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Kapitalismus-Kritik

Wie Banksy in Venedig baden geht

von Moritz Weinstock

Er gilt als einer der größten zeitgenössischen Künstler, seine Werke sind pure Kritik und kosten Millionen. Die Rede ist von Banksy, dem unbekannten Streetart-Künstler, der alles daran setzt, den Kapitalismus zu kritisieren - und der ihn genau damit oft selbst befeuert. In Venedig hat er jetzt gleich zweimal zugeschlagen.

Während sich Kunstliebhaber gerade in den Galerien auf der Biennale in Venedig tummeln, ausschweifend über die neusten Trends der Szene philosophieren, findet die wahre Kunst unbemerkt zwischen den Staffeleien der Straßenkünstler an den Kanälen statt. Dort, wo sich Touristen für viel Geld zeichnen lassen, lässt Banksy sein ganz eigenes Bild von Venedig entstehen.

Ein Bild, zusammengesetzt aus vielen einzelnen, haut den Kunstsammelnden die Kritik am Massentourismus geradezu um die Ohren. Was die meisten nicht wissen: Sie stehen vor einem echten Banksy. Erst als ein Video dazu auf dem offiziellen Instagram-Account des Künstlers veröffentlich wird, sind alle wie elektrisiert und das Internet dreht druch.

Schuss in den Ofen

Doch bei all den politische Botschaften, die Banksy mit jedem Werk in die Welt aussendet, hat seine Kunst nicht selten einen völlig gegensätzlichen Effekt. So zum Beispiel mit seinem Bild „Girl with Ballon”, das vergangenes Jahr bei einer Versteigerung in London gleich doppelt für Aufsehen sorgte. Zum einen, weil es eine Sammlerin für rund 1,8 Millionen Dollar ersteigerte. Zum anderen, weil es kurz nachdem die Auktion beendet war, durch einen eingebauten, versteckten Mechanismus geschreddert wurde. Wenig später war das Video dazu auf der Instagram-Seite des Künstlers zu sehen, betitelt mit dem Spruch:

The urge to destroy is also a creative urge
Pablo Picasso

Jetzt also Tatort Venedig!

Aber der Plan, der Kunstwelt eins auszuwischen, ist dieses Mal nicht ganz aufgegangen. Denn neben seinem Straßenstand hat Banksy ein weiteres Kunstwerk in der Stadt platziert. Der britische Künstler hat sich auf der Wand eines Palazzos, der sich im „Zustand zwischen renovierungsbedürftig und abbruchreif” befindet, wie das Manager-Magazin schreibt, verewigt. Das Kunstwerk zeigt einen Jungen im klassischen Banksy-Stil, der etwas brennendes in die Höhe hält. Das Bild lässt viel Spielraum für Interpretationen. Für die Immobilien-Agentur Engel & Völkers, die das Wohnhaus mit dem Banksy-Werk anbietet, ist es jedoch nur eines: das perfekte Kaufargument. So schreibt E&V auf ihrer Homepage: „Banksy in Venedig hat sich für ein E&V Anwesen entschieden!”

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Moritz Weinstock
Moritz Weinstock
Moritz hat Kommunikationswissenschaften in Wien studiert und seine Leidenschaft fürs Schreiben mit nach Berlin gebracht. Nach lehrreichen Jahren als Redakteur bei einem Motorradmagazin, ist er nun als Channel-Editor für ZASTER tätig. Sein Zugang zur Wirtschaftswelt: er lebt auf zehn Quadratmetern und spart, was das Zeug hält.

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