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Klugscheißerwissen

Kann die Wirtschaft ewig wachsen?

von Nils Matthiesen

Die Wirtschaft muss wachsen – sonst geht es uns schlecht, sagen Ökonomen. Ist stetiges Wachstum in einer Welt begrenzter Ressourcen aber überhaupt möglich?

Nichts wächst ewig. Das ist in der Natur nicht vorgesehen. Stell dir vor, du würdest dein ganzes Leben mit der gleichen Geschwindigkeit weiterwachsen, wie als Kind. Dann würdest du nach 50 Jahren vielleicht fünf Meter groß und 400 Kilo schwer sein. Doch die meisten Ökonomen sind sich trotzdem einig, dass die Wirtschaft immer wachsen muss. Auch die Politik strebt immer ein möglichst hohes Wirtschaftswachstum an. Wie kann das funktionieren?

Wachstum gleich Wohlstand

Genau genommen geht es um die kontinuierliche Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Dieser Wert misst jedes Jahr die in einer Volkswirtschaft produzierten Waren und Dienstleistungen. Wirtschaftswachstum entsteht, wenn der Wert des realen BIP steigt. In der Regel durch die Erhöhung der Produktionsmenge. Der Wert gilt als Gradmesser für den Wohlstand eines Landes. Wachstum sorgt dafür, dass es jeder Generation besser geht, als der Generation davor, meinen Ökonomen.

Zweifel am Wachstums-Mantra

Doch an dieser Doktrin gibt es zunehmend Zweifel. Immer mehr Wirtschaftswissenschaftler sind der Meinung, dass es sinnvoller wäre, andere Kriterien als Maßstab für den Wohlstand heranzuziehen. Vor allem folgende Punkte sprechen gegen das Mantra des ewigen Wirtschaftswachstums.

  • Zweifelhafter Erfolg: Seit einem halben Jahrhundert konzentrieren sich die entwickelten Länder darauf, wie sie ihre Wirtschaft schneller wachsen lassen können, in der Hoffnung, dass ein starkes Wachstum das Leben aller ihrer Bevölkerungen verbessern würde. Fest steht: In den Entwicklungsländern ist in den letzten Jahrhunderten die Lebenserwartung erheblich gestiegen, gleichzeitig sind Sterblichkeitsraten aufgrund von Krankheiten und Unterernährung zurückgegangen. Aber: Obwohl zum Beispiel in den USA die Wachstumsrate in den letzten 60 Jahren durchschnittlich pro Jahr um die drei Prozent lag, leben immer noch Millionen Amerikaner in Armut. Auch die Löhne sind für den Durchschnittsbürger nicht entsprechend gestiegen, sondern eher gesunken.
  • Endliche Ressourcen: Für eine höhere Produktion sind in der Regel mehr Ressourcen erforderlich. Demnach geht Wirtschaftswachstum mit einem massiven Verbrauch der natürlichen Ressourcen sowie einer Verschlechterung der Umwelt einher. So steigen die Temperaturen, höchstwahrscheinlich vor allem durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, seit der letzten Hälfte des 20. Jahrhunderts kontinuierlich an. Doch das stellt bei Weitem nicht das einzige Problem dar: Themen wie Abholzung, Überfischung, Artensterben stehen alle in engem Zusammenhang mit dem Streben nach immer mehr Wachstum. Der massive Anstieg des Verbrauchs der Ressourcen der Erde und die Umweltauswirkungen der industriellen Tätigkeit haben viele zu dem Schluss geführt, dass das Wirtschaftswachstum nicht nachhaltig ist.

Intelligentes Wachstum als Lösung

Kann die Wirtschaft trotzdem immer weiterwachsen? Theoretisch schon. Denn Wirtschaftswachstum bedeutet per Definition nicht zwangsläufig eine Erhöhung der Produktionsmenge, also immer größere Fabriken, mehr Infrastruktur und höherer Ressourcenverbrauch (extensives Wachstum). Eine andere Möglichkeit für mehr Wachstum kann auch sein, die Qualität des Produzierten zu steigern (intensives Wachstum), zum Beispiel durch effizientere oder intelligentere Produktion. Zudem ergibt sich das BIP nicht nur aus der Warenproduktion, sondern auch aus Dienstleitungen. Sprich: Mit zunehmender Zunahme von Bildung, Gesundheitsversorgung und anderen Dienstleistungen wächst das Wirtschaftswachstum, ohne dass zwangsläufig Unmengen von natürlichen Ressourcen verbraucht werden müssen. Ganz im Gegenteil kann ein durch „grüne“ Innovationen geprägtes Wirtschaftswachstum sogar gut für die Umwelt sein.

ein Artikel von
Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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