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Mehr als Steinreich

BlackRock - der größte Vermögensverwalter der Welt

von Moritz Weinstock

Der Finanzkonzern gilt als der größte der Welt, sein Einfluss reicht jedoch weit über die Märkte hinaus. ZASTER führt dir die unglaubliche Macht von BlackRock vor Augen.

Es gibt eine Person in der Finanzwelt, deren Status weit über den eines Börsengurus hinausgeht. Denn Lorenz Douglas Fink, auch „Larry“ genannt, spekuliert nicht mehr, er und BlackRock scheinen den Ton anzugeben. Wie es soweit kommen konnte und warum der US-amerikanische Investmentkonzern mehr Kapital verwaltet als jede Bank oder jede andere Investmentgesellschaft der Welt, erklärt dir ZASTER.

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Der Grundstein für BlackRock wird 1988 gelegt, als der noch bis vor wenigen Jahren extrem erfolgreiche Investmentbanker Larry Fink die First Boston Corporation verlässt, nachdem er dort über 100 Millionen US-Dollar in den Sand gesetzt hat.

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Wer so viel Geld verzockt, ist an der Börse erstmal nicht gern gesehen. Doch eine Gesellschaft, Blackstone, weiß um die Talente des ehemaligen Brokers. Gemeinsam gründen sie Blackstone Financial Management, den Vorläufer von BlackRock, und ernennen Fink zu deren Boss.

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1994 spaltet sich die zunehmend auf Vermögensverwaltung spezialisierte Gruppe ab und nennt sich in Black Rock Inc. um. Fünf Jahre später folgt der Börsengang an der New York Stock Exchange unter dem Kürzel BLK. Damaliger Preis pro Aktie: ca. 14 US-Dollar. Heute: über 400 US-Dollar.

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Larry und seine Finanzexperten scheinen einiges richtig zu machen. Gerade Investmentfonds werden ihr Steckenpferd. Millionen von Klein- und Großinvestoren vertrauen BlackRock ihr Geld an. Dazu kommen viele Übernahmen und Fusionen, die das Unternehmen weiter wachsen lassen. 1995 erfolgt der Zusammenschluss mit PNC Financial Services, einem börsennotierten Unternehmen, das ebenfalls im Banken -und Finanzwesen tätig ist und heute rund fünf Millionen Kunden betreut.

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2006 schnappt sich BlackRock die amerikanische Tochtergesellschaft der Bank of America, Merrill Lynch, und verwaltet damit erstmals Vermögen im Gesamtwert von über einer Billionen US-Dollar. Nur drei Jahre später erschüttert die Finanzkrise, ausgelöst durch die aufgeblähte Immobilienblase in Amerika, die Weltwirtschaft. Großbanken wie Lehman Brothers brechen zusammen, werden verstaatlicht oder von liquiden Investmentunternehmen aufgekauft. Unter ihnen: die britische Bank Barkleys, die sich BlackRock für lächerliche 13,5 Milliarden US-Dollar unter den Nagel reist und so über Nacht ihr eigenes Fondsgeschäft fast verdoppelt.

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ETFs gehen als Gewinner der Krise hervor und diejenigen, die am meisten von ihnen verwalten, zählen zu den neuen Stars am Finanzhimmel. BlackRock spielt jetzt ganz oben mit. Und weil der Mensch nach Sicherheit strebt, flüchten sich Millionen Amerikaner in die vielen neuen Anlageformen, die BlackRock nun unter dem Namen „iShares“ anbietet. Während der Kleinsparer damit seine Rente sichert oder aufbessert, hoffen Großinvestoren auf konstante Renditen. BlackRock macht beide glücklich und kauft sich mit den hunderten von Milliarden US-Dollar, die diese Menschen ihnen anvertrauen, in nahezu alle Unternehmen von Rang und Namen ein.

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BlackRock ist, um nur ein paar zu nennen, Großaktionär bei Apple, Microsoft, Facebook, McDonalds, Volkswagen, Adidas, Siemens, Shell, Bayer, BASF, Rheinmetall. An allen DAX30 Unternehmen hat der Finanzkonzern satte Milliarden-Beteiligungen, gleiches gilt auch für andere Unternehmen in Europa, wie beispielsweise L’Oréal in Frankreich.

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BlackRocks Erfolg ist nicht nur auf die Expertise seiner 14.500 Mitarbeiter zurückzuführen. Schon früh erkannten Larry und Co. das Potential umfassender Datenerhebungen weltweiter Geschehnisse aus Politik und Wirtschaft. BlackRock betreibt deshalb eines der größten Rechenzentren im Finanzsektor, das, ausgestattet mit künstlicher Intelligenz, Trends, Prognosen und Investitionsmöglichkeiten errechnet, die weit über das Wissen einzelner Menschen oder gar Gruppen hinausgehen. Was „Aladdin“, wie das System heißt, ausspuckt, liefert BlackRock den entscheidenden Vorteil gegenüber jeglicher Konkurrenz. Das auf diese Weise erlangte Wissen ist sogar so groß, dass selbst Zentralbanken, Staaten und Politiker um Rat bitten.

