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EA Sports gegen Konami

FIFA vs. PES: Der Kampf um Kohle und Lizenzen

von Christoph Masurek

In FIFA 20 kannst du nicht mehr mit Juventus Turin spielen. Dahinter steckt ein für die Fangemeinde umstrittener Deal mit Konkurrent Konami. ZASTER zeigt dir, was dahinter steckt und wie viel Geld eigentlich mit den Fußballsimulationen gemacht wird.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten liefern sich die Videospiele FIFA und Pro Evolution Soccer ein erbittertes Duell um die Gunst der Gamer. Neben der Grafik und dem Gameplay sind insbesondere die Lizenzen für die realen Ligen und Vereine wichtige Kaufargumente für die Kunden. Denn erst, wenn die Entwickler die Rechte kaufen, erscheinen echte Fußballvereine, Spieler und Stadien mit Originalnamen im Spiel. Das erhöht den Spielspaß erheblich.

Zwei Rekordmeister ziehen weiter

Aus dem Verkauf von Lizenzen resultieren nicht nur mehr Einnahmen für die Vereine, sondern auch lukrative Vermarktungsmöglichkeiten. Für die kommenden drei Jahre wird der italienische Spitzenclub Juventus Turin daher exklusiv bei Pro Evolution Soccer zu spielen sein.

Konami sicherte sich eine Partnerschaft mit Juve, die das Wappen, die Trikots und das Stadion beinhaltet. Das heißt für dich, dass du all das im Original nicht mehr beim Konkurrenten FIFA sehen wirst.

Ein Wermutstropfen: Juve-Spieler wie Cristiano Ronaldo werden auch in Zukunft bei FIFA Tore schießen können - allerdings unter dem Vereinsnamen Piemonte Calcio.

Neben Juventus Turin hat auch der FC Bayern München eine Kooperation mit PES bekanntgegeben. Zwar wird der deutsche Meister weiterhin mit seinem Namen bei FIFA vertreten sein, nur wird die Mannschaft nicht mehr in der Allianz-Arena auflaufen. Das Stadion wird künftig ausschließlich bei PES zu sehen sein.

Im direkten Gegenzug einigte sich der Champions-League-Sieger FC Liverpool auf eine Zusammenarbeit mit EA. Dadurch wird das Team von Jürgen Klopp ab kommender Saison nicht mehr bei PES auszuwählen sein.

Das Geschäft mit den Games

FIFA und PES leben vom Franchise und gehören zu den erfolgreichsten Games in der Videospiel-Branche überhaupt. So ging FIFA 19 allein in der ersten Verkaufswoche weltweit fast fünf Millionen mal über die Ladentheke, schätzt das Magazin VG-Chartz. Nehmen wir an, dass das Spiel zum Release rund 60 Euro gekostet hat, erwirtschaftete EA also innerhalb von sieben Tagen 300 Millionen Euro.

Zum Vergleich: PES wurde in der ersten Woche nur etwa 170.000 mal verkauft, so die VG-Chartz. Mit dem Verlust der Champions-League-Rechte an den Konkurrenten FIFA wird es für japanischen Spieleentwickler Konami in Zukunft nicht einfacher gegen den amerikanischen Platzhirsch EA zu bestehen. Fans von PES fordern, sich wieder auf den Markenkern der Reihe zu besinnen: Eine realistischere und anspruchsvollere Fußballsimulation als es FIFA bietet.

Mit weltweit 24 Millionen verkauften Exemplaren ist FIFA 18 das erfolgreichste Game der Reihe überhaupt und weiter das beliebteste Sportspiel der Welt. Summiert man alle Teile der Serie von 1993 bis 2018, kommen wir auf über 260 Millionen verkaufte Einheiten.

Digitale Sammelkärtchen

Doch zu den verkauften Einheiten gesellt sich für EA eine weitere lukrative Einnahmequelle: Der Spielmodus Ultimate Team. In dem Modus können Spieler Päckchen kaufen, ähnlich wie beim analogen Kartensammeln, und ihre eigenen Teams zusammenstellen. Um schneller an eine gute Mannschaft zu kommen, kannst du mit echtem Geld Packs kaufen und deine Chance auf bessere Kicker erhöhen.

Die Mikrotransaktionen in Videospielen lohnen sich für EA. Im Geschäftsjahr 2018 wurden alleine dadurch 21 Prozent des Jahresumsatzes von EA erwirtschaftet. Einen Großteil davon soll der Ultimate-Team-Modus tragen. Wahnsinn!

Wie läuft das mit der Lizenz?

Für die Vergabe der Bundesliga-Lizenz ist die Deutsche Fußball Liga (DFL) verantwortlich. Bis 2022 hält EA die Exklusiv-Rechte für die höchste deutsche Spielklasse und darf daher alle Vereine und Spieler in FIFA implementieren.

Da die Bundesliga in Deutschland eine Monopolstellung innehat, muss es ein öffentliches Ausschreibungsverfahren für den Erwerb der Lizenzen geben. Im Klartext: Jeder - auch Konami - kann sich für die Rechte bewerben.

Den Zuschlag bekommt dann nicht zwangsweise derjenige, der am Ende am meisten Geld auf den Tisch legt. Auch die Vermarktung und Reichweite des Produkts Bundesliga spielen eine zentrale Rolle. Wie viel EA der DFL für die Rechte überwiesen hat, ist nicht bekannt, aber ein FIFA ohne die Bundesliga wäre allein schon auf Grund der internationalen Popularität der Reihe schwer vorstellbar.

Zwei Lager - eine Meinung

Obwohl das Duell zwischen PES- und FIFA-Fans zu einer Glaubensfrage geworden ist, sind sich beide Fanlager einig: Sie selbst sind die Leidtragenden der Lizenzvergaben. So wird es beispielsweise für Juve-Fans kommende Gaming-Saison besonders bitter, wenn alle Kumpels am liebsten FIFA zocken...

ein Artikel von
Christoph Masurek
Christoph Masurek
Christoph studiert Politikwissenschaften in Wien und sucht noch immer vergeblich nach der Geschäftsidee, die sein Leben sowohl erleichtert als auch bereichert.

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