Henkel-CDO Rahmyn Kress im Interview

„Lebenslanges Mentoring ist das wichtigste für den Erfolg“

Dr. Rahmyn Kress ist CDO bei Henkel und Founder von Henkel X. Was Manager bewegt, wie hart manche Gründer für ihren Erfolg kämpfen müssen und welche Tipps du dir zu Herzen nehmen solltest, erfährst du in unserer Rubrik #Erfolgsrezept.

Rahmyn, was ist dein Erfolgsrezept?

Ein wirkliches Erfolgsgeheimnis gibt es eigentlich nicht. Sicherstellen zu können, dass alles, was ich tue, zielgerichtet ist und jede Entscheidung positiv anzugehen, ist ein Indiz für mich, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde.

Ich möchte positiven Einfluss auf die Menschen in meiner Umgebung haben und meinem Team die Vorstellung vermitteln: Jeder ist wertvoll, respektiere jeden, sei direkt aber nicht furchteinflößend.

Es gibt ein Zitat der Body-Shop-Gründerin Anita Roddick, das ich sofort unterschreiben würde: „Um erfolgreich zu sein, musst du so leidenschaftlich an etwas glauben, dass es wahr wird.“ Es braucht zudem
Demut und Lernbereitschaft sowie Ausdauer, Engagement und harte Arbeit. Auch die richtige Umgebung, die mir und den Menschen um mich herum Freiheit und Experimente ermöglicht, ist sehr wichtig.

Was glaubst du bedeutet Erfolg im Jahr 2019?

Erfolg bedeutet heute, agil zu sein, kollaborativ zu denken, unternehmerisch und kulturorientiert zu sein.

Es geht mir darum, mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Ethnien, sexueller Orientierung, Alter und Geschlechter zusammenzuarbeiten und die Vielfalt an Sprachen und Erfahrungen für jedes Projekt zusammenzubringen.

Hamilton-Schöpfer Lin-Manuel Miranda sagte einmal einen sehr passenden Spruch: „Der Spaß an der Zusammenarbeit mit anderen Menschen ist, dass es dich selber intelligenter macht. Das ist bewiesen.“ Das ist so wahr. Ich bin der Überzeugung, dass man nur so stark ist wie sein gesamtes Team.

Wie hat sich die Definition von Erfolg deiner Meinung nach in den letzten 10 Jahren verändert?

Sie hat sich komplett verändert! Mein gesamter Rahmen für Erfolg hat sich vom Glauben an einzelne Ziele zum Streben nach dem Erfolg aller verschoben. Bei Erfolg geht es für mich heute viel mehr um die Frage, wie ich mein Team antreibe und was es abseits von einzelnen, individuellen Zielen vollbringt.

Erfolg lässt sich für mich nicht mehr anhand von einfach definierten Zielen messen; stattdessen möchte ich das Leben anderer verbessern. Es geht nicht darum, die Konkurrenz zu schlagen, sondern die Menschen um mich herum zu unterstützen und zu ermutigen. Ich konkurriere mit am meisten mir selbst. Statt mich andauernd mit anderen um mich herum zu messe, strebe ich nach Selbstverbesserung.

Darüber hinaus geht es heute beim Erfolg – auch dank neuer Geschäftsmodelle und Plattformen – nicht nur darum, wer das meistverkaufte Produkt oder die beste Ware hat. Eine einzige Idee kann heute zu großem Erfolg führen.

Wie schaffst du es, die richtige Work-Life-Balance zu behalten?

Im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Leben stecken wir derzeit alle unglaubliche Anstrengungen in etwas, an das wir alle glauben.

Das heißt, wenn wir bestimmte Ziele erreicht haben, ist Flexibilität für uns eine Selbstverständlichkeit. Es gibt Zeiten, in denen wir zusätzliche Stunden leisten müssen, und natürlich gibt es auch Zeiten, in denen wir die zusätzlichen Stunden ausgleichen können. Wenn jemand also unglaublich hart auf ein Ziel hingearbeitet hat und er am Freitag einmal früher gehen muss, ist das absolut in Ordnung. Ich selber gehe da mit gutem Beispiel voran und ich glaube, jeder in meinem Team versteht das auch.

Welchen Unternehmer bewunderst du?

Viele! Ich habe Satya Nadella und seine Leidenschaft für lebenslanges Lernen immer bewundert. Vor kurzem habe ich ein Interview mit ihm gelesen, in dem er beschrieb, wie mitgerissen er immer noch von neuen Ideen ist, dass er mehr Bücher kauft als liest und bis heute an einer Vielzahl von Online-Kursen teilnimmt mit Themen von Business hin zu Neurowissenschaften.

