Der "Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" ist ein Gremium, das 1963 gegründet wurde. Es besteht aus fünf Finanzexperten, die die Besten ihres Faches sind. Nicht ohne Grund ist die ökonomische, politische und wissenschaftliche Expertise der Weisen in der Öffentlichkeit zum höchsten Grad anerkannt. Viele Ökonomen träumen ihr ganze Leben von einer Berufung in den „Olymp von Wiesbaden“, wo das Gremium tagt, beziehungsweise in die Royal Commission“. Es ist eine der höchsten Auszeichnungen, die einem Ökonomen zuteil werden kann.

Kein geringerer als der „Vater der sozialen Marktwirtschaft“ steckt hinter der Entstehungsgeschichte dieses Gremiums. Der ehemalige Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard schlug 1958 gemeinsam mit Bundesarbeitsminister Theodor Blank ein „Sachverständigengremium für Wirtschafts- und Sozialpolitik“ vor. Sein Kalkül war, die politische Debatte zu versachlichen. Der Vorschlag stieß aber beim Bundeskanzleramt und der CDU/CSU auf Ablehnung. Sein Chef, der Bundeskanzler Konrad Adenauer, reagierte auf den Vorschlag mit Entrüstung und soll seinen Wirtschaftsminister gefragt haben: „Erhard, woll’n Sie sich ’ne Laus in ’n Pelz setzen?“ Ein politisch brisanter Zwist! Als Erhard in den Jahren darauf allerdings nicht locker lies und es schaffte, auch die Medien hinter dem Vorschlag zu vereinen, blieb Adenauer nichts anderes übrig, als den Wirtschaftsminister und Vizekanzler gewähren zu lassen.

Das Gremium hatte direkt alle Hände voll zu tun: Neben der jährlichen Analyse und Prognose der gesamtdeutschen Wirtschaftslage ist der Auftrag der Finanzexperten, die „Urteilsbildung bei allen wirtschaftspolitisch verantwortlichen Instanzen sowie in der Öffentlichkeit“ zu erleichtern. Dabei ist die direkte Einflussnahme oder das Aussprechen von Empfehlungen allerdings unerwünscht. Der Grund hierfür ist politischer Natur: Adenauer fürchtete, die Mitglieder des Rats würden zu großen Einfluss nehmen und versuchte dies durch das Verbot zu unterbinden. Schön gedacht- in der Praxis funktioniert das allerdings nicht. In den jährlichen Gutachten und den Stellungnahmen des Gremiums sind indirekte und manchmal auch recht direkte Empfehlungen zu finden. Der ehemalige Wirtschaftsweise Hans-Jürgen Krupp sagte 2014 gegenüber dem Handelsblatt, unabhängige, neutrale Wirtschaftswissenschaft sei eine Fiktion. Er forderte, der Sachverständigenrat solle von dem „Deckmäntelchen der Neutralität“ befreit und in ein Beratungsgremium umgewandelt werden.

Der Rat der Wirtschaftsweisen soll neben Analyse und Prognose der wirtschaftlichen Lage die als Magisches Viereck bezeichneten vier Wirtschaftsziele verfolgen: Stabilität des Preisniveaus, hoher Beschäftigungsstand, außenwirtschaftliches Gleichgewicht sowie stetiges Wirtschaftswachstum. All dies muss vor dem Hintergrund einer gerechten Verteilung von Einkommen und Vermögen auf die Bevölkerung Deutschlands geschehen. Erhard kannte aus eigener Erfahrung die Brisanz der Verteilungsfrage, die uns bis heute immer wieder beschäftigt. Aus diesem Grund war es ihm wichtig, dass das Gremium Volksaufklärung betrieb und Gruppeninteressen verfolgte. Den Menschen sollte klar gemacht werden, dass sie „im selben Boot“ sitzen. Dafür wird ein jährliches Gutachten erstellt, das der Bundesregierung bis zum 15. November zugeleitet wird. Spätestens acht Wochen später muss die Bundesregierung dazu Stellung nehmen. Daher wird das Gutachten jedes Jahr mit Spannung erwartet.

Jedes Mitglied des edlen Gremiums wird auf Vorschlag der Bundesregierung durch den Bundespräsidenten berufen. Wiederberufungen sind zulässig. Im Sinne der Ausgewogenheit setzt sich das Gremium meist aus jeweils zwei hochkarätigen Professoren vom Arbeitnehmerflügel und aus dem wirtschaftsnahen Umfeld sowie einem Vertreter eines Wirtschaftsforschungsinstitutes zusammen. ZASTER fasst die aktuellen Wirtschaftsweisen kurz zusammen: