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Selbstgemacht

Deutsche Post und Streetscooter - Lovestory mit Verlusten

von Moritz Weinstock

10.000 surren mittlerweile durch die Lande. Mit Streetscooter hat die Deutsche Post einen Wandel herbeigeführt - und trotz Verlusten daran festgehalten.

Eigentlich ist die Deutsche Post AG ein reines Logistik- und Postunternehmen, doch mit der Tochterfirma Streetscooter ist sie vor fünf Jahren in den Kreis der Automobilhersteller aufgestiegen - ohne es eigentlich zu wollen. Doch auf dem damaligen Markt für Nutzfahrzeuge gab es nichts, was sie konzeptuell überzeugen konnte. Denn: Die Deutsche Post wollte einen Kleintransporter mit Elektroantrieb für den innerstädtischen Betrieb.

So weit, so gut. Heute hat der Konzern mehr als 10.000 elektrobetriebene Kleintransporter hergestellt, verkauft und tausendfach in die eigene Flotte integriert. Doch die Produktion rechnet sich nicht, jährlich werden Verluste in zweistelliger Millionenhöhe eingefahren. Allein 2018 lagen die Verluste laut finanzen.net bei 70 Millionen Euro. Deutsche Post-Chef Frank Appel sieht die Zahlen des Tochterunternehmens nicht allzu kritisch

Wir haben damit vor fünf Jahren angefangen, weil es kein Angebot aus der Industrie gab. Heute haben wir selbst 10.000 Streetscooter auf der Straße.
Frank Appel, Chef Deutsche Post AG

Nun sollen Veränderungen im Management für frischen Fahrtwind sorgen. Wie der derzeitige CEO des Tochterunternehmens, Jörg Sommer, erklärt, wolle man „die Markführerschaft bei E-Nutzfahrzeugen behaupten und vom Fahrzeughersteller zur führenden Energie- und Logistikplattform werden.“ Auch deshalb habe man den bisherigen Tesla-Manager Peter Bardenfleth-Hansen engagiert. Der Zeitpunkt dafür scheint gut gewählt, denn während das Briefgeschäft im Internetzeitalter schrumpft, boomt seit Jahren die Paketbranche - ein Resultat des zunehmenden Online-Handels. Deshalb ist es wichtig, sich möglichst breit und modern aufzustellen. Die Konkurrenz wartet nämlich nur darauf, dass neue Lösungswege und Trends verschlafen werden.

Transport und Transformation

Amazon ist mitunter einer der schärfsten Konkurrenten im Bereich der Paketzustellungen. Während der Online-Versandriese früher noch zu den größten Kunden der Deutschen Post zählte, liefert das Unternehmen nun verstärkt selbst Pakete aus. Doch nicht nur das. Auch die Logistikzentren von Amazon nehmen zu. Mit 971 Standorten haben sie sich in den letzten fünf Jahren fast versiebenfacht, wie die Welt berichtet. Auch der Ausbau der Transportflotte geht bei der Konkurrenz rasant voran. Erst kürzlich kaufte Amazon 100.000 Elektrotransporter, zudem forscht das Unternehmen von Jeff Bezos an der Paketauslieferung per Drohne.

Zukunftsmusik für die Deutsche Post, auch wenn sie im Asiengeschäft schon mit derlei Technologien experimentiert. Um den Anschluss dennoch nicht zu verlieren, wird kräftig investiert. Zwar nicht in den Ausbau des Streetscooter-Geschäfts. Hier denkt die Deutsche Post AG derzeit über künftige Partner, Kaufinteressenten oder gar einen Börsengang nach. Dafür sollen bis 2025 ingesamt knapp zwei Milliarden Euro in den Ausbau der digitalen Infrastruktur fließen. Denn: Die Anzahl der Paketlieferungen wird in absehbarer Zeit nicht abnehmen. Schon heute liefert die Post mit ihren weltweit über 500.000 Angestellten fünf Millionen Pakete pro Tag aus! Die neuen Investitionen schmälern zwar die Gewinne (Prognose von 5,3 Milliarden Euro Vorsteuergewinn für 2022) in den kommenden Jahren, dafür werden entscheidende Schritte Richtung Zukunft getan.

ein Artikel von
Moritz Weinstock
Moritz Weinstock
Moritz hat Kommunikationswissenschaften in Wien studiert und seine Leidenschaft fürs Schreiben mit nach Berlin gebracht. Nach lehrreichen Jahren als Redakteur bei einem Motorradmagazin, ist er nun als Channel-Editor für ZASTER tätig. Sein Zugang zur Wirtschaftswelt: er lebt auf zehn Quadratmetern und spart, was das Zeug hält.

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