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Autark fahren

25k Euro für Elektroautos, die sich selbst aufladen

von Moritz Weinstock

Ob Elektroautos der Weisheit letzter Schluss sind? Fraglich. Wenn sie ihren Energiebedarf allerdings selbst erzeugen, sind wir vom Perpetuum Mobile nicht mehr weit entfernt.

Die internationale Raumstation ISS segelt seit 21 Jahren in 400 Kilometer Höhe mit Sonnenenergie über die Erde hinweg und auch jeder Satellit, der den blauen Planeten umkreist, wird von dem großen brennenden Stern mit Energie versorgt. Damit schaffen diese Geräte etwas, das wir auf der Erde in weiten Teilen noch nicht beherrschen. Autark und sauber für den eigenen Energiebedarf aufzukommen.

Viele Häuser sind heutzutage zwar mit Photovoltaikanlagen ausgerüstet und erwirtschaften mehr Energie, als sie selbst verbrauchen, doch das Auto in der Garage passt oft noch nicht in das Bild eines ganzheitlichen Energiekreislaufes. Das soll sich mit dem Prius Prototyp von Toyota bald ändern. Denn das Mittelklasse-Flaggschiff mit Hybrid-Antrieb, also einer Mischung aus Elektro-und Benzinmotor, wird seit seiner Ersterscheinung 1997 kontinuierlich weiterentwickelt.

Prius, wieder der Erste?

Mit dem Prius Prototyp soll nun ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Denn aus dem Hybrid wird nun ein reinrassiges Elektroauto, das sich allerdings, im Gegensatz zur Konkurrenz, selbst aufladen kann. Wie das funktioniert? Statt die zum Himmel ausgerichteten Karosserieteile, also Motorhaube, Dach und Heckscheibe/Kofferraum ungenutzt zu lassen, hat der japanische Hersteller 1.100 hoch entwickelte Solarzellen verbaut, mit der das Auto zum eigenen kleinen Solarkraftwerk wird. Denn: die Panels sind um rund 34 Prozent effektiver als herkömmliche Photovoltaikanlagen. Damit soll genügend Energie gewonnen werden können, um an vier Tagen pro Woche maximal je 50 Kilometer zurücklegen zu können - ganz ohne Steckdose.

Das Forschungsprojekt, das mit dem Batterieproduzenten Sharp sowie der Forschungsorganisation NEDO (New Energy and Industrial Technology Development Organization) entstanden ist, läuft noch bis März 2020.

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Und während Toyota noch forscht, will ein Münchner Start-up bereits erste Autos ausliefern. Sono Motors ist auf dem gleichen Terrain unterwegs und vielleicht sogar schneller. Zwar hatte sich die Produktion ihres Sion, einem Viertürer, der ebenfalls per Solarpanel für einen Teil seines Strombedarf selbst aufkommen soll, zuletzt mehrfach verschoben. Aktuell stehen erste Auslieferungstermine jedoch schon für das zweite Halbjahr 2020 fest. Wenn alles nach Plan läuft, werden sich dann die ersten Kunden der rund 10.000 Vorbestellungen über steckdosenlosen Elektrofahrspaß von 30 bis 35 Kilometer Reichweite freuen dürfen - wenn die Sonne scheint. Mehr (250 Km) ist natürlich per Ladestation drin. Kostenpunkt für das in Schweden produzierte Auto: 25.500 Euro.

Die Gründer von Sono Motors mit dem Sion
Die Gründer von Sono Motors mit dem Sion © Sono Motors

Bei Toyota gibt es hingegen noch keinerlei Preisangaben, aber die Ideen sind gut und wir würden uns nur zu sehr freuen, wenn wir bald wie Astronauten autark durch die Gegend fliegen, äh fahren können.

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Moritz Weinstock
Moritz Weinstock
Moritz hat Kommunikationswissenschaften in Wien studiert und seine Leidenschaft fürs Schreiben mit nach Berlin gebracht. Nach lehrreichen Jahren als Redakteur bei einem Motorradmagazin, ist er nun als Channel-Editor für ZASTER tätig. Sein Zugang zur Wirtschaftswelt: er lebt auf zehn Quadratmetern und spart, was das Zeug hält.

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