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China-Gadgets - Schnäppchen oder Schrott?

von Nils Matthiesen

Ein Ladegerät für 89 Cent? Ein Kopfhörer für 1,59 Euro? Oder sogar ein Notebook für 240 Euro? Möglich machen’s Billigimporte aus Fernost. Doch wie schlagen sich die Pfennigartikel im Vergleich zum Original? Und geht es da mit rechten Dingen zu?

Wer ausgetretene eBay-Pfade verlässt und sich bei Händlern in Asien umschaut, findet ein wahres Eldorado an günstigem Zubehör. Im Angebot ist so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann: simple Nachbauten von Originalen, pfiffige Eigenentwicklungen und kuriose Gadgets. Allen gemein ist, dass es sie meist zum Spottpreis gibt. Die Verkäufer locken beispielsweise mit Ladegeräten für 89 Cent, Headsets für 1 Euro und ein paar Zerquetschte und Smart-Cases für 5 Euro – selbstverständlich neu und zum Festpreis.

Kostenloser Versand

Fast unglaublich: Obwohl die Teile um die halbe Welt verschifft werden müssen, ist der Versand in der Regel kostenlos. Erkennbar ist der Gratisversand an der Bezeichnung „Economy Int'l Shipping“. Die Kehrseite der Medaille: Wann der georderte Artikel zu Hause eintrifft, gleicht einem Glücksspiel. Im Idealfall liegt er schon nach einer Woche im Briefkasten, wenn es schlecht läuft erst nach vier bis fünf Wochen.

Und wenn es noch schlechter läuft, landet die Ware beim Zoll. In diesem Fall verzichtet der Versender auf die „Custom Declaration“ auf dem Umschlag, die unter anderem den Wert der Ware enthält. Das kommt allerdings sehr selten vor, zudem weisen die Anbieter im Kleingedruckten auf diesen Umstand hin. Gedanken über Abzocke müssen sich Käufer zudem keine machen. Bei nahezu allen Asien-Deals kommt als Zahlungsmittel PayPal zum Einsatz. Das beinhaltet den PayPal-Käuferschutz. Falls ein gekaufter Artikel also nicht versandt wurde oder der gelieferte Artikel erheblich von der Artikelbeschreibung des Verkäufers abweicht, bekommt der Käufer sein Geld im Rahmen des Käuferschutzprogramms zurück.

Billig kann gefährlich sein

Die ZASTER-Redaktion hat die Probe aufs Exempel gemacht und bei asiatischen Händlern munter eingekauft. Grob zusammengefasst ergibt sich folgendes Fazit: Einfache Artikel wie Kabel, Docks, Hüllen etc. funktionieren in der Regel einwandfrei und es gibt sie tatsächlich für einen Bruchteil des Originalpreises. Bei technisch komplexeren Produkten wie beispielsweise Headsets und Adaptern weist das Billigzubehör aber oft Funktionsmängel auf. Vom Kauf von Netzteilen und anderen sicherheitsrelevanten Produkten raten wir ebenfalls ab. Hier fehlen meist entsprechende Prüfsiegel und man weiß nie genau, was drinsteckt. Das es unter Umständen sogar lebensgefährlich sein kann, berichtet die „Computer Bild“ in ihrer aktuellen Ausgabe (2/19). Die Redaktion testete ein 14-Zoll-Ultrabook vom China-Hersteller LHZMNiY das sie auf der Schnäppchen-Plattform Wish www.wish.com ergatterten. Bei der Untersuchung entdeckten die Tester haarsträubende Mängel. Es drohen tödliche Stromschläge und Wohnungsbrände. Zudem fehle das CE-Logo, wodurch das Gerät in Europa nicht verkauft werden darf.

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Fazit

Die Preise von Händlern aus Fernost sind zweifelsohne verführerisch. Allerdings lässt sich vor dem Kauf kaum einschätzen, wie es mit der Qualität der Ware bestellt ist. Teilweise fehlt an Importware auch die sogenannte CE-Kennzeichnung, mit der ein Hersteller die Einhaltung grundlegender europäischer Normen bestätigt. Egal aber ob mit oder ohne CE-Kennzeichen, privat importierte Produkte können erhebliche Herstellungsfehler aufweisen oder gefährliche Schadstoffe enthalten. Wenn es Probleme mit dem Händler gibt, vor allem bei der Geltendmachung des Widerrufsrechts und der Gewährleistung, verringert ein Firmensitz im entfernten Asien die Chancen, Rechte gerichtlich durchzusetzen. Nur wenig tröstlich ist dann die Tatsache, dass der Kaufvertrag in den meisten Fällen deutschem Recht unterliegt. Letztlich bleibt noch der Hinweis, nicht allzu dreiste Plagiate zu kaufen, die Original-Produkten bis ins Detail nachempfunden sind. Ganz abgesehen von moralischen und wirtschaftlichen Bedenken: Mit etwas Pech behält der Zoll die Ware ein und dein Geld ist futsch.

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Nils Matthiesen
Nils Matthiesen

Nils ist Journalist sowie Texter und beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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