraum schwankt. Je höher die im Vergleich zum Mittelwert gemessenen Ausschläge – Geldmarktfonds liegen nahe Null, sehr spezialisierte Aktienfonds häufig bei über 30 Prozent – ausfallen, desto riskanter ist ein Fonds. Aber auch desto chancenreicher.

Der Alpha-Faktor misst die um die Volatilität bereinigte Überrendite eines Fonds gegenüber einem Vergleichsindex. Ist das Alpha positiv, wurde der Index geschlagen. Je höher dabei der Wert, desto besser die gezeigte Leistung. Der Beta-Faktor schließlich misst die prozentuale Veränderung eines Fonds, wenn der zu Grunde liegende Vergleichsindex um ein Prozent steigt oder fällt. Liegt das Beta über 1, hat der Fonds in den unterschiedlichen Auf- und Abschwung-Phasen stärkere Ausschläge gezeigt als der Markt. Liegt es darunter, waren die Ausschläge schwächer – was für einen eher vorsichtigen Managementstil spricht.

Hilfreich bei der Fondsauswahl kann auch der maximale Verlust sein. Er zeigt an, wie tief der Anteilspreis im Betrachtungszeitraum vom Hochpunkt aus maximal in den Keller gerauscht ist. Wie bei allen Kennzahlen handelt es sich dabei aber um eine statistische Größe aus der Vergangenheit, die mitunter eine nicht vorhandene Sicherheit vorgaukelt. So lag der maximale Verlust vieler Aktienfonds im Frühjahr 2007 – also unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise – bei unter 20 Prozent. Nur drei Jahre später waren es oft 50 oder sogar 60 Prozent. Wichtiger als alle Kennzahlen ist deshalb eine klare Haltung in der Frage, welche Ziele man als Anleger mit einem Fonds erreichen möchte. Und: Niemand sollte einen Fonds kaufen, ohne sich zuvor dessen langfristigen Chart im Vergleich zu einem Index oder zum Durchschnitt der Konkurrenz angesehen zu haben.

Wer dennoch einmal schauen möchte, worauf Anlageprofis, die für ihre Kunden viele Milliarden Euro verwalten, bei der Fondsauswahl so alles achten, findet hier einige nützliche Hinweise.

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Malte Dreher
Malte Dreher

Malte Dreher (Jahrgang 1973) ist Herausgeber von zwei Finanzmagazinen: Das „private banking magazins“ und „DAS INVESTMENT“ werden in Hamburg verlegt und von 40.000 Finanzprofis gelesen. Er studierte Germanistik, Geschichte und politische Wissenschaft in Heidelberg und Köln. Heute lebt er mit seiner Frau und sechs Kindern in Hamburg. Für ZASTER beantwortet er jeden Donnerstag Fragen zu Kapitalmarkt- und Anlegerthemen in der Rubrik „Drei Fragen an ... Malte Dreher“.

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