Geldentscheidungen

Was ein Index-Schmuser macht

von Malte Dreher

Wie müssen Aktiengewinne versteuert werden? Was ist ein Index-Schmuser? Und wie riskant sind Rentenfonds? Der Kapitalmarkt- und Anlageexperte Malte Dreher beantwortet jeden Donnerstag drei Fragen.

Wie müssen Aktiengewinne versteuert werden?

Die Antwort lautet anders als vor drei Jahren. Sie lautet auch anders als vor zehn Jahren oder vor 20 Jahren – was bereits darauf hindeutet, dass der Staat in dieser Frage einen ziemlichen Zickzack-Kurs fährt. Möglicherweise gelten in fünf Jahren wiederum gänzlich andere Regeln. Momentan sieht es so aus: Genau wie auf Zinsen und Dividenden wird auf realisierte Kursgewinne Abgeltungssteuer fällig. Sie beträgt einheitlich 25 Prozent zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer. Dies gilt allerdings nur für Wertpapiere, die ein Anleger nach dem 31. Dezember 2008 gekauft hat. Bis zu diesem Datum angeschaffte Papiere gelten steuerlich als sogenannter Altbestand, die mit ihnen erzielten Kursgewinne bleiben steuerfrei. Wobei es Anfang 2018 auch hier Änderungen gab: Bis dahin galt die Steuerfreiheit in unbegrenzter Höhe, seither ist sie begrenzt auf 100.000 Euro pro Person.

Kritik an den geltenden Regeln gab und gibt es immer wieder, und zwar von unterschiedlichster Seite. Die einen stören sich daran, dass Kursgewinne nicht mehr wie bis Ende 2008 mit dem persönlichen Steuersatz von bis zu 45 Prozent besteuert werden – sie sehen darin eine Bevorzugung wohlhabender Anleger. Die anderen erinnern sich wehmütig daran, dass Kursgewinne zwischen 1999 und 2008 nach einer Haltedauer von einem Jahr generell steuerfrei waren, in der Zeit davor sogar nach einer Haltedauer von sechs Monaten. Zu dieser Gruppe gehört auch der Mannheimer Vermögensverwalter Wolfgang Stadler. Er fordert „in einer Zeit, in der die allermeisten Deutschen auf den privaten Vermögensaufbau für die Ruhestandsfinanzierung angewiesen sind“, eine vergleichbare Regelung und unterstützt ganz aktuell eine Bundestags-Petition, die noch bis zum 21. August um Stimmen wirbt.

Was ist denn ein Index-Schmuser?

Das Wort klingt niedlich, ist aber alles andere als nett gemeint. Ein Index-Schmuser ist ein Fondsmanager, der sehr nahe an einem Index investiert. Deshalb erzielt er brutto ganz ähnliche Ergebnisse wie ein börsengehandelter Indexfonds (kurz ETF für Exchange Traded Fund), der beispielsweise den Dax oder den Euro Stoxx 50 eins zu eins nachbildet. Der Unterschied: Ein ETF hat nur minimale Kosten von 0,1 bis 0,4 Prozent pro Jahr, bei einem indexnahen Fonds fallen dagegen die für einen aktiv verwalteten Fonds üblichen Managementgebühren von 1,5 bis 2,0 Prozent an. Wer sich als aktiv agierender Fondsmanager ganz eng an einen Index schmiegt, hinkt aufgrund der genannten Kosten langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit hinterher. Davon abgesehen grenzt ein solches Benehmen an Betrug, denn es wird Geld für eine in Wahrheit nicht erbrachte Leistung verlangt.

Ein Verhalten, das auch den Behörden ein Dorn im Auge ist. Deshalb fordert die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in den Verkaufsprospekten von Investmentfonds neuerdings auch Angaben zum aktiven Fondsmanagement. Trotzdem bleibt es schwierig, Index-Schmuser zu entlarven. Am zuverlässigsten funktioniert dies bislang über die Kennzahl Active Share. Sie zeigt an, inwieweit das Portfolio eines Fonds vom zugrundeliegenden Vergleichsindex abweicht. Ein Wert von unter 60 Prozent gilt dabei als kritisch. Das Problem: Ein hoher Active Share ist nicht gleichbedeutend mit einem guten Ergebnis. Ein aktiver Fondsmanager, der oft daneben liegt, erzielt im Zweifel noch schlechtere Ergebnisse als ein Index-Schmuser – oder eben ein ETF.

Wie riskant sind Rentenfonds?

Um diese Frage zu beantworten, muss man erst einmal einen weit verbreiteten Irrtum aufklären. Denn mit der Rente, also dem staatlichen Altersruhegeld, hat diese Fondsart nichts zu tun. Rente ist in der Fachsprache ein anderer Begriff für ein Wertpapier, das regelmäßig Zinsen bringt. Ein Rentenfonds investiert folglich in Anleihen und Schuldverschreibungen aller Art. Diese können wie Bundesanleihen oder Bundesobligationen vom deutschen Finanzminister ausgegeben sein, von einem Schwellenland wie Argentinien oder von Unternehmen wie Siemens oder dem russischen Energie-Multi Lukoil. Ferner können sie auf Euro lauten, auf US-Dollar oder auch auf eine exotische Währung wie dem Thailändischen Baht.

Die enorme Bandbreite deutet es bereits an: Rentenfonds können sehr riskant sein. Spezielle Fonds, die hochverzinsliche Anleihen von mitunter wackeligen Ausstellern bündeln und daneben in größerem Umfang mit Fremdwährungen jonglieren, erzielen mitunter aktienähnliche Erträge – verlieren aber in Schwächephasen auch mal 30 oder 40 Prozent an Wert. Immerhin: Ein Totalverlust wie in der Vergangenheit bei einzelnen Schwellenländer- oder Unternehmensanleihen ist durch die in der Regel breite Streuung nicht möglich. Zudem beschränken sich die meisten in Deutschland angebotenen Rentenfonds auf als sehr sicher geltende Papiere, entsprechend niedrig sind die Schwankungen.

Im aktuellen Zinsumfeld scheint jedoch auch bei den Anleihen erstklassiger Aussteller Vorsicht geboten. Denn langfristig sprechen eine Reihe von Argumenten für steigende Zinsen – was insbesondere bei sehr lang laufenden Papieren gleichbedeutend mit Kursverlusten ist. Wer sich für Rentenfonds interessiert, sollte also beim Kauf auf die durchschnittliche Restlaufzeit der enthaltenen Anleihen achten. Dort gilt momentan: Je kürzer, desto besser.

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Malte Dreher
Malte Dreher

Malte Dreher (Jahrgang 1973) ist Herausgeber von zwei Finanzmagazinen: Das „private banking magazins“ und „DAS INVESTMENT“ werden in Hamburg verlegt und von 40.000 Finanzprofis gelesen. Er studierte Germanistik, Geschichte und politische Wissenschaft in Heidelberg und Köln. Heute lebt er mit seiner Frau und sechs Kindern in Hamburg. Für ZASTER beantwortet er jeden Donnerstag Fragen zu Kapitalmarkt- und Anlegerthemen in der Rubrik „Drei Fragen an ... Malte Dreher“.

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