Bill und Melinda Gates ermutigen mich durch ihren intrinsischen Wunsch, die Welt um uns herum zu verbessern. Ihre Arbeit mit der Gates Foundation zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung auf der ganzen Welt begeistert mich.

Als Unternehmer und Geschäftsführer von über 400 Unternehmen weltweit ist Sir Richard Bransons angeborener Geschäftssinn umwerfend. Er kann ganz banale Aussage in ein Ethos umwandeln.

Aber das Wichtigste ist, offen für lebenslanges Mentoring zu sein. Ich hatte so viele verschiedene Mentoren in meinem Leben. Einige meiner besten Freunde wurden zu wertvollen Mentoren durch mein ganzes Leben. Auch mein Vater hatte großen Einfluss. Er hat immer an sich selbst gearbeitet, und erst vor kurzem habe ich erkannt, was für eine große und positive Wirkung er auf meine unternehmerischen Instinkte hatte.

Was müssen gute Unternehmer heute mitbringen?

Neugier, Offenheit, Weitblick, Widerstandsfähigkeit, Mut – Geschlechter, Alter, Sexualität spielen hier keine Rolle. Unternehmertum erfordert eine Kultur die inklusiv ist. Es geht hier um ein Mindset.

Es gibt in meinen Augen eine Handvoll Attribute, die ein Unternehmer braucht, die in der Kombination unschlagbar sind. Es beginnt mit dem Selbstbewusstsein. Eine gute Einschätzung zu haben, in welchen Bereichen man überdurchschnittlich gut ist, und sich gleichzeitig aber dessen bewusst zu sein, dass man gewisse Skills nicht ganz so ausgeprägt hat. Das wichtigste ist es zu verstehen, wie man seine Stärken und Schwächen so positioniert, dass man tatsächlich das Beste aus sich rausholt.

Außerdem braucht man den Ehrgeiz, erfolgreich werden zu wollen und natürlich viel Durchhaltevermögen. Ich bewundere besonders den jüngsten Aufruf von Facebook-COO Sheryl Sandberg an Frauen, genauso ehrgeizig zu sein wie Männer.

Ähnlich wie Ehrgeiz ist Vertrauen von entscheidender Bedeutung und kann oft die eine schwer greifbare Qualität sein, die gebraucht wird, um vor allem Kunden oder aber den Respekt der Menschen um einen herum zu gewinnen.

Wie viele Jahre hast du für deinen Erfolg gearbeitet?

Erfolg ist für mich kein abgeschlossener Prozess. Ich arbeite an meinem Erfolg. Veränderungen lassen mich aufblühen und drängen mich selber immer wieder aus meiner Komfortzone heraus. Ich konzentriere mich stärker auf die täglichen Erfolge und die allgemeinen Erfolge meines Teams. Für mich ist Erfolg, wenn ich hart an einer neuen Disziplin oder Herangehensweise arbeite und sie irgendwann problemlos beherrsche.

Was war deine größte Herausforderung auf dem Weg zum Erfolg?

Das war ohne Frage der Moment, in dem ich vor einigen Jahren mit dem Krebs meiner Frau konfrontiert wurde. Es war, als würde jemand den Teppich unter meinen Füßen wegziehen. Alles war komplett außerhalb meiner Kontrolle.

Was war dein härtester Rückschlag?

Als die britische Öffentlichkeit für den Brexit stimmte, besonders in dieser Zeit. Mein persönlicher Anspruch – und auch der von Henkel – ist es, gemeinschaftlicher und integrativer zu sein. Ein isoliertes, kurzfristiges Denken ist frustrierend und wirkt sich nachteilig auf die jüngeren Generationen aus.

Für mich ist die größte Gefahr in Turbulenzen nicht die Turbulenz selbst, sondern veraltete Denk- und Verhaltensweisen. Und genau diese haben viele Briten beim Brexit.

Das Interview führte Larissa Laudenberger

ein Artikel von
Larissa Laudenberger
Larissa Laudenberger

Larissa Laudenberger studierte in München Politik und Geschichte und lebt als Autorin, Unternehmerin und PR Beraterin in Berlin. Sie schwingt gern die Ski, schreibt nebenbei Kinderbücher - und die Kolumne "#Erfolgsrezept" für ZASTER, in der sie Menschen vorstellt, die hart für ihren Erfolg gekämpft haben und ihn, wie sie findet, wirklich verdienen.

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