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Liebe übers Internet

Das lukrative Geschäft mit einsamen Herzen

von Moritz Weinstock

Zu zweit ist man weniger allein, doch bevor du dich in die Welt des Online-Datings stürzt, um deinen neuen Partner zu finden, haben wir uns einmal angeschaut, was es mit dem Geschäft um die Liebe so auf sich hat.

Die Ausgangslage könnte kaum besser sein, denn laut Statista lebten 2018 etwa 16,4 Millionen Singles in Deutschland. Nur rund vier Millionen davon erklärten sich selbst zu überzeugten Einzelgängern, die ihr Alleinsein genießen würden und sich auch vorstellen könnten, das so beizubehalten.

Viel Geld für Verkuppler

Gleichzeitig läuft es für Online-Dating-Plattformen wie ElitePartner, Parship, Tinder und Co. wie geschmiert. Das Hamburger Unternehmen Parship, das genau wie ElitePartner seit einigen Jahren zur ProSiebenSat1 Mediengruppe gehört, konnte beispielsweise 2017 den Jahresumsatz von 117 Millionen (2016) auf 125 Millionen Euro erhöhen und seinen Jahresüberschuss damit fast verdoppeln, von 18,6 Millionen auf 32,4 Millionen Euro.

Schenkt man Analysten Glauben, so wird der Single-Markt auch zukünftig deutlich an Bedeutung zulegen. Bis 2020 vermuten sie ein Wachstum auf bis zu 12 Milliarden US-Dollar Umsatz pro Jahr.

In der Gesellschaft angekommen

Dating-Apps wie Tinder oder Bumble, bei denen du per Links-und Rechtswisch entscheidest, ob dir jemand zusagt oder nicht, funktionieren und erfreuen sich einer immer größeren Akzeptanz und Beliebtheit in der Gesellschaft. Waren sie früher noch als reine Sex-und One-Night-Stand-Plattformen verschrien, so haben sich heute laut einer Online-Befragung von Parship rund 43 Prozent der Deutschen bereits auf mindestens einer Plattform im Internet ausprobiert.

Eifrig Suchende scheinen dabei auch nicht vor stolzen Preisen und teuren Abos zurückzuschrecken. Viele Dating-Apps fürs Smartphones wie Tinder, Bumble, Lovoo, Jaumo, Badoo stehen zwar kostenlos im Play-und App-Store als Download zur Verfügung, In-App-Käufe erweitern die Funktionen allerdings signifikant.

Koste es, was es wolle

So lassen sich beispielsweise Matches, bei denen es noch nicht zum Chat und folglich zur Konservierung der „digitalen Verbindung“ gekommen ist, mit echtem Geld verlängern. Dadurch bleibt etwas mehr Zeit, sich kennenzulernen. Andere Dating-Firmen werben mit „Akademikern und Singles mit Niveau“ (ElitePartner), wiederum andere behaupten, dass bei ihnen etwas Echtes entstehen könne, („start something real“, LoveScout24), wenn du dich für sie entscheidest. Gemein ist allen Paid-Versionen, dass du ein weitaus umfangreicheres Profil erstellen und ebenso gezielter auf Suche gehen kannst. Zudem bekommst du passgenaue Personen vorgeschlagen und kannst von Beratern profitieren, die mit dir dein Profil optimieren. Das hat allerdings auch seinen Preis. So kostet die Jahresmitgliedschaft bei ElitePartner beispielsweise knapp 800 Euro!

Match Group

Welches Potential in der Partnervermittlung schlummert, das hat die Match Group voll verstanden. Das 2009 in Dallas, Texas gegründete Internetunternehmen betreibt einige der größten Dating-Plattformen der Welt. Dazu gehören unter anderem Tinder, OkCupid, PlentyOfFish. Gerade mit Tinder hat die börsennotierte Match-Group ein echtes Zugpferd im Stall. Seit 2012 gibt es die simple „Wisch-App“ fürs iPhone, ein Jahr später folgte die Android-Version. Heute verzeichnet Tinder (obwohl in der Grundversion kostenlos) rund 4,3 Millionen zahlende Nutzer. Ingesamt hat die Match-Group auf allen Plattformen mehr als 8 Millionen Abonnenten. Da bleibt ordentlich Geld hängen: 2018 konnte der Umsatz um 30 Prozent gesteigert werden, auf 1,7 Milliarden US-Dollar, der Gewinn kletterte um 37 Prozent auf 478 Millionen US-Dollar.

Markt noch nicht abgegrast

Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht, wenn man der Chefin der Match-Group, Mandy Ginsberg, glauben darf. Denn wie sie in einem Interview mit Observer erklärt, habe rund die Hälfte der Alleinstehenden entsprechende Plattformen und Dating-Apps bei der Partnersuche bisher noch nicht in Erwägung gezogen. Hier gäbe es einen potentiellen Markt von rund 600 Millionen neuen Singles. Die gilt es allerdings erst noch von den neuen Möglichkeiten der Partnersuche zu überzeugen - bis dahin kannst du dein Glück ja auch noch analog versuchen.

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Moritz Weinstock
Moritz Weinstock
Moritz hat Kommunikationswissenschaften in Wien studiert und seine Leidenschaft fürs Schreiben mit nach Berlin gebracht. Nach lehrreichen Jahren als Redakteur bei einem Motorradmagazin, ist er nun als Channel-Editor für ZASTER tätig. Sein Zugang zur Wirtschaftswelt: er lebt auf zehn Quadratmetern und spart, was das Zeug hält.

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