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Wie glücklich macht Geld?

Die strahlende Frau, die kleine Sternchen zum Leuchten bringt.

von Frank Behrendt

Zaster-Kolumnist Frank Behrendt erzählt von einer inspirierenden Begegnung in der S-Bahn.

Wenn ich mich in öffentlichen Verkehrsmitteln so umsehe, dann ist Augenkontakt offenbar ein aussterbendes Gut geworden. Viele haben den Blick auf ihr Smartphone gerichtet, oft flankiert von kleinen Kopfhörern in den Ohren oder riesengroßen Exemplaren auf den selbigen. Die Botschaft ist klar: „Sprich mich bloß nicht an.“

Daher fand ich es regelrecht wohltuend, als kürzlich in der Münchner S-Bahn neben und gegenüber von mir drei Menschen saßen, die allesamt keine elektronischen Devices in den Händen hielten, sondern freundlich grüßten. Wir unterhielten uns. Die Dame rechts am Fenster berichtete davon, dass zu Hause ein ihr vom Jugendamt anvertrautes Pflegekind wartete, das nachts noch sehr unruhig schlafen würde.

Die Leistung von Pflege-Eltern ist unbezahlbar

Die leibliche Mutter des kleinen Mädchens ist noch sehr jung und aktuell nicht in der Lage, sich verantwortungsvoll um das Kind zu kümmern. Das engagierte Ehepaar hat diese Aufgabe übernommen und in den letzten Jahren schon einigen Kindern ein temporäres Zuhause gegeben. Wir sind beeindruckt und lassen uns das Procedere, das durchaus komplex ist, erklären. Im Gegensatz zu einer Adoption haben Pflegeeltern nicht die rechtliche Elternschaft, sondern bekommen nur eine Entscheidungsbefugnis für die „Alltagssorge“.

Oft eine echte Herausforderung, wie die Frau, die eine wärmende Herzlichkeit ausstrahlte, erzählte. Geld war dabei überhaupt nicht ihr Antrieb, obwohl Pflegeeltern auch einen finanziellen Ausgleich erhalten. Sie spendet das ihr zustehende Geld für Kinder, denen es noch schlechter geht. Bewundernswert, solche Menschen. Ihr Mann und sie verzichten auf vieles, aber sie sind alles andere als unglücklich.

„Was gibt es schöneres, als kleine Sternchen zum Leuchten zu bringen?“, fragte sie uns und strahlte. Als die nette Pflegemutter als erste ausstieg, waren wir drei mitreisenden Zuhörer uns einig. Was für ein wunderbares Gespräch, was für eine bemerkenswerte Frau. „Ein echter Engel“, sagte die junge Frau neben mir. Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können.

ein Artikel von
Frank Behrendt
Frank Behrendt
Frank Behrendt hat mit seinen „10 ernsthaften Ratschlägen, wie man locker durchs (Berufs)Leben kommt“ die Arbeitswelt aufgeschreckt. Sein Buch „Liebe dein Leben und NICHT deinen Job“ wurde direkt ein Bestseller. In seinem zweiten Buch „Die Winnetou-Strategie - Werde zum Häuptling deines Lebens“ erklärt er, wie ein moderner Leader agieren sollte. Frank Behrendt lebt mit seiner Frau, drei Kindern und einer französischen Bulldogge mit Namen „Fee“ in Köln und hat eine wöchentliche Kolumne auf „Stern.de“. Er arbeitet als Senior Advisor für Deutschlands größte Inhabergeführte Agenturgruppe Serviceplan.

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