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Verbraucherzentrale warnt

Abzock-Zinsen und Gebühren-Gewurstel bei Ratenkrediten

von Nils Matthiesen

Die Leitzinsen sind historisch niedrig. Also gute Zeiten für Kredite – könnte man zumindest meinen. Tatsächlich zocken viele Banken ihre Kunden ganz schön ab.

Neue Küche fällig? Oder neues Auto? Das nötige Kleingeld für solche Investitionen hat nicht jeder auf der hohen Kante. In dringenden Fällen macht also ein Ratenkredit Sinn, in dessen Rahmen man die Kreditsumme über einige Jahre über monatliche Raten wieder abstottert. Was kostet aber so ein festverzinster Kredit über 10.000 Euro mit vier Jahren Laufzeit? Und welche Gebühren fallen dabei an? Das wollte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen genau wissen und fragte Ende Oktober zehn Banken nach deren aktuellen Konditionen – mit überraschenden Ergebnissen.

Lockzinsen an der Tagesordnung

Die wichtigste Erkenntnis: Trotz niedriger Leit- und Magerzinsen auf Spareinlagen langten die Kreditinstitute kräftig zu. In der Spitze betrug der Effektivzins freche 13,7 Prozent – und zwar bei der Targobank. Also genau der Bank, die vollmundig mit Zinsen ab 2,45 Prozent wirbt. Wie das zusammen passt? Die besonders guten Konditionen bekommen nur Kunden mit einer einwandfreien Bonität, also etwa hohem Einkommen oder anderen Sicherheiten. Sprich: Nur wenige kommen in den Genuss der in der Werbung angepriesenen Lockzinsen. Kunden mit Top-Bonität müssten also insgesamt nur 502 Euro Zinsen zahlen, Kunden mit geringer Bonität mehr als das Fünffache: satte 2.855 Euro.

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Auch Deutsche Bank, S-Kreditpartner und TeamBank ("EasyCredit") als Kreditabwickler der Genossenschaftsbanken langten mit einem bonitätsabhängigen Maximalzins von 10,99 Prozent ordentlich zu. Dass es auch günstiger geht, zeigte die Norisbank: Hier lag die Zinsspanne zwischen effektiven 2,9 und 7,8 Prozent. „Sozialer“ sind zudem die Angebote der Comdirect (3,65 Prozent effektiv) und ING (3,79 Prozent effektiv). Denn hier gelten für alle Kunden die gleichen Bedingungen.

Gebühren-Wirrwarr bei vorzeitiger Rückzahlung

Überraschungen und Wirrwarr gab es auch bei den Gebühren. Dazu musst du wissen: Wenn du einen Ratenkredit vorzeitig zurückzahlst, musst du in der Regel eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung zahlen. Bis zu einem Prozent der außerplanmäßigen Rückzahlungssumme dürfen Banken verlangen, bei maximal zwölf Monaten Restlaufzeit die Hälfte. Löblich aus diesem Grund: Postbank, Deutsche Bank und ING verzichteten komplett auf diese Gebühren. Dafür sorgten andere Banken mit sonderbaren Regelungen für Verwirrung.

  • Die Comdirect wollte auf die Vorfälligkeitsentschädigung nur dann verzichten, falls nach der Sondertilgung mindestens ein Kredit in Höhe von "mehr als 1 Euro" übrig blieb. Was soll das?
  • Norisbank-Kunden wiederum durften kostenlos höchstens 50 Prozent der aktuellen Kreditsumme außerplanmäßig tilgen.
  • Die TeamBank verzichtet nur dann auf die Vorfälligkeitsentschädigung, wenn beim Abschluss des Kreditvertrags ein entsprechender Passus angekreuzt worden war. Das Kreuz mit dem Kreuz: Es ist "kostenpflichtig". Keine Gnade kannten S-Kreditpartner, Commerzbank und Santander. Das Trio bestand knallhart auf der gesetzlich zulässigen Maximalgebühr.

Kulant bei Verlängerung

Immerhin zeigten sich alle untersuchten Banken gesprächsbereit, wenn es darum ging, den Kredit zu verlängern, etwa um die monatlichen Raten zu drücken. Allerdings nicht aus reiner Barmherzigkeit: Denn verlängert sich die Laufzeit des Kredits, führt das zu höheren Zinskosten. Obendrein gab es diese Hilfe nur bei Commerzbank, ING, Postbank und TeamBank ohne Extragebühren.

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Fazit

Am besten ist es natürlich, für Konsum gar keinen Kredit aufzunehmen. Das solltest du wirklich nur dann tun, wenn du gerade knapp bei Kasse bist und absolut sicher bist, keine Probleme beim Abstottern des Kredits zu haben. Lasse dich aber nicht von Lockzinsen blenden. Informiere dich genau über konkrete Angebote. Erst wenn du deine finanziellen Hosen herunterlässt, weißt du in der Regel wirklich, wie günstig ein Kredit für dich ist.

Den kompletten Bericht der Verbraucherzentrale NRW findest du hier.

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Nils Matthiesen
Nils Matthiesen
Nils ist Journalist, Texter und einer der ersten Digital Natives. Er beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit den Themen Vorsorge, Geldanlage und Börse. Persönlich setzt er inzwischen mehr auf Fonds-Sparpläne als aktives Aktien-Picking.

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