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Wie glücklich macht Geld?

Echte Abenteuer statt digitalem Dauerfeuer

von Frank Behrendt

Ein kurzer Spaziergang, der zu großen Fragen anregt. ZASTER-Kolumnist Frank Behrendt schreibt heute über Väter, Indianer-Tipis, Gamer, kleine Cowboys und echte Abenteuer.

Wer mich kennt weiß, dass ich ein Faible für den Wilden Westen habe. Deshalb fiel mir kürzlich bei einem Spaziergang mit meinem Hund sofort das aus Ästen gebaute Indianer-Tipi auf. Darin saßen zwei Jungs und hatten sichtlich Spaß. Der Vater, ein uriger Typ mit Holzfällerhemd, hatte sich auf einem Baumstamm niedergelassen und freute sich über seine beiden jungen Indianer. Ich kam mit ihm ins Gespräch. Er war jemand, der gemeinsam mit seiner Frau die Erziehung der Kinder als den wichtigsten und anspruchsvollsten Auftrag des Lebens betrachtete. Ich stimmte ihm sofort zu.

© Frank Behrendt

Die Welt ist komplexer geworden, Medien und Technologien haben sich verändert. Wo früher ARD und ZDF, YPS und BRAVO, Kino und das Radio einen gut steuerbaren Entertainment-Kosmos boten, verlieren sich heute viele in den digitalen Welten. Vor ein paar Wochen haben die DAK-Gesundheit und das Deutsche Zentrum für Suchtfragen die Studie „Geld für Games - wenn Computerspiel zum Glücksspiel“ wird vorgestellt. Rund eine halbe Million Kids gelten demnach als „Risiko-Gamer“.

Ein besonderer Dorn im Auge sind den Forschern dabei die sogenannten „Lootboxen“ - virtuelle Kisten, die zufällige Gegenstände für den Einsatz in Computerspielen enthalten und mit echtem Geld bezahlt werden müssen. Das - so die Erkenntnis aus der Studie - führe die minderjährigen Gamer „an die suchtgefährdenden Mechanismen des klassischen Glücksspiels heran.“

Der Vater im Wald ist keiner, der Computerspiele grundsätzlich ablehnt. Aber er plädiert für einen gesunden Mix und bringt daher seinen Kindern auch das „echte Spielen“ nahe. Seine Jungs gehören nicht zu den Hardcore-Zockern und werden daher von den „coolen Gamern“ schon mal ausgegrenzt. Aber kürzlich, so erzählte mir der Mann auf dem Baumstamm, hätten zwei Mitschüler seine Jungs gefragt, ob sie auch mal mitdürften, um „echte Abenteuer“ zu erleben. Nächste Woche bauen sie nun zu fünft ein Fort. Im Wald. Aus echtem Holz. Und statt Lootboxen werden die kleinen Cowboys Lunchboxen dabeihaben.

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Frank Behrendt
Frank Behrendt
Frank Behrendt hat mit seinen „10 ernsthaften Ratschlägen, wie man locker durchs (Berufs)Leben kommt“ die Arbeitswelt aufgeschreckt. Sein Buch „Liebe dein Leben und NICHT deinen Job“ wurde direkt ein Bestseller. In seinem zweiten Buch „Die Winnetou-Strategie - Werde zum Häuptling deines Lebens“ erklärt er, wie ein moderner Leader agieren sollte. Frank Behrendt lebt mit seiner Frau, drei Kindern und einer französischen Bulldogge mit Namen „Fee“ in Köln und hat eine wöchentliche Kolumne auf „Stern.de“. Er arbeitet als Senior Advisor für Deutschlands größte Inhabergeführte Agenturgruppe Serviceplan.

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