© NYCHOS
Streetart-Ikone Nychos

„Geld ist für mich nur Mittel zum Zweck“

von Nikolina Krstinic

Der Street-Artist Nychos zählt zu den gefragtesten unserer Zeit. Im ZASTER-Interview spricht er über seine erste große Gage und darüber, welchen Stellenwert Geld heute für ihn hat.

Portrait einer Frau als „Medusa“
Portrait einer Frau als „Medusa“ © instagram.com/nychos
Der Künstler bei der Arbeit
Der Künstler bei der Arbeit © NYCHOS
„Translucent Serpent“
„Translucent Serpent“ © NYCHOS/Christian Boehm
Ein Remake des weltberühmten Feldhasen von Albrecht Dürer …
Ein Remake des weltberühmten Feldhasen von Albrecht Dürer … © instagram.com/nychos
… und Wilhelmine von Bayreuth (2018).
… und Wilhelmine von Bayreuth (2018). © instagram.com/nychos
Das neueste Bild auf Instagram: Dieser Bus der etwas anderen Art.
Das neueste Bild auf Instagram: Dieser Bus der etwas anderen Art. © instagram.com/nychos
Vienna Therapy
Vienna Therapy © NYCHOS/Silke Lapina

Wie haben Sie Ihren Traum als Streetart-Künstler finanziert?

Ich habe mit 19 aufgehört, Alkohol zu trinken. Damals habe ich mir gesagt, statt Spirituosen kaufe ich Spraydosen. Das habe ich acht Jahre lang knallhart durchgezogen. Während meine Freunde am Wochenende feiern gingen, arbeitete ich nächtelang. Wenig später hatte ich mir in der Szene einen Namen gemacht, seitdem werde ich von Montana Cans gesponsert. Auf die Popularität muss man hinarbeiten. Schließlich kaufen die Leute deine Kunst nicht, wenn sie dich nicht kennen.

Welche Rückschläge gab es?

Als freischaffender Künstler wirst du oft nicht ernstgenommen oder von einer zur nächsten Werbeagentur gereicht, um so genannte Kreativjobs zu machen. Wenn du eine eigene Firma hast, verdienst du plötzlich ein Vielfaches für denselben Job. Als mein Marktwert stieg, hatte ich oft ein schlechtes Gewissen, weil mir die exponentiell steigenden Honorare relativ hoch vorkamen. Allerdings stiegen auch meine Ausgaben innerhalb der Firma. Behörden machen Kleinunternehmern wirklich oft das Leben schwer. Ich glaube, in dieser Zeit habe ich meine ersten grauen Haare bekommen (lacht). Rückschläge gibt es allerdings bis heute immer wieder. Kunden, die nicht zahlen oder mit unmöglichen Verspätungen. Seitdem meine Firma ihren Sitz in Kalifornien hat und ich mir einen Namen gemacht habe, ist aber vieles einfacher geworden. Früher hat mich generell alles viel mehr gestresst. Heute versuche ich immer, das Beste daraus zu machen. Und damit geht es allen sehr gut.

Welcher war der bestbezahlte Auftrag, den Sie je bekommen haben?

Ich habe einmal für Wien Tourismus eine bis auf die Knochen sezierte Version von Sigmund Freud gezeichnet, die als Vorlage für eine überlebensgroße Skulptur der Therapiecouch des Psychoanalytikers diente. Diese wurde von San Francisco nach New York und später auch nach Melbourne geschickt und auf der Straße ausgestellt. Passanten konnten darauf Platz nehmen. Das Ganze lief unter dem Motto #ViennaTherapy und war atemberaubend! Ein anderes tolles Erlebnis war, als ich 2017 für eine Computerspielfirma eine Wand in New York besprayt habe. Das Gesamtbudget für meine Skizze und die darauffolgenden zwei Tage Malen, Verpflegung, Unterkunft und Flüge belief sich auf 50.000 US-Dollar. Kein schlechter Verdienst für drei Tage lässige Arbeit, die Spaß macht. Doch wie ich immer sage: Ohne mein Team wäre das alles so nicht möglich gewesen.

Ihr Zaster-Laster?

Mein größtes Zaster-Laster ist, dass ich mies mit meinen Pinseln umgehe. Dafür gebe ich verhältnismäßig viel Geld aus, auch Airbrush-Pistolen überleben vielleicht höchstens drei Bilder…“

Und Ihr letzter Zaster-Ausraster?

Ich hatte lange mein Atelier in San Francisco, aber die Mietpreise in der Bay Area sind so hoch, dass ich es mir irgendwann nicht mehr leisten konnte. Künstler zu sein ist längst zu einem Beruf für Reiche geworden!

Sind Sie auch mal geizig?

Ich bin in Geldsachen kein Profi, und geizig bin ich schon gar nicht. Das übernimmt meine Managerin Vera Steinkellner – wir spielen da oft Good Cop/Bad Cop (lacht). Sie ist ein organisatorisches Genie und behält auch die Finanzen im Auge, damit ich mich ganz meiner Kunst widmen kann.“

Ein Tipp, den Sie jungen Künstlern und Selbstständigen geben können?

Kunst macht man nicht, um Geld zu verdienen. Man macht Kunst, weil man Kunst machen muss. Wenn man das verstanden hat, dann kommt es vielleicht dazu, dass man mit der Kunst auch Geld verdient. Man kannt nicht wachsen und groß rauskommen, wenn man alles alleine macht. Mein Team besteht aus fünf Leuten und wir sind wirklich überbeschäftigt. Bei mir kommen alle ins Schwitzen (lacht). Man braucht Menschen, die einen wirklich repräsentieren und an einen glauben. Menschen die, wenn es hart auf hart kommt, mit einem zusammen in den Krieg ziehen, denn die Kunstwelt da draußen ist nun mal ein riesengroßes Schlachtfeld.“

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