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Über Notenbanken, Cost-Average-Effekt und die Fondsrendite

von Marcus Schwarze

Welchen Einfluss haben Notenbanken auf die Kapitalmärkte? Was ist der Cost-Average-Effekt? Und welche Rendite kann ich von einem Aktienfonds erwarten? Drei Fragen an den Kapitalmarkt- und Anlageexperten Malte Dreher.

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Welchen Einfluss haben Notenbanken auf die Kapitalmärkte?

Um diese Frage zu beantworten, braucht es eigentlich nur drei Worte: „whatever it takes“. Wer hat’s gesagt? Genau, Mario Draghi. Auf dem Höhepunkt der Euro-Krise im Juli 2012 sandte der Präsident der Europäischen Zentralbank eine klare Botschaft an die Kapitalmärkte: Er werde alles in seiner Macht Stehende tun, um die Gemeinschaftswährung zu verteidigen. Der Nachsatz „Und glauben Sie mir, es wird genug sein“ war dabei als Warnung an alle Spekulanten gedacht, gegen die Interessen der EZB zu handeln. Was auch so verstanden wurde. Die Lage beruhigte sich schlagartig, der Euro war gerettet.

Der EZB-Präsident beließ es nicht bei Worten, er handelte auch. Er senkte die Leitzinsen in mehreren Schritten bis auf null und begann, systematisch Anleihen aufzukaufen. Das animierte andere Marktteilnehmer, es ihm nachzutun. Gleichzeitig kauften immer mehr Anleger Aktien, weil eine Mischung aus Dividenden und Kursgewinnen viel verlockender erschien als der deprimierende Nullzins – die Kurse schossen in die Höhe. Glaubt mir: An den Kapitalmärkten wäre alles anders gekommen, hätte Mario Draghi im Sommer 2012 nur mit den Schultern gezuckt und leise „Ich weiß auch nicht mehr, was wir da noch machen können“ gemurmelt.

Das Problem: Niemand kann die Märkte ewig in seinem Sinne steuern. Letztlich hat Mario Draghi die Euro-Krise nur verschoben. Er hat Staaten und Unternehmen Zeit besorgt, ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Finden diese keine Lösung, könnte das Vertrauen, das die Notenbanken 2012 an den Kapitalmärkten noch genossen haben, irgendwann verbraucht sein. Und ihr Werkzeugkasten leer. Spätestens dann wird es, gelinde gesagt, schwierig.

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Was ist der Cost-Average-Effekt?

Der Durchschnittskosten-Effekt – so die deutsche Übersetzung – ist eine Art Relativitätstheorie für Fondssparer und die nach dem Zinseszinseffekt vielleicht wichtigste Gesetzmäßigkeit bei der Geldanlage überhaupt. Er besagt Folgendes: Wer regelmäßig einen festen Betrag in eine mit dem Auf und Ab der Börsen schwankende Anlageform wie einen Aktienfonds einzahlt, kauft bei niedrigen Preisen relativ viele und bei hohen Preisen relativ wenige Anteile. Damit sichern sich Anleger langfristig einen günstigeren Einstiegspreis, als wenn sie jeden Monat eine bestimmte Anzahl von Fondsanteilen kaufen würden. Ein anschauliches Beispiel dazu haben wir auf www.dasinvestment.com veröffentlicht.

Je stärker die Schwankungen, desto besser kommt der Cost-Average-Effekt zur Geltung. Seine positive Wirkung erfasst aber nur die jeweils aktuellen beziehungsweise in Zukunft gezahlten Raten. Anders formuliert: Daran, dass mit einem Aktienfonds-Sparplan im Laufe der Jahre ein beträchtliches Vermögen entsteht, hat der Cost-Average-Effekt durchaus seinen Anteil. Das in der Vergangenheit angesparte Vermögen vor Kurseinbrüchen schützen kann er allerdings nicht.

Auch wenn deshalb niemand den Cost-Average-Effekt überschätzen sollte, so hat er doch einen entscheidenden Vorzug: Er zwingt Anleger praktisch von ganz allein zu diszipliniertem Verhalten. Schließlich ist an der Börse mehr Psychologie im Spiel, als es die meisten Marktteilnehmer wahrhaben wollen. In guten Zeiten fühlt sich die breite Masse sorglos und tätigt Käufe, die im Nachhinein besser unterblieben wären. In stürmischen Phasen dagegen traut sich kaum jemand, Ausverkaufspreise zum günstigen Einstieg zu nutzen. Wer regelmäßig eine feste Summe spart, muss sich mit Problemen dieser Art nicht herumschlagen: Er oder sie ist immer dabei, aber rückblickend betrachtet mit einer günstigeren Gewichtung in den Hoch- und Tiefphasen als jemand, der allein den eigenen Gefühlen folgt.

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Welche Rendite kann ich von einem Aktienfonds erwarten?

Eine Frage, die auf ziemlich dünnes Eis führt. Denn eigentlich darf die Antwort nur lauten: Das weiß niemand so genau. Wer einen Aktienfonds kauft, kann seinen Einsatz mit etwas Glück innerhalb von sechs oder zwölf Monaten verdoppeln – so wie es im ersten Halbjahr 2015 mit speziellen China-Fonds oder 2017 mit einem Rohstofffonds gelungen ist. Man kann aber ebenso gut gleich zu Beginn ins Minus rutschen und muss dann unter Umständen viele Jahre darauf warten, bis überhaupt der Einstiegspreis wieder erreicht ist. Die Börse belohnt all diejenigen, die ihre Launen ertragen und Geduld und Gelassenheit vor Gier stellen. Aber sie lässt sich nicht ausrechnen. Niemals.

Wer dieses Prinzip erst einmal begriffen hat und akzeptiert, kann sich dem Thema Rendite mit einem Zitat des französischen Schriftstellers André Malraux nähern: Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern. Dabei hilft eine Rechnung des Fonds-Verbandes BVI zu den rollierenden 30-Jahres-Renditen deutscher Aktienfonds-Sparpläne. Ihre wichtigste Botschaft lautet: Kein Anleger, der 30 Jahre lang regelmäßig einen gleichbleibenden Betrag (siehe dazu meine Ausführungen zum Cost-Average-Effekt oben) in einen deutschen Aktienfonds eingezahlt hat, hat dabei in der Vergangenheit Geld verloren. Die Bandbreite der durchschnittlich erzielten Renditen schwankte zwischen 5,2 Prozent (Sparplanende März 2009) und 12,9 Prozent (Sparplanende März 2000) pro Jahr.

Die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Schlussrendite eines heute abgeschlossenen Sparplans 2048 irgendwo innerhalb dieses Korridors landet, ist recht hoch. Wer dabei einen eher ungünstigen Ablaufzeitpunkt erwischt, darf zudem auf Nachschlag hoffen. Vorausgesetzt, das Geld arbeitet noch eine Weile im Fonds weiter. Denn Phasen mit eher niedrigen Durchschnittsrenditen folgten in der Vergangenheit schon bald Phasen mit höheren Renditen.

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