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Der weltweit größte Finanzinvestor, der nicht weniger als unfassbare sechs Billionen Euro Anlagevermögen verwaltet, gliedert sich grob gesagt in zwei Tätigkeitsfelder. Zum einen verwaltet BlackRock das Geld vieler Millionen Menschen, sowie einiger Großinvestoren und Staatsfonds (zum Beispiel des norwegischen Staatsfonds). Auf der anderen Seite tritt das Unternehmen aber auch als Finanzberater für Wirtschaftsunternehmen, Staaten und Länder in Erscheinung. Selbst die EZB hat jahrelang mit Beratern von BlackRock zusammengearbeitet und tiefe Einblicke in die europäische Finanzpolitik geboten. Nun stellt sich für viele Experten jedoch die Frage, wie selbstlos und gut ein Unternehmen wie BlackRock Dritte bei Finanzfragen beraten kann, wenn sie selbst in diesem Bereich unterwegs sind. Anders gefragt: Rate ich jemandem zur besten Eissorte, wenn ich selbst an der besten Eissorte interessiert bin? Strenge, interne Regulierungsbehörden wollen den Austausch zwischen Beratern und Investoren innerhalb von BlackRock penibel genau unterbinden. Ob das wirklich funktioniert, bleibt fraglich.

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Die Allgemeinheit ist der Meinung, dass ETFs als krisensicher gelten, bilden sie doch die Gesamtheit eines Marktes ab, und nicht nur den Wert einzelner Aktien. Heißt also, wenn viele Aktien innerhalb eines Indexes sinken, gleichen dies andere Aktien wieder aus. So zumindest die allgemeine Vorstellung. Der Flash Crash am 6. Mai 2010 zeigte jedoch, dass auch hier nicht mit hundertprozentiger Sicherheit zu rechnen ist. Denn damals stürzten die Kurse, darunter sehr viele ETFs, innerhalb nur weniger Stunden aus bisher völlig ungeklärten Gründen in ungeahnter Geschwindigkeit ab. Bevor es jedoch zu einem „Run to the exit“ kam, dem Moment, wenn alle Anleger und Investoren aus Angst vor noch größeren Verlusten nur noch verkaufen wollen, stabilisierten sich die Werte und stiegen wieder auf das ursprüngliche Niveau an.

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BlackRocks Hauptgeschäft beruht jedoch auf ETFs. Allein in Deutschland stammen 50 Prozent der angebotenen Investmentfonds von BlackRock. In den Vereinten Staaten von Amerika beherrschen BlackRock und Vanguard, der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt, zwei Drittel des ETF-Marktes. Ihr Einfluss und ihre Macht sind so groß, dass, sobald sie sich für Investments in Unternehmen entscheiden, allein schon dadurch die Kurse steigen. Gleiches gilt für den gegenteiligen Fall. Das wiederum betrachten Finanzexperten als zunehmend kritisch. Denn BlackRock und Co. sind so groß, dass die weltweiten Finanzsysteme dazu tendieren, nicht mehr so zu funktionieren wie bisher. Öffentliche Kritik erfahren diese Unternehmen nur noch, wenn überhaupt, durch vereinzelte Medien, anonyme Informanten oder völlig unabhängige Personen, wie beispielsweise den Hedgefonds-Manager und Multimilliardär Carl Icahn, der Larry Fink und BlackRock 2015 öffentlich in einer Fernsehshow kritisierte:

Carl Icahn: BlackRock a dangerous company from CNBC.

Fazit

BlackRock wächst also weiter und gewinnt konstant an Einfluss. Was das für die Wirtschafts- und Finanzwelt langfristig bedeutet, bleibt abzuwarten. Doch schon heute zeigt sich, dass Unternehmen wie BlackRock auch vor ethisch zweifelhaften Geschäften mit Rüstungsherstellern und Pharmakonzernen nicht zurückschrecken, um weiter zu wachsen.

ein Artikel von
Moritz Weinstock
Moritz Weinstock
Moritz hat Kommunikationswissenschaften in Wien studiert und seine Leidenschaft fürs Schreiben mit nach Berlin gebracht. Nach lehrreichen Jahren als Redakteur bei einem Motorradmagazin, ist er nun als Channel-Editor für ZASTER tätig. Sein Zugang zur Wirtschaftswelt: er lebt auf zehn Quadratmetern und spart, was das Zeug hält.

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