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Digitalisierung

So viele Jobs fallen durch die Digitalisierung weg

von Nils Matthiesen

Die Arbeitswelt steht durch den technischen Fortschritt (mal wieder) vor gewaltigen Umbrüchen. Aber welche Auswirkungen wird die Digitalisierung wirklich haben?

Die Rechenleistung von Computern wächst rapide, gleichzeitig stehen immer mehr und bessere Daten fürs maschinelle Lernen zur Verfügung. Diese Faktoren verschieben die Grenzen dessen, was Maschinen leisten können, immer weiter. Heutzutage sind Dinge mit einer Präzision automatisierbar, die noch vor wenigen Jahren unvorstellbar schienen. Man denke nur an Sprach- und Bilderkennung, Schachspielen und autonomes Fahren. Der Trend ist klar: Maschinen können immer mehr technische als auch kognitive Aufgaben erfüllen, die bisher allein Menschen erledigen konnten. Das hat auch große Auswirkungen auf unsere Arbeitswelt. Aber welche? ZASTER beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Wird die Digitalisierung zu Massenarbeitslosigkeit führen?

Nicht unbedingt. Analysen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen, dass Arbeitsplätze in den nächsten Jahren nicht wegfallen, sondern sich lediglich anders auf die verschiedenen Berufsbranchen verteilen. Im Jahr 2035 sollen laut den Modellrechnungen einerseits rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze im Zuge der Digitalisierung wegfallen. Andererseits kämen den Forschern zufolge annähernd genauso viele Arbeitsplätze durch den Wandel hinzu, so dass unterm Strich keine größeren Beschäftigungsverluste auftreten werden.

Ähnlich sehen es auch die Wissenschaftler/innen am ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim: Entgegen der verbreiteten öffentlichen Wahrnehmung, schaffe der technologische Wandel perspektivisch mehr Arbeitsplätze, als er zerstört.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) befürchtet dagegen, dass in den nächsten 15-20 Jahren 14% der aktuellen Arbeitsplätze aufgrund von Automatisierungsprozessen verschwinden. Weitere 32% dürften sich radikal verändern, da einzelne Tätigkeitsbereiche automatisiert werden. Die OECD betrachtet das Thema allerdings global und sieht hier, dass viele Menschen und Bevölkerungsgruppen bei der Globalisierung den Anschluss verloren haben. Auf Deutschland trifft das eventuell nicht so stark zu.

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Wo werden vor allem Stellen wegfallen?

Vor allem das produzierende Gewerbe ist in den Augen des IAB vom Verlust von Arbeitsplätzen bedroht, denn immer mehr Produktionsprozesse ließen sich vollständig automatisieren. Die Automobilbranche stecke beispielsweise schon jetzt mitten in der digitalen Transformation. Auch in der Kategorie „Sonstige verarbeitende Gewerbe” droht ein starker Stellenabbau von möglicher Weise 66.000 Arbeitsplätzen. Dazu gehören etwa die chemische und pharmazeutische Industrie oder die Möbelherstellung. Perspektivisch könnten auch im Bereich „Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ bis zu 50.000 Arbeitsplätze wegfallen.

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Wo entstehen denn neue Arbeitsplätze?

Das IAB sieht speziell in der Branche „Information und Kommunikation“ beträchtliches Wachstumspotenzial. Schließlich müssten im Zuge der Digitalisierung immer mehr Daten verarbeitet und gespeichert werden. Aus diesem Grund seien IT-Spezialisten gefragt, die zum Beispiel das Internet of Things oder künstliche Intelligenz in Unternehmensprozesse eingliedern. Die in dem Szenario am stärksten profitierenden Branchen, sind demnach „Information und Kommunikation” (+123.000 Stellen), „Private Haushalte mit Hauspersonal” (+79.000) sowie „Erziehung und Unterricht” (+21.000). Im Bereich „Private Haushalte mit Hauspersonal” werden überwiegend Dienstleistungen für die Haushaltsführung bereitgestellt. Hier gäbe es eine zusätzliche Nachfrage im Zuge der Einkommenszuwächse, die durch die Digitalisierung zustande komme.

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Wird sich der Arbeitsmarkt überall gleich ändern, oder gibt es regional Unterschiede?

Da sich Wirtschafts- und Branchenstrukturen in Deutschland je nach Region voneinander unterscheiden, geht das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt unter dem Einfluss der Digitalisierung regional leicht unterschiedlich entwickeln wird. So konzentriere sich beispielsweise die Automobilbranche vorrangig auf den Süden Deutschlands. Da sie zu den Branchen gehöre, die sich im Zuge der Digitalisierung in einem grundlegenden Wandel befindet, soll der technische Fortschritt dort stärkere Auswirkungen haben als beispielsweise in Brandenburg oder in anderen Regionen, die nicht so stark vom produzierenden Gewerbe geprägt sind. In Nordrhein-Westfalen sollen mit 570.000 Stellen die meisten Arbeitsplätze neu entstehen. Relativ betrachtet fänden die größten Veränderungen in Baden-Württemberg statt: Dort seien 6,7 Prozent aller Arbeitsplätze vom Auf- und Abbau infolge der Digitalisierung betroffen. Die Gesamtwirkungen der Digitalisierung unterscheide sich laut der Studie aber alles in allem in den Regionen nur wenig.

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Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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