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315 Milliarden Dollar schwer

Amazon: Was das Unternehmen so wertvoll macht

von Moritz Weinstock

Amazon steigt erstmals zum wertvollsten Unternehmen der Welt auf und verdrängt die Platzhirsche. Apple und Google rutschen im Vergleich zum Online-Händler ab. Höchste Zeit aufzuschlüsseln, was das Imperium von Jeff Bezos ausmacht.

Der Start in den Sommer verlief für Amazon nicht wirklich berauschend. Die Aktie hatte innerhalb weniger Tage massiv an Wert verloren, begann sich dann allerdings wieder rasch zu erholen. Derzeit sehen die Zahlen besser aus (aktuell 1.860 Dollar pro Aktie), vor allem was den Gesamtwert des Unternehmens betrifft. Die Analysten des Marktforschungsunternehmens Kantar, das jährlich ein Ranking über die erfolgreichsten Firmen der Welt erstellt, haben Amazon mit 315,5 Milliarden bewertet und so zum wertvollsten Unternehmen der Welt gekürt.

Apple und Google abgehängt

Damit verweist Amazon die ehemaligen Platzhirsche Apple (310 Mrd. Dollar) und Google (309 Mrd. Dollar) auf die Plätze zwei und drei. Gerade die extrem erfolgreichen Bereiche Videostreaming und Cloud-Computing haben maßgeblich zu dieser hohen Bewertung geführt. Dabei handelt es sich um Bereiche, in denen Amazon immer weiterwächst und so das Kerngeschäft um lukrative Services erweitert. Aber auch andere Lebens-und Geschäftsbereiche sind von hohem Interesse für Amazon. 2017 wurde beispielsweise die Bio-Supermarktkette Whole Foods für knapp 14 Milliarden Dollar geschluckt und zuletzt war es der millionenschwere Einstieg beim Food-Lieferdienst Deliveroo, der für Aufsehen sorgte.

Übrigens: Der Gesamtumsatz von Amazon lag zwischen 2017 und 2018 bei stattlichen 232 Milliarden Dollar, wobei immerhin gut 9 Prozent (19,9 Mrd.) auf Deutschland entfielen.

Gesamtumsatz von Amazon
Gesamtumsatz von Amazon

Jeff Bezos – der Allesmacher

Doch damit nicht genug: Jeff Bezos, der Gründer und Hauptanteilseigner von Amazon, verfolgt auch privat ambitionierte Investitionsziele. Beispielsweise war er einer der ersten, die in Google investierten. Aber auch in Uber, AirBnb, Twitter und die Nachrichtenplattform Business Insider hat er in der Vergangenheit fleißig Geld gepumpt. 2013 schnappte sich Bezos sogar die renommierte Zeitung The Washington Post für 250 Millionen Dollar. Außerdem steckt Bezos derzeit viel Zeit und Geld in sein Raumfahrtprojekt Blue Origin und in den Start des Day One Fund, einer Stiftung, die ausgestattet mit 2 Milliarden US-Dollar obdachlosen Familien den Weg zurück in die Gesellschaft ermöglichen soll und Grundschulen in den USA errichtet.

Immer wieder Kritik

Doch nicht alles ist positiv! Amazon steht gerade in Deutschland immer wieder heftig in der Kritik. So bemüht sich beispielsweise seit 2013 die Gewerkschaft Verdi um faire Arbeitsbedingungen und Tarifverträge für Angestellte des Versandhändlers - bisher ohne Erfolg. Auch die enorme Größe und Marktmacht von Amazon ist Kartellämtern immer wieder ein Dorn im Auge.

Und dennoch:
Amazon wächst und wächst und wächst. Aber auch die Konkurrenz schläft nicht. Die größte "Gefahr" für das amerikanische Multimilliarden-Unternehmen stammt derzeit aus China und nennt sich Alibaba. Das chinesische Pendant ist auch eine Verkaufsplattform, verzichtet allerdings komplett auf Versanddienstleistungen und spart gerade deshalb enorm viel Geld.

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Moritz Weinstock
Moritz Weinstock


Moritz hat Kommunikationswissenschaften in Wien studiert und seine Leidenschaft fürs Schreiben mit nach Berlin gebracht. Nach lehrreichen Jahren als Redakteur bei einem Motorradmagazin, ist er nun als Channel-Editor für ZASTER tätig. Sein Zugang zur Wirtschaftswelt: er lebt auf zehn Quadratmetern und spart was das Zeug hält.

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