Wie glücklich macht Geld?

Der preiswerteste Anstreicher der Welt

von Frank Behrendt

Wenn man am Samstag durch einen Baumarkt streift, dann begegnet man ihnen an jeder Ecke: Den Bastlern, Heimwerkern, Selbermachern.

Ich weiß auch nicht, warum ich selbst so gerne lange dort bin, auch wenn ich nur eine Kleinigkeit besorgen muss. Wahrscheinlich hat es etwas mit der in großartigen Werbespots postulierten archaischen Welt der Menschen zu tun, die dort alles finden, um ihr ganz persönliches Projekt zu realisieren. Es gibt schließlich immer was zu tun.

Mein Vater war auch so ein Bastler. Weil er das Meer liebte, baute er uns Hochbetten als Kojen in Form von Schiffen. Als besonderer Clou konnten wir aus einem Bullauge schauen und das mit einer Gardine zuziehen, wenn wir nicht gestört werden wollten. Designpreisverdächtig. In seinem „Werkkeller“ hingen alle Gerätschaften sauber nebeneinander. Schon als kleiner Junge hat mich die Ordnung dort fasziniert. In kleinen Kästchen lagen unterschiedlich große Nägel, Schrauben, Dübel, Dichtungen. Die neue Ikone der Ordnung, die Japanerin Marie Kondo, hätte ihre helle Freude an dem strukturierten Raum gehabt.

Auch sämtliche Malerutensilien waren in einem Schrank vorhanden. Für mich war es als kleiner Knirps das allergrößte, wenn ich gemeinsam mit meinem Papa „malern“ durfte. In regelmäßigen Abständen nahm er sich einen Raum vor, der wurde dann „verschönert“. Wir Kinder durften helfen. Später, als wir älter wurden, Holzdecken anbrachten und Bodenplatten verlegten, titulierte sich mein alter Herr als „Meister“, während mein Bruder und ich als „Stifte“ eifrig lernten.

Es hat uns nicht geschadet, auch heute noch ist meine Antwort auf den allseits bekannten Handwerkermangel die, dass ich es halt selber erledige. Dem „Meister“ von damals sei Dank. Dabei geht es mir gar nicht darum den Arbeitslohn zu sparen, etwas selbst hinzukriegen macht auch glücklich und stolz. Mein allererstes Bild als Malergeselle hat meine Mutter in ihrer typischen Art mit einer lustigen Unterschrift versehen: „Der preiswerteste Anstreicher der Welt.“

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Frank Behrendt
Frank Behrendt

Frank Behrendt hat mit seinen „10 ernsthaften Ratschlägen, wie man locker durchs (Berufs)Leben kommt“ die Arbeitswelt aufgeschreckt. Sein Buch „Liebe dein Leben und NICHT deinen Job“ wurde direkt ein Bestseller. In seinem zweiten Buch „Die Winnetou-Strategie - Werde zum Häuptling deines Lebens“ erklärt er, wie ein moderner Leader agieren sollte. Frank Behrendt lebt mit seiner Frau, drei Kindern und einer französischen Bulldogge mit Namen „Fee“ in Köln und hat eine wöchentliche Kolumne auf „Stern.de“. Er arbeitet als Senior Advisor für Deutschlands größte Inhabergeführte Agenturgruppe Serviceplan.

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