Das Geld in der Familie

Entspannt erben: Diese 5 Dinge solltest Du mit deinen Eltern jetzt klären

Das Thema Testament ist definitiv ein Stimmungskiller. Warum du dich trotzdem schon besser jetzt als gleich mit deinen Eltern darüber unterhalten solltest, erklärt dir Zaster.

Es gibt sicher angenehmere Dinge, als sich mit den Eltern übers Erben zu unterhalten. Schließlich stehen mit „Geld“ und „Tod“ gleich zwei Tabuthemen auf dem Zettel. Es ist aber wie bei der ersten Vorsorgeuntersuchung beim Proktologen: Irgendwann kommst du nicht mehr drum herum. Wie schwierig für Viele das Ganze ist, belegt folgende Zahl: Experten schätzen, dass gerade einmal 20 Prozent aller Bundesbürger ihren Nachlass per Testament regeln. Das ist schlecht, denn die Annahme, dass die gesetzliche Erbfolge alles in die richtigen Bahnen lenkt, erweist sich immer wieder als fataler Irrtum. Oft kommt es zu heftigen Familienstreitereien, zudem gehen den Erben nicht selten Hunderttausende durch die Lappen, die stattdessen der Staat kassiert. Also, sei mutig und sprich das Thema besser heute als morgen an. Denn aus steuerlicher Sicht ist es sinnvoll, das Vermögen möglichst früh an die nächste Generation zu übertragen. Wenn dich deine Eltern lieben, werden sie ein offenes Ohr haben. Folgende Punkte solltet ihr ansprechen.

5 wichtige Punkte, die dir Geld und Ärger ersparen

1
Frühzeitig schenken:

Was Viele nicht wissen – Vermögen lässt sich vollkommen steuerfrei verschenken. Und auf Dinge, die bereits verschenkt wurden, fallen keine Erbschaftssteuern mehr an. Bestes Beispiel sind Immobilien: Heutzutage sind Häuser in Ballungsgebieten schnell mehr als 400.000 Euro wert. Liegt der Wert darüber, fallen bei Kindern bereits Erbschaftssteuern an (wenn sie nicht einziehen). Der Freibetrag pro Kind beträgt bei einer Schenkung ebenfalls 400.000 Euro und kann alle zehn Jahre neu genutzt werden. Deine Eltern müssen keine Angst haben: Ein ausgefeilter Übergabevertrag regelt Wohnungsrecht, Nießbrauch oder auch ein Rückforderungsrecht, falls die Beschenkten zahlungsunfähig werden oder sich scheiden lassen.

2
Vorsicht „Berliner Testament“:

Im sogenannten Berliner Testament setzen sich deine Eltern gegenseitig als Alleinerben ein. Du und deine Geschwister erben dann erst nach dem Tod beider Eltern. Das hört sich erst einmal logisch an, um den Lebensstandard des Ehepartners zu sichern. Dadurch kassiert das Finanzamt aber doppelt ab, da zweimal vererbt wird. Finanziell sinnvoller ist daher das Modell, dass die Kinder schon beim ersten Todesfall miterben und diese dem verbleibenden Elternteil ein unentgeltliches Nutzungsrecht oder Nießbrauch einräumen.

3
Erben eindeutig benennen:

Im Testament müssen eure Eltern eine oder mehrere Personen eindeutig als Erben festlegen. Das können der Ehepartner, die Kinder, aber auch jede andere Person sein. Was du aber wissen musst: Ehegatten, Partner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft sowie Kinder und Enkel haben Anrecht auf einen Pflichtanteil. Deine Eltern dürfen diese im Testament also nicht außen vorlassen.

4
Gegenstände vererben:

Wenn eure Eltern dir spezielle Gegenstände zukommen lassen wollen, zum Beispiel ein bestimmtes Auto oder die teure Kamera, müssen sie ein Vermächtnis zu euren Gunsten anordnen. Wichtig dabei: Da du gleichzeitig gesetzlicher Erbe bist, müsst ihr die Vermächtnisse entweder aus der Erbmasse herausrechnen oder der Wert der Vermächtnisse mit deinen Geschwistern gegeneinander aufrechnen.

5
Enkel nicht vergessen:

Falls du oder deine Geschwister bereits selbst Kinder haben, sollten deine Eltern einen Teil des Vermögens an ihre Enkel übertragen. Das kann ebenfalls Steuern sparen, da Enkel ebenfalls einen Freibetrag von 200.000 Euro genießen.

Testament formal richtig verfassen

Zu den Formalien: Deine Eltern sollten ihr Testament eigenhändig schreiben und unterzeichnen. Nur so lässt sich die Echtheit des Testaments überprüfen. Eine Unterschrift unter einen ausgedruckten Text reicht nicht. Umfasst das Testament mehrere Seiten, sollte es deine Eltern auf jeder Seite rechts unten mit Vor- und Nachnamen unterzeichnen. Wichtig ist zudem wann und an welchem Ort der letzte Wille niedergeschrieben wurde. Tipp: Testament-Vorlangen gibt es gratis im Internet, zum Beispiel hier (https://rechtsberater.de/familienrecht-ratgeber/erbrecht/testament-vorlage/). Zu guter Letzt bestimmen deine Eltern eine Person ihres Vertrauens, die den Erbfall im Falle des Todes regelt. Dabei kann es sich zum Beispiel um einen guten Freund oder ein Familienmitglied handeln. Noch ein Tipp um Schluss: Versucht als Familie das ganze Thema möglichst entspannt anzugehen. Vor allem deine Eltern sollten sich nicht zu sehr einen Kopf machen. Das fertige Testament ist schließlich nicht in Stein gemeißelt und lässt sich jederzeit ändern. In diesem Fall am besten das Testament komplett neu schreiben und das alte vernichten.

Es ist nie zu früh

Übrigens: Auch du solltest besser heute als morgen ein Testament aufsetzen. Dein Alter spielt dabei keine Rolle, ab 18 Jahren darf jeder seinen letzten Willen eigenhändig verfassen. Die Tipps in diesem Artikel schaffen dafür eine gute Basis. Schlussendlich sollte aber noch ein Rechtsanwalt einen geschulten Blick auf das fertige Dokument werfen und prüfen, ob alle Formulierungen eindeutig sind.

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