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Zahl des Tages

2500

von Moritz Weinstock

Kampf den Masern und Sanktionen für Impfgegner: Bis zu 2.500 Euro Strafe für Impfgegner fordert Gesundheitsminister Jens Spahn – und den Ausschluss der Kinder aus den Kitas.

Gegen vieles kann man sich schützen, es gibt Ad-Blocker gegen nervige Werbung und es gibt Virenprogramme, mit denen wir unseren Computer sauber halten. Alarmanlagen schützen vor Einbruch, der Fingerabdruck den Zugang zum Smartphone. Geht es aber um die persönliche Gesundheit, so wollen wir zwar bewusst und gesund leben, aber nicht alles mitmachen, was uns die Welt der Medizin vorschreibt. Manche schwören auf Tee und Globulis, wenn die Wintergrippe droht, andere pumpen sich mit Medikamenten voll. Jedem das Seine, würden tolerante Menschen sagen, nicht so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und eine Vielzahl von Politikern und Bürgern.

In der aktuellen Debatte um eine generelle Impfpflicht geht es konkret um mehr als nur eine Wintergrippe. Es geht um die Masern, eine Krankheit, die in seltenen Fällen zur Entzündung der Hirnhaut und folglich bis zum Tod führen kann. Wirksame und vergleichsweise günstige Mittel gegen sie gibt es seit den 1960er-Jahren. Rund 60 Euro kostet die Erstversorgung heute, wobei sie stets von den Krankenkassen übernommen wird. Wieso sollte man es also darauf ankommen lassen?

Geteilte Lager

Impfgegner argumentieren mit persönlicher Freiheit, untermauern diese mit Zitaten aus dem Grundgesetz und warnen gleichzeitig vor seltenen Fällen von Erkrankungen, die aus den Impfungen resultieren können. Der Verein Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V geht mit der Petition Deutschland braucht keine Impfpflicht! sogar noch einen Schritt weiter. Das notwendige Ziel von 70.000 Unterstützern ist nahezu erreicht, allerdings sitzt die Gegenseite am scheinbar längeren Hebel.

Fraktionenübergreifend erhält Spahn nämlich deutlichen Zuspruch für seine Vorschläge. So zum Beispiel von der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles

Die individuelle Freiheit hat ihre Grenzen dort, wo sie die Gesundheit vieler anderer gefährdet.
Andrea Nahles

Spahn droht Eltern umgeimpfter Kinder mit Geldstrafen von bis zu 2.500 Euro und dem Ausschluss aus Kitas und Schulen, sollten sie sich gegen Impfungen sträuben.

Die derzeitig Impfquote liegt in Deutschland nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts bei rund 93 %, nur Brandburg und Mecklenburg-Vorpommern stellen mit 95 % Positivbespiele für den Minister dar. Dabei ist eine Impflicht nichts Neues. Bis 1970 gab es sie beispielsweise gegen die Pocken, was dazu führte, dass die Krankheit heute von der Bildfläche nahezu verschwunden ist.

Masianer

Die Masern hingegen erfahren derzeit weltweit ein Revival, das es einzudämmen gilt. Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation WHO nach stiegen die Zahlen der Maserninfektionen in Europa im vergangenen Jahr auf das Dreifache an, knapp 83.000 – so viel wie zuletzt vor zehn Jahren.

Rational betrachtet muss man sich also die Frage stellen, wieso wir diese Krankheit nicht längst überwunden haben, wenn die Möglichkeiten dazu bestehen? Drakonische Geldstrafen und der Ausschluss erkrankter Kinder von Schulen und Kitas wirken zwar befremdlich, Worte wie Impflicht erschüttern unser Freiheitsempfinden; aber ist es manchmal nicht notwendig, den Einzelnen an der Hand zu nehmen und mit Ideen zu konfrontieren, welche die Meinung des Individuums umgehen, um die Gesellschaft zu schützen und gesünder zu machen?

Und wäre es nicht spannend zu erfahren, wie hoch die Quote für Ad-Blocker und Codes für Computer und Smartphones im Land ist?

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Moritz Weinstock
Moritz Weinstock
Moritz hat Kommunikationswissenschaften in Wien studiert und seine Leidenschaft fürs Schreiben mit nach Berlin gebracht. Nach lehrreichen Jahren als Redakteur bei einem Motorradmagazin, ist er nun als Channel-Editor für ZASTER tätig. Sein Zugang zur Wirtschaftswelt: er lebt auf zehn Quadratmetern und spart, was das Zeug hält.

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