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Test

App: XING – bezahlen oder nicht?

von Hannes Lustermann

Es gibt rund drei Millionen Apps für Dein Smartphone, viele davon locken mit Premium-Angeboten. Lohnt sich das wirklich? ZASTER testet für Dich jede Woche die Bezahlversionen der beliebtesten Anwendungsprogramme. Heute: XING.

Die App: XING

„XING, was für ein Ding? Ah, ist das dann so ein Tinder für Karrieristen? Oder was willst du auf XING?“ So in etwa klingt das Feedback, das ich oft höre, wenn ich von diesem „sozialen Netzwerk“ erzähle. Aber das werde ich bald nicht mehr zu hören bekommen, weil ich nach inzwischen 12 Jahren bezahlter Mitgliedschaft noch nie einen wirklichen Mehrwert für mich daraus gezogen habe und sie deshalb aufkündigen werde. Und das hat seine Gründe.

Was kann die App? Vor allem viele News anzeigen, und zwar von jedem Mitglied und Unternehmen, das sich mitteilen will – egal ob Low- oder Premium-Mitglied. Ob man von Headhuntern gefunden wird oder nicht, scheint XING davon abhängig zu machen, in welche Form der Mitgliedschaft man investiert. Die Macher aus Hamburg versprechen „14 Millionen Mitglieder im deutschsprachigen Raum. Auf XING vernetzen sich Berufstätige aller Branchen, sie suchen und finden Jobs, Mitarbeiter, Aufträge, Kooperationspartner, fachlichen Rat oder Geschäftsideen.“

Klingt erstmal super. Außerdem kann ich mit einer bezahlten Mitgliedschaft erkennen, wer mein Profil besucht hat und diese Person auch kontaktieren. Sogar die nächsten Geburtstage werden mir aufgelistet. Hinzu kommen Mitgliedervorschläge und ein Vorteilsprogramm mit Rabatten von Car-Sharing bis Pay-TV, oder auch Versicherungen oder für das Essen in den Restaurants von Vapiano. Das ist alles ganz nett, aber ich benutze das nie, da es mir ja vielmehr darum geht, mir für die Karriere Kontakte zu erschließen.

Auf der Mobile App gibt es News aus drei Kategorien: von Kontakten, aus Gruppen und Newsquellen die ich abonniert habe und rund um Beruf & Karriere – der Algorithmus dahinter erschließt sich mir nicht, es scheint etwas wild zusammengewürfelt. Darum kann ich damit auch kaum etwas anfangen.
Auf der Mobile App gibt es News aus drei Kategorien: von Kontakten, aus Gruppen und Newsquellen die ich abonniert habe und rund um Beruf & Karriere – der Algorithmus dahinter erschließt sich mir nicht, es scheint etwas wild zusammengewürfelt. Darum kann ich damit auch kaum etwas anfangen. © Rob Szymoniak

Was kostet die Premium-Version? Je nach Laufzeit und Rabattangebot zwischen 6,35 und 9,95 Euro monatlich. Neben der Premium-Version bietet XING „ProJobs“ und „ProBusiness“-Pakete für bis 69,95 Euro pro Monat an – Mindestlaufzeit ein Jahr.

Ich wollte euch gerne ein paar Screenshots zeigen, aber bei aller Fülle an Content, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Aber es spiegelt eben nicht das wieder, was ich von so einer App erwarte, zumal sie ja aufs Jahr gerechnet ca. 80 Euro gekostet hat – und das ist noch die vergünstigte Version.

Lohnt sich das bezahlte Upgrade? Für mich als Privatperson nicht. Es ist wie ein fetter Tante-Emma-Laden, wo einem alles angeboten wird, weswegen die Kernkompetenz teilweise auf der Strecke bleibt. Ich dachte das liegt vielleicht an meinem Berufszweig (Medienmacher), aber auch Freunde von mir haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Viele Leute schauen dein Profil zwar an, aber im Endeffekt passiert nichts.

Auf der Mobile App taugt die Premiumversion von XING besonders wenig, das fühlt sich fast an wie eine Mogelpackung. Auf dem Desktop ist es noch halbwegs übersichtlich und es gibt die vorhin aufgeführten Funktionen. Mobil sehe ich stattdessen das hier:

Das bekomme ich zu sehen, wenn ich via Smartphone App den Premium-Bereich aufrufe. Das war es dann auch schon.
Das bekomme ich zu sehen, wenn ich via Smartphone App den Premium-Bereich aufrufe. Das war es dann auch schon. © Rob Szymoniak

Stattdessen wünsche ich mir ein deutlich weniger kompliziertes Handling, eine bessere Anordnung, sowie besseres „Look&Feel“ als nach dem Relaunch der App. Mag sein, dass Unternehmen in Sachen Personalsuche oder Selbständige mit einzelnen Aufträgen davon profitieren. Meine Traumjobs habe ich aber immer auf Eigeninitiative bekommen.

Welche Alternativen gibt es? Der große Konkurrent von XING ist LinkedIn. Der ist zwar deutlich teurer, dafür ist die angebotene Mobile App klar strukturiert und kommt deutlich übersichtlicher daher.

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